Der Thronsessel des magischen rätischen Dreiecks

Der Obere Vinschgau ist Teil des „magischen rätischen Dreiecks“. Uralte Kirchen, vorchristliche Kulthügel und eine bezaubernde Landschaft erinnern auf Schritt und Tritt an die von Geheimnissen umrankten Räter. Magisch ist nicht nur die Vergangenheit. Der Lechtlhof, hoch über Mals gelegen, gleicht einem Thron, von dem aus diese einzigartige, ja geradezu mystische Szenerie überblickt wird.

Immer, wenn ich früher als Student in Richtung Toskana unterwegs war, bewunderte ich die Südtiroler Bergbauernhöfe. Hoch oben, an unglaublich steilen Hängen kleben sie wie Schwalbennester. Dort einmal Urlaub zu machen musste traumhaft sein, dachte ich damals. Jahrzehnte später hab ich‘s geschafft. Ich verbrachte zwei wundersame Tage quasi im Thronsessel des magischen rätischen Dreiecks: im legendären Lechtlhof, hoch über dem einzigartigen Dörfchen Mals gelegen.

Der Lechtlhof in einer Panoramaaufnahme.
Der Blick aus der guten alten, holzgetäferten Stube des Lechtlhofes.

Schon die Anreise über den Reschenpass, Mals, Glurns und Tartsch versetzen mich noch immer in eine Art erwartungsfroher Kultur- und Gourmet-Stimmung. Der Kirchturm im  Reschensee, das mittelalterliche Städtchen Glurns, die ehrwürdigen romanischen Kirchen, die Burgen, Bauernläden und Bäckereien machen den Vinschgau für mich einzigartig. (Oder sollte ich ‚das‘ Vinschgau schreiben?)

Und was wäre dieses Tal ohne die vielen kultigen Gasthäuser mit ihren kulinarischen Spezereien. Wie etwa den Greif in Mals oder den Goldnen Adler in Schleis?

Das ist fix: Urlaub nur noch in Mals und nur am Lechtlhof

Ein Urlaub im Vinschgau wird für mich in aller Zukunft überhaupt nur noch in Mals möglich sein. Seit die Bevölkerung dieses Ortes mit riesiger Mehrheit in einer Volksabstimmung verlangte, die Giftcocktails von Monsanto und anderer Chemie-Gierkonzerne aus Gärten, Feldern und Obstplantagen zu verbannen ist mir Mals so richtig ans Herz gewachsen. Ganz Europa spricht bereits vom „Wunder von Mals“. Hier muss nun niemand mehr befürchten, massenhaft Agro-Gifte einzuatmen. Die sind in Zukunft auf dem gesamten Gemeindegebiet verboten. Punkt und Basta.

Mals, das widerspenstig Dorf.
Mals, das widerspenstige Dorf. Bild: Wikipedia

Und warum der Lechtlhof? Weil er erstens am Hang auf 1.400 m Seehöhe klebt und zwotens ein ausgewiesener Bio-Bergbauernhof ist. Und: Die Aussicht ist genauso einzigartig wie die Unterbringung. Für mich ist dieser Hof deshalb die absolut erste Wahl.

Lechtlho
Anja und Georg Theiner mit ihren Kindern. Bild: lechtlhof

Anja Matscher und Georg Theiner bewirtschaften den uralten, massiven Bio-Bergbauernhof mit seinen – üblicherweise –  150 Jura-Schafen und circa 10 Hektar Wiesen. Samt historischer Schmiede und der uralten Haus-Kapelle „Maria Geburt“. Die Schafe grasen an den steilen Berghängen, während Georg Anfang Oktober damit beschäftigt ist, seine überaus schmackhaften Bio-Karotten und die wunderbaren Bio-Erdäpfel zu ernten.

Der Lechtlhof ist für mich die Entdeckung der Saison. Es ist tatsächlich schwer, sich vom Ausblick, der sich vom Balkon aus bietet, los zu reißen um die Schönheiten des Oberen Vinschgaus zu erkunden. Denn in der barrierefreien Ferienwohnung fühlt man sich eher wie in einer Designer-Wohnung als auf einem Bio-Bergbauernhof. Und trotzdem zog es mich an diesem Wochenende hinab ins Tal. Denn in Südtirol wurde der „Tag der Romanik“ gefeiert. Eine kulturelle „Draufgabe“ der Sonderklasse.

Mein 1. Urlaubstag: Wanderung am Waalweg in Schluderns, Vintschger-Museum, Restaurant Greif

Was wäre der Vinschgau ohne seine Waale? Ja, das Tal wäre mit einer Niederschlagsmenge von etwa 500 mm jährlich zu einem riesigen „Trockenrasen“ verkommen. Was liegt also näher, als die teils uralten Bewässerungsanlagen, Waale genannt, zu besichtigen?

Die Wege entlang dieser alpinen Bewässerungskanäle haben sich in den vergangenen  Jahren zu einem Renner und einem echten Alleinstellungsmerkmal des Vinscher Tourismus entwickelt. Ich wählte den Bergwaal-Weg, der von der wunderschönen Churburg in Schluderns aus ins Matschertal und in einer großen Schleife zum archöologischen Juwel Ganglegg und wieder zurück nach Schluderns führt.

Weshalb Menschen schon in der Bronzezeit das Ganglegg als Siedlungsplatz erwählten wird klar, wenn man sich den Ausblick zu Gemüte führt: der Ortler erscheint den Betrachter_innen als Pyramide, also als Dreieck. Und das war den Rätern heilig. Absolut empfehlenswert ist im Anschluss daran der Besuch des Vinschgau-Museum in Schluderns, in dem die berühmten Fundstücke des Gangleggs gezeigt werden.

Die Churburg ob Schluderns
Die Churburg ob Schluderns ist im Besitz des Grafen Trapp. Ja, jener Trapp, der auch das wunderschöne Palais Trapp in Innsbruck sein Eigen nennt.
Blick vom Ganglberg zu jener Stelle, an der mehr als 400 Jahre in vorchristlicher Zeit Opfer dargebracht worden sind.
Blick vom Ganglberg zu jener Stelle, an der mehr als 400 Jahre in vorchristlicher Zeit Opfer dargebracht worden sind.
Das Dreieck war den Rätern heilig, ebenso die Zahl 3. Diese Aussicht auf den Ortler war den Rätern des Gangleggs ganz sicher sehr wichtig.
Das Dreieck war den Rätern heilig, ebenso die Zahl 3. Diese Aussicht auf den Ortler war den Rätern des Gangleggs ganz sicher sehr wichtig.
Das Restaurant des Hotels Greif in Mals

Zur Feier des 1. Urlaubstages Tages dann die kurze Fahrt nach Mals mit einer klaren, kulinarischen Zielsetzung: das Restaurant Greif. Dessen regionale Küche ist inzwischen zu einiger Berühmtheit gelangt. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Nicht nur das Sorbet ist einzigrtig im Greif zu Mals.
Nicht nur das Sorbet ist einzigartig im Greif zu Mals.
Mein 2. Urlaubstag: Romanik, Kulinarik und ein Traumgewürz

Der „Tag der Romanik“ im magischen rätischen Dreieck kam mir wunderbar zupass, um die seltenen, teils wundersamen Kirchen im Dreiländereck zu besichtigen. Denn sie waren nicht nur geöffnet sondern wurden den entzückten Besucher_innen in überaus fachkundigen Führungen  erläutert. Wie etwa das weltberühmte Benediktinerinnenkloster in Müstair im Engadiner Teil des Münstertales.

Auch das Benediktkirchlein in Mals war geöffnet.Eine Kirche, die in ihrer mehr als 1200 jährigen Geschichte noch vor nicht allzulanger Zeit als Lagerschuppen herhalten musste. Die erst kürzlich entdeckten Fresken sind äußerst selten und vor allem einzigartig.

In Schleis und Burgeis schließlich ging der Tag der Romanik in den Abend des Genusses über. Nach einer Besichtigung der St. Nikolaus-Kirche in Burgeis mit ihrer sensationell gut erhaltenen, hölzernen Kassettendecke aus der Gotik tut man gut daran, den Goldnen Adler zu Schleis aufzusuchen. Er stellt den genialen Übergang von Bau- zur Esskultur dar.

Was den Goldnen Adler auszeichnet? Die exzellente regionale Küche, gepaart mit einer – ich möchte sagen – genialen Weinkarte. Und dieser Goldne Adler war mir eigentlich sofort sympatisch. Weshalb? Weil er über einen Stammtisch verfügt, an dem die Einheimischen ihren Wein trinken. Im Goldnen Adler zierte ein anwesendes Vinschger Original namens Toni Pobitzer den Stammtisch und genoss seinen ‚Volkswein‚ in vollen Zügen. Jener Toni, der – wie sich im Gespräch herausstellte – quasi ein ‚Monopolbauer‘ eines Gewürzes ist, ohne das der Vinschgau eher alt aussehen würde: den Brotklee. Sicher jener Bestandteile des berühmten Vinschger-Brotes und des Schüttelbrotes, der diese wunderbaren Erzeugnisse so schmackhaft macht. Toni und seine Söhne bauen dieses wundersame Gewürz an und trocknen es vor der Weiterverarbeitung in der Scheune ihres Bauernhofes auf 3 Etagen.

Was ich mir nach dem fantastischen Diner im Goldnen Adler allerdings geschworen habe: ich werde das nächste Mal ein Zimmer für eine Nacht buchen. Denn dann entgeht mir auch wirklich keiner der sensationellen Weine des Hauses.

Und hier noch ein Eindruck, welche geradezu einmalige Aussicht die Besucher des Lechtlhofes genießen dürfen.

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3 Gedanken zu “Der Thronsessel des magischen rätischen Dreiecks

  1. Tausend Dank, verehrter Werner, sein super-Beitrag, den ich beim nächsten Rundschreiben weiterleiten und empfehlen werde. Nur bitte zwei kleine Verbesserungen abringen:

    a) Es ist in Müstair kein Dominikanerinnenkloster sondern ein BENEDIKTINERINNEN-Kloster.

    b) Die noch in ihrem Originalzustand erhaltene gotische Kassettendecke von St. Nikolaus ist in BURGEIS und nicht in Schleis.

    Nochmals danke für alles und immer herzlichst, dein Johannes aus Mals

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  2. Sehr guter Beitrag. Kurz noch etwas zur Zahl 3 und den Dreieck. Im Zen B. ist das Dreieck der Beginn aller Formen ( Sengai Gibon 1750/ 1837 ). Die Zahl 3 ist weiters bei vielen Völkern, insbesondere jedoch in verschiedenen Religionen von Bedeutung. Alles Gute und noch viele Wanderungen in Südtirol.

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