Grünmandls Rückkehr in sein geliebtes Wohnzimmer

Immer wenn es im Innsbrucker Treibhaus ‚rund geht‘, ob beim Kartenabreissen, im Backstage-und Bühnenbereich oder im Restaurant: Hannes Pendl kümmert sich um Organisation und reibungslose Abläufe in Tirols Kulturtempel Nummer eins. Mir ist er bisher als ‚Chef vom Dienst’ aufgefallen, heute nennt man solche Tätigkeiten ‚Checker‘. Das ist aber nicht alles, was Hannes beherrscht.

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‚Guite Schuiche‘ – Handgemachte Tiroler Patschen aus dem Stubai

Nie mehr kalte Füße im Winter. Das ist die erklärte Absicht einer Stubaier Patschen- und Pantoffel-Manufaktur, die sich ‚Guite Schuiche‘ nennt.

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Ein Stern namens Zickeler

Es gibt sie noch, die legendären Wirts- oder Gasthäuser in Tirol. Eines dieser ‚letzten Mohikaner‘ steht in Haiming.

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Wer ist Markus Koschuh?

Seit mehr als zehn Jahre ‚mischt‘ der Kabarettist Markus Koschuh die Tiroler Politszene so richtig auf. Sein neuestes Programm ‚wOHNMACHT’ wird von Publikum und Presse bejubelt. Ich möchte endlich von ihm wissen, wie man Kabarettist wird. Und ob es spezielle Voraussetzungen dazu braucht.

Vor 15 Jahren war’s aus mit Lustig in Tirol. Endlich. Vorbei die Zeiten, in denen präpotente Politiker_innen mit selbstgerechter Selbstverständlichkeit tun und lassen konnten was sie wollten. Es war jene unsägliche Zeit, als  sie gemeinsam mit Dorfkaisern, Spekulanten, Tourismusfanatikern und Seilbahn-Potentaten quasi sakrosankt waren. 

Die Zeiten vor dem Koschuh.

Ich hatte noch Otto Gründmandl erlebt, den grandiosen Wortspieler, der freimütig bekannte: „Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber privat kenn‘ ich mich aus“. Er hatte die Phraseologie zur Wissenschaft gemacht aber Politiker im Kabarett nicht namentlich genannt. Er hatte vielmehr den Typus der Politiker im Auge.

Mit Koschuh vollzog sich eine Art Wiedergeburt des Kabaretts in Tirol. Diesmal mit politischem Tiefgang und ohne Rücksicht auf Verluste. Defraudanten, Politgünstlinge und Korruptionisten aller Schattierungen bekommen seither ihr Fett ab. Nennt er doch – im Gegensatz zu Gründmandl – Roß und Reiter beim Namen. 

So kennt man ihn: Kabarett mit Schauspiel. ©Robert Meybach

Es ist interessant zu wissen, wem wir die Wiedergeburt des hochpolitischen Tiroler Kabaretts indirekt zu verdanken haben. Einer Kunstrichtung nämlich, die sich bei jungen Menschen großer Beliebtheit erfreut: dem Poetry-Slam. Aber ich fange von vorne an.

Witze sind Gift für Potentaten

Es ist bekannt: Mächtige hassen es, wenn man sich über sie lustig macht, vor allem, wenn man scheppernd über sie lacht. Sie wissen: es sind Witze, die ihre Macht schleichend untergraben. Perfekt vorgeführt in seinem fantastischen Programm ‚Agrargemein‘. Hier die Rede des Bürgermeisters:

Bereits Legende: Agrargemein

Genau das ist das Rezept eines auf den ersten Blick unscheinbaren ‚Mandles’, das sich in regelmäßigen Abständen über sie lustig macht. Sein Name: Markus Koschuh. Der bisherige Höhepunkt seines Schaffens ist das neueste Programm ‚wOHNMACHT‘. Eine faktengestützte, rasante Abrechnung mit Spekulanten, Politiker_innen und der Gier von Vermieter_innen. Oft unterbrochen von tosendem Lachen und Applaus des Publikums.

Ich hatte mich schon bei seinen vergangenen Programmen wie ‚Hochsaison‘ oder ‚Oben ohne‘ gefragt, wie er es schaffen kann, ein Bühnenprogramm in atemberaubendem Tempo so zu präsentieren, dass es Lachstürme auslöst. Markus kam mir oft vor wie jene Stimme aus dem TV-Apparat, die in einer enormen Rasanz den mündlichen Warnhinweis herunterrattert: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Arzt und Apotheker“. 

Dass er die stakkatoartige Geschwindigkeit auch in seinem neuen Programm ‚wOHNMACHT‘ als eine Art Stilmittel einsetzt machte mich neugierig: Wie und wo hat sich Markus sein Sprechtempo angeeignet? Was treibt diesen Mann eigentlich an? Und: wie wird man Kabarettist? Zuguterletzt: kann man in Tirol davon überhaupt leben?

Koschuhs ‚Lesung aus dem Grundbuch‘. ©W. Kräutler

Poetry-Slam als Initialzündung

Ein entscheidender Wendepunkt im Leben des 1977 in Innsbruck geborenen Kabarettisten war 2001 ein Besuch eines Poetry-Slams im von der Tiroler Politik später zu Grabe getragenen  Kulturgasthaus Bierstindl. Es musste gar eine Art ‚Damaskus-Erlebnis‘ gewesen sein, denn „bei der nächsten Poetry-Slam-Veranstaltung war ich dann schon Teilnehmer“ erzählt er stolz. Endlich konnte er das ausleben, was er immer gerne getan hat: mit Worten und der Sprache arbeiten.

Poetry-Slam als Vorstufe zum Kabarett. Hier ein Auftritt von Markus Koschuh am Dornbirner Spielboden.

Die dann folgende ‚Karriere‘ als Poetry-Slammer war ähnlich rasant wie seine Sprachgeschwindigkeit. Er gewann zweimal die Österreichische Meisterschaft und wurde sogar Vize-Europameister. Für alle, die sich darunter nix vorstellen können: Nach Wikipedia handelt es sich dabei um einen „literarischen Wettbewerb, bei dem selbstverfasste Texte innerhalb einer bestimmten Zeit vorgetragen werden und bei dem die Zuhörer anschließend den Sieger küren.“ 

Worte zum Leben erwecken

Markus Koschuh hatte aber bald Probleme mit der zehn Minuten-Begrenzung beim Poetry-Slam. Er hatte mehr zu sagen, als er in einen Poetry-Slam-Auftritt packen konnte, wollte er doch schon als Jugendlicher  ‚Worte zum Leben erwecken‘. Genau das konnte er aber mit Kabarett erreichen: profunde Texte, die er auf einer Bühne inszeniert. Und so war’s wiederum logisch, dass er seine ersten Schritte als Kabarettist auf der Bierstindl-Bühne machte ohne auf Poetry-Slam zu verzichten.

Worte werden in Koschuhs Programmen im wahrsten Sinn des Wortes zum Leben erweckt.

„Was mich reizt, hab’ ich immer gerne gemacht“

Die Suche nach seiner wahren Berufung dauerte einige Jahre und führte in einige Sackgassen. Nachdem er die Matura intensiver als andere, nämlich in mehreren Anläufen absolviert hatte begann er ein Volkswirtschaftsstudium. Nur um zu erfahren, was die Wirtschaft im Innersten zusammenhält. Er wandte sich entsetzt ab als er erkannte, dass ein Volkswirtschaftsstudium ein verkapptes Mathematikstudium ist. Worauf er sich der Germanistik zuwandte. Aber auch da ging’s nicht in die von ihm gewünschte Richtung, worauf er sich in mehreren Jobs versuchte. Bis er 2001 den Poetry-Slam kennen lernte. Seither ist viel Wasser den Inn herunter geronnen. Markus ist immer noch Poetry-Slammer, hat sich aber in der Zwischenzeit nicht nur hierzulande zu einem kabarettistischen Markenzeichen entwickelt.

„Ich will Wahrheiten präsentieren, die nicht allen genehm sind“

Was mich an Koschuhs Programmen fasziniert: er baut auf Zahlen und Fakten. Genau das unterscheidet ihn von sogenannten ‚Comedians’, bei dem es um eine schnelle Pointe geht. „Kabarett ist für ihn „nachhaltiger aufgebaut, theatralisch und politisch“. Bei Koschuh ist noch zu ergänzen: „deren Zahlen und Fakten recherechiert sind“.

Als einst investigativer Journalist weiss ich, wie zeitaufwändig und ermüdend, bisweilen sogar ätzend es ist, komplizierte Recherchen durchzuführen. ‚Check, check, Gegencheck’ lautet die Zauberformel. Genau das hat Markus nicht erst bei seinem neuestes Programm ‚wOHNMACHT‘ getan. Wer sich an seine im Programm ‚Agrargemein‘ verwendeten Fakten erinnert weiß, dass Koschuh genausogut ein blendender investigativer Journalist wäre. Jedenfalls attestiert ihm Kulturkritiker Markus Stegmayr in einer überaus positiven Kritik in der Tiroler Krone in Sachen komplexer Sachverhalte ‚eine beeindruckende und effektive Erklärungskomik‘.

Wie entsteht ein neues Programm?

„Mich muss ein Thema aufwühlen, denn nur dann kann ich authentisch sein“ antwortet er auf meine Frage, weshalb er zum Beispiel die Wohnungsnot in seinem neuen Programm thematisiert.  „Ich kenne ja das Problem der Wohnungssituation in Innsbruck aus eigener Erfahrung, kenne die Sorgen und Nöte der Leute. Meine Recherchen bei Expert_innen geben erste faktische Hinweise, wo der ‚Hund begraben‘ ist. Auch im Internet findet man allerlei Hinweise. Wer sich dann an’s Lesen des Grundbuches macht, findet dann noch höchst Überraschendes.“ 

Markus Koschuh in wOHNMACHT Foto: Thomas Böhm

Sechs Monate brauchte er, um das neue Programm ‚wOHNMACHT‘ auf die Beine zu stellen. „Das Thema hat mich natürlich schon vorher beschäftigt, also war der Einstieg nicht sehr schwer“. Im Gegensatz dazu benötigte er für sein bislang erfolgreichstes Programm Agrargemein eine jahrelange Vorlaufzeit, bis er diesen Tiroler Urskandal in ein Programm gepackt hatte.

Als Schulbub vor Publikum umgekippt

In allen seinen Programmen singt er auch. Das dürfte auf eine Art kindliche Sozialisierung zurückzuführen sein. Denn, so erzählt er gerne, er hätte als sieben- oder achtjähriger an einem Landes-Volksschulsingen mit seiner Schulklasse im Congress teilnehmen sollen. Er sei aber beim Betreten der Bühne angesichts der Zuschauer in Ohmacht gefallen und erst wieder im Sanitätsraum aufgewacht. 

Klein-Markus kippte einst vor Puiblikum um. Quasi.

Das Singen holt er nun offenbar in seinem Kabarettistenleben offensiv und ausgiebig nach. Vor Publikum fällt er sicher nicht mehr um. Im Gegenteil. Heute bevorzugt er ein kurzes Schlaferl vor dem Auftritt um ausgeruht ans Werk zu gehen. 

Ein Kabarettauftritt als Gemeinschaftsleistung

Eine Schauspiel- oder Sprachausbildung wollte er aus verschiedenen Gründen nicht absolvieren. Vor allem, um seine Authentizität, quasi sein Idiom zu wahren. „Ich bin _Autodidakt“ sagt er stolz. „Ein Bühnendeutsch wär kontraproduktiv für einen Tiroler Kabarettisten“.

Wer glaubt, ein Kabarettist und ein Beleuchter würden zur Bewältigung eines Programmes ausreichen täuscht sich gewaltig. Das beginnt schon bei der Gestaltung eines Plakates, für das Günter Hofer mit seinen „genialen Ideen“ verantwortlich zeichnet.

Auch im neuen Programm spielt der Sound- und Lichtdesigner Tom Neumeyr („ein wunderbarer Typ“) auch gleich eine nicht unwesentliche Sprechrolle. Ebenso Lisa Hörtnagl, die für die weibliche Stimme aus dem Off verantwortlich ist. Und das alles bringt Harald Windisch als Regisseur so richtig unter einen Hut.

Dass Markus Koschuh seine Premieren (mit Ausnahme einer Premiere während der Covid-Zeit) stets im Treibhaus abhält hat einen ganz einfachen Grund: „Der Norbert (Pleifer) scheißt sich gar nix. Dem kann niemand damit drohen, dass ein Koschuhauftritt vielleicht nicht so günstig wäre, wie das am Land bisweilen vorkommt.“ Dass er überhaupt ein Leben als Kabarettist führen könne sei aber vor allem seiner Frau geschuldet, die ihm den Rücken freihält. 

Die Frage, ob er von seinen Auftritten leben kann bejaht Markus freimütig. „Gut sogar“, meint er. Wie sehr man seine Kabarettprogramme schätzt zeigen Einladungen nach Wien und Salzburg. Zweimal noch gibts die ‚wOHNMACHT’ im Treibhaus, dann in der Leutasch und in Tux. Über Weihnachten dann sein Schenkelklopfer, den ‚Jahrmarkt der Heiterkeiten‘. Details zu seinen Auftritten entnehmt bitte der Koschuh-Website https://www.markuskoschuh.at/termine-2/

Koschuh-Fans lieben auch die Jahresrückblick des Kabarettisten.

Kabarett-Nachwuchs

Es ist die Tiroler Kabarett-Nachwuchszene, um die sich Markus verstärkt kümmern will. Das Argument, sich selbst quasi die Konkurrenz heranzuzüchten lässt er nicht gelten. „Nur eine lebendige Szene ist eine gute Szene“ sagt Koschuh und ergänzt: „Wenn Gutes nachkommt muss man sich selbst ja auch am Riemen reißen.“ 

TERMINE:

Achtung: am 14. und 15. 10. vorerst letzte Vorstellungen von wOHNMACHT im Treibhaus Innsbruck

20.10., wOHNMACHT im Ganhofermuseum Leutasch

12.11. wOHNMACHT im Tux-Center in Tux.

‚Organisierte Direktvermarktung‘ in den Tiroler BIO-Bauernläden

Die derzeitige Krisensituation erinnert uns alle daran, dass unser industrieller Lebensstandard und somit unsere Versorgung mit Lebensmitteln auf schwankendem Untergrund steht. Schon ist die Rede von Kunstdünger- und Chemie-Engpässen. Ich möchte hier erneut eine Lanze für jene Bauersleute brechen, die ihre Höfe unter Einhaltung strenger BIO-Richtlinien bewirtschaften. Und damit einen enorm wichtigen Beitrag zur Versorgung leisten.

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Der BIO-Berghof Rohr und die selbstbestimmte Zukunft

Eine junge Bergbauernfamilie hat den Stier quasi an den Hörnern gepackt. Die extrem verschärften Tierhaltungsbestimmungen der BIO-Verbände nahm sie zum Anlass, Stall und Tenne neu zu bauen und den Hof ‚zukunftsfit‘ zu machen. Ab sofort ist die Familie Schwaiger nicht mehr von Preisen abhängig, die ‚der Weltmarkt‘ vorgibt. Sie vermarktet neben Fleisch nun auch die Milchprodukte selbst. Dabei kann die BIO-Bauernfamilie auch auf einige SPAR-Nahversorger und einen Hofladen bauen, die die BIO-Produkte als ehrliche, regionale Spezialität anbieten.

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Unsere WAMS-Läden in Tirol: Second Hand und fast wie neu.

In Tirol gibt es eine fantastische, viel zu wenig bekannte Alternative zu den textilen Schund- und Plunder-Geschäften. Ihr Name: WAMS. Dahinter verbirgt sich eine überaus erfolgreiche Tiroler Sozialinstitution.

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Die Mystik Südtiroler Berge

Es ist wie die Rückschau auf eine verfließende Welt, die vor unser aller Augen versinkt. Und dennoch vermittelt sie eine leise Hoffnung. Dass nämlich einige geheimnisvolle Oasen in den Südtiroler Bergen  überleben werden. Der Bildband „Mystische Orte in Südtirol. Wasser, Kulte, Mythen“ schildert die Reise zweier Autoren in eine entschwindende Welt, in der Berge heilig waren und die Natur höchsten Respekt genossen hatte. 

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Österreichs Perle: der Nationalpark Hohe Tauern

Ich stelle ein weiteres Buch vor, das direkt mit Tirol zu tun hat und sich hervorragend als Weihnachtsgeschenk eignet. Es ist quasi ein Jubiläumsbuch.

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Flucht über die Alpen. Das Drama der Holocaust-Überlebenden

Ein bisher viel zu wenig beachtetes Buch hat Hans-Joachim Löwer im heurigen Frühjahr vorgelegt: „Flucht über die Alpen. Wie jüdische Holocaust-Überlebende nach Palästina geschleust wurden.“

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Neugier als Triebfeder. Die Leidenschaften des Joe Bertsch

Das einstige hoch aufragende Schloss zu Thaur war vor einigen Jahren noch ein Geröllhaufen. Bis sich ein Mann der Sache annahm und einen Geschichtsverein gründete. Die Schlossruine erstrahlt inzwischen in saniertem Glanz, der Schlosshügel ist zum exklusiven Erholungsgebiet geworden. Und dem kleinen Museum mit den örtlichen Fundstücken wurde der Museumspreis 2020 verliehen.

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Die ‚Guten Frücht‘ von Regula Imhof

In Raitis und in der Nähe von Hall produziert Regula Imhof BIO-Obst. Und beweist eindrucksvoll, dass Obstbau auch ohne toxische Chemie möglich ist. Ganz abgesehen davon, dass BIO-Obst völlig anders schmeckt als billige Industrieware.

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Ein kleiner SPAR-Laden in Telfes zeigt wie’s geht

Gäbe es eine ‚rote Liste’ bedrohter Infrastruktur in kleinen Gemeinden, die einst ‚Gemischtwarenladen‘ genannten Geschäfte würden dazu gehören. Ich habe eines davon besucht, das mit neuen Methoden nicht nur für Furore auf Facebook sorgt.

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Wer keine Vergangenheit mehr hat, der hat auch keine Zukunft

Eine vorsommerliche Reise bescherte mir eine Erkenntnis der besonderen Art. Traditionelles, bisweilen sogar uraltes Wissen spielt eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Zukunft. In Innervillgraten wird dies erneut belegt.

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Von Schmirn nach Navis. Eine Überschreitung.

Ich liebe es, von einem Tal in ein anderes zu wandern. Eine erste diesbezügliche Erfahrung habe ich in Tirol mit einem Spaziergang vom Valsertal ins Schmirntal gemacht. Und jetzt geht’s weiter: von Schmirn über die Kluppenalm nach Navis auf dem Wipptaler Höhenweg.

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Südtirol vom Feinsten

Die renommierte Reisebloggerin Lea Hajner präsentiert ihre neuesten Empfehlungen für ‚Abstecher‘, ‚Ausflüge‘ und ‚Mini-Urlaube‘ in den schönsten Gebieten Südtirols. „52 kleine und große Eskapaden in Südtirol“ nennt sich dieser moderne Reiseführer, der eigentlich in keiner Reisebibliothek von Bergfreunden fehlen sollte.

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‚Glatzl Gold‘ im Olymp der Whiskeys

Riesenerfolg für den Haiminger BIO-Whiskey „Glatzl Gold“ bei der ‚International Whisky Competition‘ in den USA. Mit sensationellen 85,33 von 100 Punkten schaffte der BIO-Whiskey den Sprung in den Whiskey-Olymp. Dieser grandiose Erfolg ist ein Beleg dafür, wie aus einem einstigen ‚Abfallprodukt‘ ‚Gold‘ gemacht werden kann.

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Das schönste Erlebnisdorf Tirols: Die Knappenwelt Gurgltal

Es ist mit Sicherheit das originalste und schönste ‚Erlebnisdorf‘ in Tirol: Die Knappenwelt Gurgltal in Tarrenz bei Imst. Ein Erlebnisdorf wie gemacht fürTages-Ausflüge. Für Familien mit kleinen Kindern ist es hier ein wahres Paradies. Und ab dem heurigen Sommer werden auch zweitägige Seminare mit Übernachtung im Knappenhaus angeboten, die es so in Österreich kein zweites Mal gibt.

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‚Kommen Sie zu uns, wir haben nichts.‘

Geldmangel war es, der die touristische Verbauung Osttirols immer behindert hatte. Und weil sie ’nichts haben‘ ist Osttirol für mich ein Land mit viel Zukunft im Qualitätstourismus. Als Beleg dafür stelle ich hier einige jener Landschaften und Sehenswürdigkeiten vor, die Osttirol einzigartig machen.

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Vollerwerbs-Bergbauer und Käsekünstler: Die zweite Karriere des Martin Grüner

Diese Geschichte hat in Tirol absoluten Seltenheitswert. Ein junger Mann und HTL-Absolvent in einem ziemlich mondänen Wintersportort beschließt, den monetären Verlockungen des Tourismus zu entsagen. Er wird Vollerwerbs-Bergbauer und verzichtet auf ein gutes Einkommen als Skilehrer und Skiführer. Sein Beweggrund: er will die Arbeit von Generationen seiner Vorfahren fortsetzen. Die hatten das Talende des Ötztales  jahrhundertelang urbar gemacht und dabei jene Landschaft geschaffen, ohne die der moderne Tourismus schlicht unmöglich wäre. 

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Teil II: Über das Tellajoch in den Rücken der Feinde

Seit mehreren Monaten zeichnet sich eine finale kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Truppen Kaiser Maximilians und den Drei Bünden ab, die mit den Eidgenossen eine Allianz eingegangen sind. Nach mehreren gleichermaßen blutigen wie fatalen Niederlagen versucht Habsburg, die Entscheidung zu erzwingen. Die Vorgeschichte dazu findet ihr unter diesem LINK.

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Teil I: Die blutigen Vorboten der Calvenschlacht

Die Calvenschlacht war die brutalste kriegerische Auseinandersetzung die jemals auf Tiroler Boden stattgefunden hat. Wie konnte es zu dieser gigantischen Vernichtung von Menschenleben kommen? Im ersten Teil meiner kleinen Serie will ich den Auftakt zur Katastrophe darstellen die Tod und Verderben über den Vinschgau bingen sollte.

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Als der Hass explodierte: Die Calvenschlacht bei Laatsch

Tirol wurde vor mehr als 520 Jahren von einem blutigen Gemetzel erschüttert: die ‚Battaglia da Chalavaina‘, die Calvenschlacht auf der Malser Heide mit ihren für den Oberen Vinschgau katastrophalen Folgen. Sie hatte sogar Folgen für Europa. Ich schildere in einer kleinen Serie, wie es zur brutalen Auseinandersetzung der Habsburger mit den Eidgenossen und den Drei Bünden kam und welche Konsequenzen das Morden hatte.

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Die Leidenschaft des Florian Senftlechner

Ein junger Quereinsteiger in die Landwirtschaft ist ‚Ziegenkäser aus Leidenschaft‘. Er verwandelt BIO-Ziegenheumilch in köstliche Spezialitäten. Die Gourmetkarte des Außerfern ist um eine echte Attraktion reicher.

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Wildkräuter für Gaumen und Seele

Kräuter, Rezepte und die damit verbundenen Feste im Jahreskreislauf. Ein neues Buch von Doris Weirather nimmt Naturliebhaber_innen mit auf eine spannende Reise durch das Reich der Wildkräuter.


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Ein Plädoyer für die biologische Landwirtschaft

Alexander Agethle ist ein Vordenker der ökologischen Landwirtschaft. Selbst BIO-Bauer in Schleis im Oberen Vinschgau weiß er, wovon er spricht. Ganz im Gegensatz zu Politiker_innen, die oft brandgefährliche Ansichten vertreten. Wie zum Beispiel der Südtiroler Landesrat Arnold Schuler. Alexander hat mir erlaubt, seinen Text zu verwenden. Ich habe ihn bereits zweimal porträtiert.

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Zwischen Vogelscheuche und Hakenkreuz

Ein soeben erschienenes Buch schildert die Zeit zwischen 1938 und 1945 in einem kleinen Tiroler Dorf aus der Sicht von damals jungen Buben, die im Schnelldurchgang zu Männern werden mussten.

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Land der Architektur-Barbaren

Es reicht. Die Untätigkeit des Landes Nordtirol in Sachen Denkmalschutz ist nicht mehr akzeptabel. Ein offener Brief an Kulturlandesrätin Beate Palfrader.

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Urlaub einmal anders: Zwei Tage mit Bergbauern arbeiten

Es ist ein Urlaub, wie er kein zweites Mal angeboten wird: Inmitten majestätisch aufragender Berge etwas zu tun, was dem Urlaub tiefen Sinn und ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit verleiht.

Eine Frage hat in Zeiten von Corona einige Bedeutung: Wo können wir im kommenden Sommer einen erfüllenden und gleichzeitig kostengünstigen Urlaub verbringen? Die Auszeit soll uns ja wieder zurück ‚in die ‚Vor-Corona-Spur‘ bringen. Soll Erholung in würziger Luft garantieren und auch jenes romantische Gefühl aktivieren, bei dem Glückshormone tätig werden. Genau das bietet das einzigartige Nordtiroler Wipptal.

Obernberg, Bergeralm Lichtsee Weg Tribulaun Rohrsee
Der Rohrsee mit Bergmähdern in Obernberg. Im Hintergrund die monentalen Tribulaun-Berge.
Bergwiesenblumen
Blumenwiesen gibt es nur noch dort zu sehen, wo sie von Bauern gepflegt werden. Sie sind Ausdruck intakter Natur.

Zwei Traumtäler – eine Idylle

Das Obernberg und das Gschnitztal gehören mit Sicherheit zu den schönsten Seitentäler Tirols. Von internationalen Medien wie dem GEO-Magazin werden sie zurecht als Traumtäler bezeichnet. Das Gschnitztal ist sogar eines der österreichischen Bergsteigerdörfer. Beide sind wunderschön, und geradezu ideal dafür, Menschen binnen kürzester Zeit aus dem Alltagstrott zu reißen.

Beide Täler verfügen über ein wahrhaftiges ‚Sehnsuchtspotential‘. Märchenwiesen, lichte Lärchenwälder und saftiggrüne Almen liegen wie hingestreut inmitten spektakulär aufragender Berge. Das Obernberger Tal beherbergt zudem ein smaragdgrün funkelndes Juwel: den Obernberger See. Dazu kommen noch unzählige kleine Bergseen inmitten einer grandiosen Landschaft. 

Obernberger See
Der Obernberger See. Bild: TVB Wipptal, Helena-Beermeister
St.Nikolauskirche Obernberg
Die St.Nikolauskirche in Obernberg vor den mächtigen Bergen des Tribulaun.

Die Idylle kriegt Risse. Verwilderung bedroht das Paradies

‚Verwilderung‘ nennt sich das Damoklesschwert, das drohend über diesen Traumlandschaften hängt. Einige Almen und Märchenlandschaften scheinen ein sichtbares ‚Ablaufdatum‘ zu haben. Der einstige Stolz der Bergbauern, die hoch gelegenen Blumenwiesen, waren jahrhundertelang ob ihres duftenden Bergheus geschätzt worden. Die Bauern betrachten dieses Heu noch heute als eine Art ‚Medizin‘ für jene Tiere, die im Winter krank werden. Und genau diese ‚Bergmähder‘ müssen von den Bauern mehr und mehr aufgegeben werden. Zu arbeits- und kostenintensiv ist die Erhaltung. Viele dieser Mähder werden darüber hinaus nur unzureichend von Wegen erschlossen. Die Konsequenz der Natur: An deren Stelle tritt innerhalb weniger Jahre meist undurchdringliches Strauchwerk. 

Heupille auf Bergmahd in Obernberg
Ein blühendes Bergmahd im Obernbergtal.

Alm und Bergmahd: ein uraltes kulturelles Erbe

Die Folgen sind teils verheerend: immer mehr botanisch einzigartige Wiesen mit ihren unzähligen Pflanzenfamilien, Schmetterlingen, Insekten und seltenen Blumen – teils auf der roten Liste der bedrohten Arten stehend – verschwinden völlig. Die mühsame Arbeit von Generationen von Bergbauern scheint umsonst gewesen zu sein. Und alle schauen zu. Alle?

Nicht die ‚Schule der Alm’. Seit fünf Jahren setzt sich dieser dem Gemeinwohl verpflichtete Tiroler Verein aktiv für die Erhaltung der bereits historischen bäuerlichen Kulturleistungen ein. Und sucht deshalb Freiwillige, die mit anpacken.

Exclusiv in Tirol: Wo Arbeit zur Erholung wird

Das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden zeichnet die Arbeit der Schule der Alm in den vergangenen fünf Jahren aus. In Kooperation mit der Schutzgebietsbetreuung ‚Stubaier Alpen‘, dem Tourismusverband Wipptal und Bergbauern in beiden Tälern ist ein Urlaubsangebot entstanden, das in Tirol seinesgleichen sucht. 

Gschnitztal
Idyllisch und schön: das Gschnitztal. Bild: wipptal.at
Eine Postkartenidylle: die wohl schönste Wallfahrtskirche Tirols hoch über dem Gschnitztal.

Das einmalige Angebot: Wer sich an zwei Tagen seines Urlaubs als ‚Bergbauer auf Zeit‘  betätigt kommt in den Genuss einer unvergesslichen Erfahrung.

Die Schule der Alm weiß es aus Erfahrung: Handwerkliche Arbeit unter freiem Himmel – wie es Bergbauern tagaus tagein praktizieren – ist vor allem für urbane Menschen sinnstiftend. Wenn man kann die Tagesarbeit am Abend auch mit eigenen Augen sehen kann macht das zufrieden und auch ein bißchen stolz. 

Quasi nebenher entsteht das wohlige Gefühl, in einer Gruppe mit Gleichgesinnten an etwas Großem zu arbeiten. Nämlich der Erhaltung der unersetzlichen bergbäuerlichen Kulturleistung namens Alm und Bergmahd.

Steineralm Obernberger Tal
Weitab der Touristenströme: ein kleiner See ob der Steineralm im Obernberger Tal. Bild: wipptal.at

Die Pflege der kleinen Paradiese gewährt auch tiefe Einblicke in die Lebenswelt der hart arbeitenden Bergbauern. Neben den persönlichen Kontakten mit diesen hart arbeitenden Menschen ist es die Landschaft, die Luft, die körperliche Arbeit, von der die Freiwilligen schwärmen. Aber das ist noch nicht alles.

Experten betreuen die arbeitenden Urlauber

Die Betreuung der Arbeitsgruppen ist wahrhaft exklusiv. Die Betreuer_innen sind nämlich ausgebildete Schutzgebiets-Expert_innen, Biolog_innen und Botaniker_innen. Sie beantworten alle Fragen zu Fauna und Flora. Hier kriegt man Informationen, die selbst Google nicht bietet. Ob zu Insekten, Pflanzen, Blüten oder Schmetterlingen. Oder zur Funktion von blühenden Bergwiesen im Zusammenhang mit Wasserspeicherung und Lawinenschutz.

Freiwilligenprojekt im Gschnitztal
Teilnehmer_innen am Freiwilligenprojekt 2020 im Gschnitztal werden von Experten begleitet. Bild: J. Hammer, wipptal.at

Eine Almexkursion als ‚Bonus‘ für die Mitarbeit

Dass während der zwei Tage eine köstliche Jause am Bergmahd aus Produkten des Tales gereicht wird, ist selbstverständlich. Für die Freiwilligen, die uns zwei Tage ihres Urlaubs ’schenken‘, haben wir einen attraktiven ‚Bonus‘ geplant. Nämlich eine eintägige Exkursion zu Helgas Alm ins Valsertal unter der Leitung von ausgewiesenen Fachleuten. Es ist ein Eintauchen in echtes, unverfälschtes Almleben, das uns Helga Hager für einen Tag lang ermöglicht. 

Helgas Alm im Inneren Valsertal: Exkursionsziel des Freiwilligenprojektes der Schule der Alm

Was sind die konkreten Arbeiten?

1. ‚Schwenden‘.

Die größte Bedrohung der Bergwiesen und Almen in beiden Tälern sind einwachsende Fichten, Latschenkiefern und Grünerlen. ‚Schwenden‘ wird jene Tätigkeit genannt, die 2021 auf Almflächen und Bergwiesen im Gschnitz- und Obernbergtal ausgeführt werden um die Weideflächen von einwachsenden Sträuchern zu befreien.

2. Lärchenwälder aufräumen

Ein unverkennbares Symbol beider Täler sind ausgedehnte Lärchenwälder. Lärchen haben eine Eigenschaft, die Bergbauern immer schon geschätzt haben: Sie lassen soviel Sonnenlicht bis zum Boden durch, dass Pflanzen unter den Baumkronen gedeihen können. Deshalb ist hier – im Gegensatz zu reinen Fichtenwäldern – Weidewirtschaft möglich. Hier gilt aber: Wo Licht ist, ist auch Schatten.

Im Herbst kleiden sich die Lärchen in Gold.
Lärchenwald aufräumen kann sehr viel Spaß machen. Bild: Klaus Auffinger

Viele Lärchenäste brechen im Winter unter der Schneelast ab und fallen zu Boden. Nun muss man noch wissen, dass Kühe kein Gras fressen, das mit Holzstücken durchsetzt ist. Die logische Konsequenz hat hierzulande einen Namen: ‚ramen‘, also‚aufräumen‘ oder ‚zusammenräumen’. Und das erfolgt im Spätfrühling, wenn der Schnee weg und das Gras noch jung ist.

Bergfrühling oder Altweibersommer?

Jetzt bleibt nur noch eine Überlegung offen: Soll der sinnstiftende Urlaub im Frühling oder im Spätsommer stattfinden. Heuer werden insgesamt vier Kurse angeboten: zwei im Bergfrühling und zwei im ‚Altweibersommer‘: 

Gschnitztal 1: Mo, 14.06. – Di, 15.06.2021 (Aufenthalt: 13.06. – 18.06.2021)

Obernberg 1: Mo, 21.06. – Di, 22.06.2021 (Aufenthalt: 20.06. – 25.06.2021)

Gschnitztal 2: Mo, 16.08. – Di, 17.08.2021 (Aufenthalt: 15.08. – 20.08.2021)

Obernberg 2: Mo, 30.08. – Di, 31.08.2021 (Aufenthalt: 29.08. – 03.09.2021) 

Beim Termin 30.08. – Di, 31.08.2021 ist die Übernachtung vom Montag auf Dienstag auf der Alm im Heu vorgesehen – bitte Schlafsack mitnehmen! Für alpine Feinspitze quasi.

Wichtig für Einheimische: Die Termine können mit oder ohne Übernachtung gebucht werden.

Hier könnt ihr buchen und euch anmelden

Der Tourismusverband Wipptal hat es übernommen, die Buchungen entgegenzunehmen. HIER geht’s zur Website.

Weniger ist Mehr. Der Hof Englhorn in Schleis bei Mals im Vinschgau.

Es ist eine einzigartige Geschichte. Ein Bergbauer aus dem Oberen Vinschgau hat in wenigen Jahren das geschafft, was als Blaupause für eine künftige Berglandwirtschaft verwendet werden kann. Er arbeitet gleichermaßen erfolgreich wie fundamental ökologisch. Alexander Agethle aus Schleis bei Mals setzt dem neoliberalen Wahnsinn industrieller Massenproduktion lediglich ein schlichtes „Weniger ist Mehr“ entgegen. Und hat großen Erfolg damit.

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