Die Schafe kommen

Auch heuer treiben die Südtiroler Bauern ihre Schafe wieder auf die Hochweiden des Hinteren Ötztales. Ein Ereignis, das man einmal miterlebt haben sollte.

Der Schaftrieb, oder die „Transhumanz“ von Südtirol nach Nordtirol ist mit Sicherheit uralt. Der große alte Mann der Volkskunde, Dr. Hans Haid schätzt, dass die Menschen bereits in der Kupferzeit ihre Schafe über den Alpenhauptkamm getrieben haben. Zur Ötzi-Zeit also.

Die Schafe stammen aus verschiedenen Teilen Südtirols, der Großteil kommt jedoch aus dem Vinschgau. Die Schafe werden am ersten Tag von Schlandraun über das Taschenjöchl ins Schnalstal getrieben, wo sie in Koppeln die Nacht verbringen. Am zweiten Tag wandern dann Hirten, Hunde und Schafe von Vernagt aus entweder über das Hochjoch (2770 m) oder das Niederjoch (3019 m) zu ihren Weiden oberhalb von Vent.

Schafe bei der Transhumanz
Tausende von Schafen überqueren jährlich das Hoch- und Niederjoch, um auf den saftigen Weiden im Hinteren Ötztal den Sommer zu verbringen.

Wo kann man diese einzigartige Transhumanz beobachten?

Eigentlich ist die Transhumanz ein letzter Rest eines Nomadentums, das sich in unsere ‚moderne‘ und völlig auf Geld ausgerichtete Welt herübergerettet hat. Und so ist es auch vielen Menschen ein Anliegen, diesen archaischen Zug tausender Schafe zu beobachten. Am besten gelingt das, wenn man am Tag der Transhumanz – 2017 voraussichtlich der 10. Juni – den Schafen von Vent aus entgegenwandert. Das beste ‚Plätzchen‘ für Beobachtungen ist die Kaser oberhalb von Vent. Ein Platz, den viel Mystisches umgibt. Und der gleichzeitig eine Art juristische Grenze für die Südtiroler Bauern darstellt.

Transhumanz
Der nahezu endlose Zug von Schafen erreicht das Nedertal ob Vent.
Transhumanz - Schäferhütte
Die sogenannte ‚Schaferhüitte‘ im Nedertal ob Vent.
Trahshumanz - Kaser ob Vent
Endstation Kaser: hier finden die Tiere schon viel saftiges Gras, auf das sie während des kräfteraubenden Übergangs vom Schnalstal verzichten mussten. Im Hintergrund die weiße Pyamide des Similaun.
Transhumanz - Kaser ob Vent
Der „Widdermenhir“ auf der Kaser: Ein uralter Hinweis auf die Transhumanz?

Aber man kann die Ankunft der Tiere auch in der Nähe der Martin-Busch-Hütte (des Samoarhauses) beobachten.

Es gibt für mich kaum ein anderes Ereignis, das immer noch so identitätsstiftend für Tirol ist wie dieser Schaftrieb, der übrigens zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben worden ist.

Meine TIPPS:

  • Die Schafe treffen erfahrungsgemäß zwischen 12 und 15 Uhr auf der Kaser oberhalb von Vent ein;
  • Fahren Sie also früh genug nach Vent, um einen Parkplatz zu ergattern;
  • Für den Anstieg auf die Kaser oder weiter bis zur Martin-Busch-Hütte (Samoarhaus) muss man etwa 1,5 bzw. 3 Stunden rechnen.
  • Weichen sie großräumig aus, wenn ihnen Schafe entgegenkommen. Die Tiere sind scheu.
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