Marktwochen am BIO-Hof Glatzl in Haiming

Als ich noch Regionalentwickler im Ötztal war ist mir der Glatzl Hans schon aufgefallen. Vor mehr als 30 Jahren schon hatten er und seine Familie auf Bioproduktion gesetzt. Sie wurden deshalb auch von vielen bäuerlichen Standeskollegen milde belächelt – um das einmal nobel auszudrücken. Heute betreiben die Glatzls einen fantastischen Hofladen, gewinnen Goldmedaillen und sind zu einem BIO-Zukunftsmodell herangereift.

In den letzten Jahrzehnten hat sich in Sachen BIO doch einiges geändert. Gottseidank möchte ich sagen. Und das, was die BIO-Familie Glatzl aufgebaut hat, kann sich sehen lassen. Für mich ist ihre Aufbauarbeit eine Blaupause dafür, wie BIO-Bäuerinnen und -Bauern ihre Zukunft gestalten können. Deshalb möchte ich diesen Hof vorstellen. Möchte zeigen, wie hochwertige BIO-Erzeugnisse vor Ort hergestellt – und genauso wichtig – vor Ort direkt vermarktet werden können. Und dass Produkt-Innovation und das Beschreiten neuer Wege in der Vermarktung unabdingbare Voraussetzungen für erfolgreiches Wirtschaften darstellen.

BIOhof Glatzl

Der BIO-Hof Glatzl bei der Ortseinfahrt in Haiming.

Der alte Glatzl-Hof: ein Schmuckstück

Wie die vielen BIO-Bauern Tirols verbindet auch die Familie Glatzl Altes mit Neuem. Konkret: der ursprüngliche, wunderschöne Hof der Familie im Zentrum Haimings wurde renoviert und dient vor allem als Wohnort der Familie. Bauernhaus und Stallungen sind für mich eine der letzten Perlen des einstigen Bauerndorfes Haiming. Den neuen BIO-Hof haben die Glatzls etwas außerhalb des Ortskerns gebaut. Inmitten ihrer Äcker, direkt an der Ortseinfahrt. Also mit besten Voraussetzungen für die Direktvermarktung.

Glatzl, Haiming

Der ‚Stammsitz‘ der BIO-Familie Glatzl in Haiming. Der Stall ist selbstverständlich noch ‚in Betrieb‘.

BIO-Hof seit mehr als 30 Jahren

Wie gesagt: der BIO-Hof Glatzl hat bereits eine lange Geschichte. Schon im Jahre 1989 begann Vater Josef Glatzl als Biopionier in der Region den giftfreien Anbau von Lebensmitteln. Eigentlich eh genau das, was wir immer getan hatten‘, sagt Hans Glatzl. Der Respekt vor der Natur gebietet es, sie nicht zu vergiften. Gemüse- und Getreideanbau ist seit Generationen sozusagen das ‚Stammgeschäft‘ der Familie.

Was besonders auffällt ist die Vielseitigkeit der BIO-Erzeugnisse der Glatzls. Dazu gehören verschiedene Sorten von Erdäpfeln, Kürbisse, Gemüse, Mais, Weizen und Gerste. Um nur die Wichtigsten zu nennen. Aber es sind beileibe nicht nur ‚Rohprodukte‘, die angeboten werden.

Familie Glatzl. BIO Hof Glatzl

Die Glatzls bei der Kürbisernte.

Die Haiminger ‚Glatzl-Mühle‘

Bekannt ist der BIO-Hof Glatzl für die sorgsam verarbeiteten Endprodukte. Wie etwa Nudeln und Brot. Dass sich vor allem das BIO-Brot vom Glatzlhof entscheidend von anderen Broten abhebt ist – neben der sorgfältigen und zeitintensiven Verarbeitung – vor allem auf das Mahlen des Getreides zurückzuführen. Dazu brauchte es aber eine Mühle.

Glatzl Mühle, Haiming

Die ‚Glatzl Mühle‘ in Haiming

Ich kann mich noch gut erinnern, wie Hans Glatzl vor mehr als 20 Jahren bei mir im LEADER-Büro vorbei geschaut hatte um ein Projekt zu initiieren. Er wollte alte Mühlen vor dem Verfall retten und hatte damals vorgeschlagen, eine Sanierungsaktion noch bestehender Mühlen zu initiieren. Das ganze scheiterte allerdings am Nicht-Interesse der LEADER-Gemeinden. Hans war es aber ganz einfach nicht  gewohnt, aufzugeben. Also hat er sich selbst eine Mühle gebaut, die aus verschiedenen Versatzstücken alter Mühlen besteht. Zusammengetragen aus allen Tiroler Himmelsrichtungen.

Hans Glatzl Mühle

Hans Glatzl, ein Pionier in der Erhaltung alter Mühlen. Aber nicht etwa als Museum sondern als funktionstüchtige bäuerliche Einrichtung.

Haiming war einst eine Kornkammer

Mit der Planung und dem Bau einer Mühle in Haiming führt Hans auch gleichzeitig eine Haiminger Tradition weiter. 1748 schon wurde in Haiming eine Mühle genehmigt. Auch eine Säge wurde vom damals neu errichteten Mühlbach quasi mitbetrieben. Bis dahin mussten die Haiminger ihr Getreide in der Schlossmühle in Silz-Petersberg mahlen lassen. Die Ortschronik berichtete von ’10.000 Star’ Getreide, das es galt, damals zu vermahlen. Und da ein Tiroler Star 30,5775 Liter umfasste waren es somit insgesamt 305.775 Liter Getreide. Wer nun wissen will, wieviel Kilo das maximal in Weizen gewesen ist nimmt das Hektolitergewicht der einzelnen Getreidesorten. Dabei kommt man auf die beträchtliche Zahl von 266.000 kg Ernteertrag, wenn in Haiming im  Jahr 1748 ausschließlich Weizen angebaut worden wäre. In Hafer wären das 165.000 kg, in Gerste 235.440 kg und  in Roggen 235.440 kg gewesen. https://de.wikipedia.org/wiki/Star_(Einheit)

Hans Glatzl, Mühle Haiming

Hans Glatzl bei der Arbeit in seiner Mühle.

Eine Mühle bauen? Die Idee ist gut und recht. Woher aber mitten in Haiming das Wasser nehmen? Hans Glatzl: „Damals wurde auch der Mühlbach gebaut, der das Wasser heute noch von der Brunnau am Ausgang des Ötztales nach Haiming transportiert.“ Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die Brunnau liegt etwas nördlich von Ötz. Das Wasser musste also mehrere Kilometer herangeschafft werden. Und dann musste noch die Menge stimmen, um Säge und Mühle betreiben zu können.

Die Säge ist schon bald nach dem Krieg abgebrochen worden. Der Mühlbach hingegen blieb erhalten. Und das war die Grundlage, auf der Hans Glatzl aufbauen konnte. Genau vor 25 Jahren errichtete er seine wasserbetriebene Getreidemühle am Ortseingang von Haiming. Mit einem großen Mühlrad und einer Einrichtung, wie sie mir irgendwie sogar märchenhaft erscheint.

Glatzl Mühle Haiming

Ein inzwischen ausgetauschter Teil der Mühle. Es sind wahre Holz-Kunstwerke, die früher dafür sorgten, dass die Menschen Mehl und somit Brot erzeugen konnten.

Der Glatzl-Hof:  BIO-Treffpunkt der Region

Was ich ehrlich bewundere ist die Tatkraft dieser Familie. Die Produktpalette drückt das am besten aus. Sechs Getreidesorten, Brot, Mais bis inklusive einen Mais-Whiskey und Gemüse in allen Farben und Formen. http://www.biohofglatzl.at/Produkte/

Genauso bemerkenswert ist das Marketing der Glatzls. Sie setzen vor allem auf Direktvermarktung ab Hof – und haben Erfolg damit. Hier kann man rund um die Uhr einkaufen, denn dafür stehen Selbstbedienungsautomaten bereit. In denen übrigens nicht nur Produkte des Hofes sondern auch BIO-Erzeugnisse anderer Höfe erhältlich sind.

Zudem beliefern sie noch die vielleicht beste BIO-Organisation Europas, nämlich BIO vom BERG. Die einzige bäuerliche Genossenschaft, die in den Händen von Bauern liegt und nicht von ‚Investoren‘ ausgebeutet wird.

Goldmedaille für ‚Glatzl Gold‘

Kaum zu glauben ist eine Produktinnovation, mit der eigentlich ‚Abfälle‘ der BIO-Maisproduktion verwertet werden sollten. Denn das feine Maismehl, das bei der Erzeugung von Polentagries anfällt sollte verwertet werden. Josef Glatzl wollte die dabei anfallenden ‚Abfälle‘ nicht mehr länger verfüttern. Denn beim Mahlen der Maispolenta fallen rund 40 Prozent Maismehl an. Er brauchte nicht lange zu überlegen: daraus Whiskey oder richtiger Bourbon zu brennen lag auf der Hand. Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten.

Maismehl, Biohof Glatzl

Aus Maismehl, eigentlich einem ‚Abfallprodukt‘ der Polentaerzeugung, brennen die Glatzls einen prämierten Whiskey der eigentlich ein Bourbon ist.

Glatzl Gold vom Biohof Glatzl

Ein BIO-Whisekey, eigentlich ein Bourbon gebrannt aus Glatzl BIO-Mais und drei Jahre in heimischen Eichenfässern gelagert. Ein ganz besonderes Tröpfchen.

Auf der internationalen Edelbrandmeisterschaft ‚Destillata 2020‘ wurde dem ‚Glatzl-Gold – Haiminger Bio Whiskey‘‚ prompt eine Goldmedaille umgehängt. Drei Jahre lang reift dieser BIO-Bourbon in heimischen Eichenfässern. Das Ergebnis ist ein Gaumenschnalzer. Er hat eine angenehm nussige Note und schmiegt sich mit Karamelldüften an den Gaumen die an Schokolade erinnern. Also genau das, was die guten, handwerklich erzeugten US-amerikanischen Bourbons auszeichnet. Hut ab vor soviel Qualität.

Hofladen, BIO-Hof Glatzl

Der exzellente Hofladen am BIO-Hof Glatzl.

Glatzls Marktwochen im September und Oktober.

Jeweils am Freitag  von 14-18 Uhr und Samstag von 8-12 Uhr wird eine umfangreiche Palette an biologischen Produkten angeboten

Um den coronabedingten Ausfall der Haiminger Markttage zu kompensieren und ihren Kunden die Möglichkeit zu geben, sich mit fantastischen BIO-Produkten einzudecken werden von Mitte September bis Ende Oktober spezielle Marktwochen beim BIO-Hof abgehalten. Da gibt’s alles, was das Herz begehrt: Kartoffeln, Lagergemüse, Getreide, Mehle, Polenta, Muesmehl, Teigwaren, Flakes, Bauernbrot, Speck, Würste und Bio- Whiskey. Die günstige Lage des Hofes am westlichen Ortseingang sowie persönliches Service ermöglicht den Kunden einen bequemen Einkauf.

Website des BIO-Hofs Glatzl: http://www.biohofglatzl.at/

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