St. Nikolaus, das Kirchlein am Fuß des Zahmen Kaisers

Im Zuge meiner Erkundungen des Tiroler Unterlandes besuchte ich das Wallfahrtskirchlein St. Nikolaus in Ebbs. Und fand dort tatsächlich, was ich immer an solchen Plätzen suche. Zwei überraschende Erkenntnisse ergänzten meine Erkundung. 

Wer, so wie ich, in Tirol mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, sollte sich einen Tag lang Zeit nehmen, um diese äußerste Ecke Tirols zu besuchen. Ebbs ist übrigens mit seinen 475 m Seehöhe auch gleichzeitig das am tiefsten gelegene Dorf unseres Landes. Die Fahrt mit der ÖBB nach Kufstein ist eh klar, dann nimmt man den Bus bis nach Ebbs-Schulzentrum.

St. Nikolaus und der Kaiser

Sehr viele Tiroler_innen verbinden mit Ebbs ‚Haflingerzucht‘. Richtig. Der Fohlenhof ist sicher weit über die Gemeindegemarkungen hinaus bekannt. Aber ich geb’s zu: Pferde haben mir noch nie wirklich viel bedeutet. Und das, obwohl Ebbs mit seinem Haflinger-Fohlenhof einen Stammplatz im patriotischen Herzen vieler Tiroler_innen hat. Na gut, ich muss halt mit meiner Ignoranz leben.

Ein wunderschönes altes Bauernhaus in Ebbs. Eines der wenigen, noch existierenden Beispiele für bäuerliche Architektur.
Ein wunderschönes altes Bauernhaus in Ebbs. Eines der wenigen, noch existierenden Beispiele für bäuerliche Architektur.

Was ich suche? Das sind jene Plätze in Tirol, von denen ich annehme, dass sie immer schon von Menschen aufgesucht worden sind. So wie jener Hügel in Ebbs, auf dem das Wallfahrtskirchlein St. Nikolaus steht. Solche Punkte und Erhebungen ziehen mich magisch an. Weniger wegen den ihnen oft zugschriebenen himmlischen Wirkungen. Viele dieser Kirchen stehen nämlich an uralten Kultplätzen, die seit Jahrtausenden von Menschen benützt wurden und immer noch werden. Warum ich das auch für die St. Nikolaus-Kirche annehme zeigte mir beim näheren Hinsehen erneut die Geomorphologie.

Das Nikolauskirchlein liegt an der alten Salzstraße nach Walchsee und Kössen.
Das Nikolauskirchlein liegt an der alten Salzstraße nach Walchsee und Kössen.

Wie die Leser_innen dieses Blogs brereits wissen vertrete ich die Ansicht, dass dreieckige Bergspitzen in der Umgebung ein nachhaltiger Beweis dafür sind, dass solche Plätze als Kultplätze gedient haben. Aber auch der Blickkontakt mit anderen Hügeln in der Umgebung, die ebenfalls mit Burgen oder Kirchen bestückt sind, können auf eine kultische Vergangenheit hinweisen. Ich wollte also die Probe auf’s Exempel machen.

Geht der „Zahme Kaiser“ auf Kaiser Barbarossa zurück?

Was St. Nikolaus angeht: schon der Spaziergang von Ebbs nach St. Nikolaus ist ganz wunderbar. Ebbs ist von eher sanften Bergen umgeben, nur der „Zahme Kaiser“ macht da gewissermaßen eine Ausnahme und steigt jäh in die Höhe. A propos Kaisergebirge. Da geht die Mär, dass 1174 Kaiser Friedrich I. Barbarossa einen Nutzungsvertrag über eine Befestigung auf eben jenem Hügel abgeschlossen habe, auf dem heute das St. Nikolaus Kirchlein empor ragt. Ob sich also der Name Kaisergebirge vom berühmten Kaiser Barbarossa herleitet ist nicht wirklich geklärt. Wär aber logisch, oder nicht?

Das Nikolaus-Kirchlein vor dem Panorama des Zahmen Kaisers
Das Nikolaus-Kirchlein vor dem Panorama des Zahmen Kaisers
Der wunderschöne gotische Innenraum von St. Nikolaus
Der wunderschöne gotische Innenraum von St. Nikolaus

Schade, dass im Ebbs von heute so wenig bäuerliche Architektur übrig geblieben ist. Man kann es sich lediglich vorstellen, wie der Ort zwischen dem Ortszentrum und St. Nikolaus früher ausgeschaut haben mag. Mit all den Bauernhäusern, Ställen und Heustadeln. Sicher ist: die Bauern waren in Ebbs vermutlich nie wirklich arm. Die Größe ihrer Höfe scheint in den zur Belanglosigkeit renovierten Häusern  grad und grad noch durch. Ebenso wie der einstige bäuerliche Wohlstand.

Ebbs war einst eine reiche Bauerngemeinde. Einige der letzten Bauernhäuser zeugen noch davon.
Ebbs war einst eine reiche Bauerngemeinde. Die letzten Bauernhäuser zeugen noch davon.

Dann steigt man den Buchberg hinauf, entlang der alten Verbindungsstraße – es soll gar eine Salzstraße gewesen sein – nach Walchsee und Kössen. Auf dem Hügel angelangt eröffnet sich ein ganz wunderbares Panorama mit einem Blick weit hinein ins Bayernland. Von Kufstein über den Pendling, Thierberg und die Berge östlich von Ebbs. Apropos Thierberg: da ist schon einer dieser landschaftlichen Fixpunkte, die bereits in prähistorischen Zeiten von Bedeutung war. Siehe auch meine Beschreibung von Thierberg HIER.

Der Blick in Richtung Pendling und Thiersee
Der Blick in Richtung Pendling und Thierberg
Die dreieckige Bergspitze, wie sie von St. Nikolaus aus zu sehen ist.
Die dreieckige Bergspitze, der Geigelstein, wie sie von St. Nikolaus aus zu sehen ist.

Was ich dann immer suche: den dreieckigen Berg, der von einem solchen Platz – so er ein Kultplatz war – gesehen werden sollte. Und tatsächlich, auch hier geht der Blick zu einer nahezu gleichmäßig geformten Bergpyramide namens Geigelstein. Dieser Punkt wäre also auch für St. Nikolaus geklärt.

Zwei Überraschungen, die man in Ebbs kaum erwartet

Mir war schon bei der Ankunft in Ebbs aufgefallen, dass auf Hinweistafeln des öfteren das Wort „Dom“ auftaucht. Dabei handelt es sich schlicht um die Pfarrkirche von Ebbs. Ich muss zugeben, dass die Ausmaße der Kirche durchaus Dom-Niveau haben.

Das Ensemble der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und dem Widum ist wirklich wunderschön und vermittelt tatsächlich noch eine Stimmung, wie sie im Barock offenbar geherrscht hat. Ich stelle mir vor, in diesem hellen, geradezu jubilierenden Kircheninneren eine Mozart-Messe zu hören. Und mir zur Musik des großen Meisters Fresken zu Gemüte zu führen. Zu schön um wahr zu sein.

Der wunderschöne, barock gestaltete Innenraum der Kirche zu Ebbs.
Der wunderschöne, barock gestaltete Innenraum der Kirche zu Ebbs.
Die Orgel im Dom zu Ebbs
Die Orgel im Dom zu Ebbs
Der Dom zu Ebbs samt seinem Widum. Ein ganz wunderschönes Ensemble im Ortszentrum von Ebbs.
Der Dom zu Ebbs samt seinem Widum. Ein ganz wunderschönes Ensemble im Ortszentrum von Ebbs.

Gegenüber der Pfarrkirche dann die zweite Überraschung von Ebbs: das Dom Cafe am Dorfplatz. Nein, nicht die Architektur ist es, die mich überzeugte und motiviert, das Cafe zu empfehlen. Es ist die Qualität des Kaffees, der in diesem Hause serviert wird. Eine Qualität, die man in Innsbruck oft verzweifelt sucht – und meist nicht findet. Ein Großer Brauner im Dom Cafe also als Abschluss einer längeren Erkundung? In Ebbs absolut empfehlenswert!

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