Von Schmirn nach Navis. Eine Überschreitung.

Ich liebe es, von einem Tal in ein anderes zu wandern. Eine erste diesbezügliche Erfahrung habe ich in Tirol mit einem Spaziergang vom Valsertal ins Schmirntal gemacht. Und jetzt geht’s weiter: von Schmirn über die Kluppenalm nach Navis auf dem Wipptaler Höhenweg.

Gleich vorweg: Bei dieser Überschreitung geht’s ordentlich zur Sache. Das ist kein Kindergartenausflug. Ein Blick auf die Karte genügt den Kartenkundigen um festzustellen, dass sich die Höhenlinien wie enge Holzringe an den zu begehenden Wipptaler Höhenweg‘ schmiegen. Da geht’s also massiv aufwärts. Also habe ich mich in aller Herrgottsfrüh’ aufgemacht, von Schmirn-Kasern nach Navis zu spazieren. Ich bin langsam geworden in den Bergen und bin auch nicht mehr der junge Springinsfeld von einst.

Es war ein Bild im Wipptal-Blog vor einigen Wochen, das meine ungeteilte Aufmerksamkeit gefunden hatte. Da war von der ‚Kluppen-Alm‘ die Rede, von der ich bis dahin absolut nichts gehört hatte. Und das bei meiner Liebe zum Schmirntal! Und so setzte ich mich in Bewegung, nahm Zug und schlußendlich den Bus bis nach Kasern.

Altes Bauernhaus in Ladins, einem Weiler am Eingang zum Kluppental.

Das Kluppen-Tal, so hieß es im Blogbeitrag, sei nicht selten noch im Frühling mit meterhohen Schneemassen unpassierbar. Es beginnt direkt bei der Endstation des Schmirner Busses in Ladins. So heißt dieser Mini-Ortsteil. Nun gut, im Juli wird’s mit dem Schnee endlich vorbei sein, dachte ich mir. Um schon am Taleingang auf eben diese meterhohen Massen zu treffen. Nicht auf der Straße, Gottseidank.

Lawinenkegel, der sich für ein gefährliches Schuppentier ausgibt.

Die Kluppenalm erreichen beherzte Wandersleute in einer Dreiviertel Stunde. Was ich zugeben kann: waren früher Zeitangaben auf Wanderschildern für mich nur die Hälfte ‚wert‘, so muss ich sie inzwischen mit dem Wert von 1,5 multiplizieren. Aber was Solls.

Die Kluppenalm mit ihren Heu- und Hirtenhütten.
Eine Alm wie aus dem Bilderbuch. Im Hintergrund jener Kamm mit dem Naviser Kreuzjöchl, den es zu besteigen gilt.

Von der Kluppenalm ab geht’s dann weiter auf das Naviser Kreuzjöchl, das auf rund 2.550 m Seehöhe thront. Ich übertreibe nicht wenn ich behaupte, der Weg gleicht bisweilen einer steilen Treppe, wie sie in gotischen Domen zu finden sind wenn man deren Türme besteigt. Die Wanderung geht durch blumenübersähte Bergwiesen bis zur Waldgrenze. Dort findet sich eine alte Hirtenhütte mit einzigartigem Ausblick auf das Olperer-Massiv.

Ein letzter Blick ins Kluppetal, ein einziges, riesiges V
Die Hirtenhütte nach einem Drittel des Aufstieges. Von nun an zeigt sich das Olperer-Massiv in der ganzen Schönheit.
Ein Rundblick macht sicher: es ist wunderschön, hier zu wandern.

Meine E’verest-Atemtechnik‘ feiert fröhliche Urständ

Da die Temperaturen alles andere als kühl waren erprobte ich beim weiteren Aufstieg erstmals die  ‚Everest-Atemtechnik‘: alle 20 Schritte stehen bleiben, schnaufen wie ein Postross und dann wieder 20 Schritt weiter. So geht’s dann – langsam aber stetig – dem Naviser Kreuzjöchl zu. Das ich schließlich nach rund 4 Stunden erreichte. Mit den Wasservorräten hatte ich mich beinahe verrechnet. An diesem Südhang ist das kühle Nass eher rar. Keine kleinen Bächlein, nur der größere Bach, aber der rauscht doch weit abseits des Weges.

Die Alpenrosen verwandeln die Hänge in ‚Feuerberge‘ und erfreuen die Wandersleute.
Frühlingsenzian oder ‚Schusternagele‘
Die Anemone hat den Frühlingswecker überhört. Sie blüht heuer gleichzeitig mit Enzian und Alpenrose.
Geschafft. Das Kreuzjöchl auf etwas mehr als 2500 m Seehöhe
Am Kreuzjöchl

Der Wolf ist los – keine Schafe auf den Hochweiden

Was mich auf dem Grat zwischen dem Schmirn- und Navistal im Juli 2021 verwundert: weit und breit keine Weidetiere. Der Stacheldrahtzaun liegt umgelegt am Boden, ebenso die Drähte, die fein säuberlich am Boden liegen. Wie mir später gesagt wird, weigern sich die Naviser Bauern, ihre Schafe auf die Hochweiden zu bringen. Sie haben die letztjährigen Massaker nicht vergessen und überlassen ihr Schafe nicht dem Wolf.

Dieser Grat führt vom Kreuzjöchl zum Griffjoch, wo der Weg in Richtung Knappenkuchl abzweigt. Man sieht den umgelegten Schafzaun, die Stacheldrahtverbindungen liegen geordnet am Boden.
Der grandiose Blick ins Kluppental und zum Olperermassiv.

Einige Worte zur Diskussion um die Wölfe

Ich wurde schon oft auf meine Meinung bezüglich der Wölfe angesprochen. Dazu ganz grundsätzlich:

  • Die Alpen sind in Tirol mit Ausnahme von Fels und Eis menschliches Kulturland. Ausnahmslos.
  • Den beweideten Almen und gemähten Bergwiesen kommt eine wichtige Funktion als Wasserrückhaltezonen zu, die auch bei Schlagregen massive Wassermengen speichern können. In Zeiten des Klimawandels nicht unwichtig.
  • Bei der Diskussion pro oder kontra Wolf muss ganz einfach mit berücksichtigt werden, das sich viele Bauern weigern, ihre Tiere quasi dem Wolf auszuliefern. Da nützt es nix, diesen hart arbeitenden Menschen Ignoranz vorzuwerfen. Wenn sie ihre Tiere nicht mehr auf die Hochweiden treiben, werden diese innerhalb kurzer Zeit verkarsten und auf nimmer wiedersehen verschwinden. Das Wasserrückhaltevermögen sinkt im selben Maße ab wie die Hochweiden verwildern. Schon ein Schlagregen kann eine Katastrophe auslösen. Ob das touristisch eh ok ist bleibt dahin gestellt. Zudem wurde den Bergbauern mehr oder minder ausgerichtet, sie hätten jetzt halt für Herdenhunde zu sorgen. Auf eigene Kosten, versteht sich. Dass da böses Blut entstanden ist braucht niemand zu wundern.
  • Zudem: Ich erlebte erstmals das völlige Fehlen des in meinen Ohren wie Musik klingende bimmeln der kleinen Glöckchen der Schafe. Und ich bin sicher, nicht der einzige zu sein dem es so geht.

Noch eine Bemerkung: ich werde nicht zulassen, dass auf dieser Seite über pro oder contra Wolf diskutiert wird. Es ist meine ganz persönliche Blogseite und hier bestimme ich, was veröffentlicht wird und was nicht.

Mit dem Wolf kommt die öde Wildnis

Welche Auswirkungen die Weigerung der Bauern haben werden wir schon in den nächsten Jahren  sehen können. Die blumenübersähten Weiden auf 2.500 m Seehöhe mit ihrem kurzen aber wertvollen Gras werden über kurz oder lang verschwinden. Die Diversität, also der Pflanzenreichtum wird nur durch eine Beweidung sicher gestellt. Wenn nicht, verludern die Weiden. Die Folge: Verkarstung und Verödung. Denn eines ist sicher: wenn die Bauern ihre Tiere nicht mehr auftreiben sorgt der Wolf dafür, dass unser Hochgebirge wieder zur Wildnis wird. Ob das die Wolfs-Enthusiasten wollen, die ja nicht selten im Gebirge wandern?

Der Blick zur Serles und zu den Stubaier Alpen.

Die Knappenkuchl von Navis

Der Abstieg nach Navis führt durch ein geologisch hoch interessantes Gebiet, nämlich durch die Naviser Knappenkuchl. Hier wurde schon in prähistorischen Zeiten Kupfer abgebaut, damals noch mit der Feuersetzmethode. Dabei wird das Gestein durch Erhitzung spröde gemacht und mit Wasser ‚gesprengt‘. Besonders sehenswert sind die kleinen Hochmoor-Seen, die das Gebiet prägen.

Einer der Hochmoor-Seen. Im Hintergrund die rötlich scheinenden Felsen, die allerhand Metalle enthalten.

Wer genau hinschaut wird feststellen, das hier immer noch nach seltenen Steinen gesucht wird. Es sind vor allem kleine Bergkristalle, die es hier geben soll.

Von der Knappenkuchl geht’s dann hinunter zur Klammalm die Gottseidank bewirtschaftet ist. Wer mit Öffis unterwegs ist steht vor einer Fleißaufgabe: nämlich von der Klammalm zuerst zur Peeralm und dann weiter zur Haltestelle an der Oberstraße  abzusteigen. Da brennen dann die Sohlen, quasi ein ‚Burnout’…

Die Klammalm duckt sich in die Landschaft unterhalb der Knappenkuchl
Der Liesenhof mit der Hauskapelle in Navis.

Meine Tipps:

  • Anfahrt nach Schmirn-Kasern mit dem Bus von Bahnhof Steinach a.B.
  • Für den Aufstieg aufs Naviser Kreuzjöchl mindestens einen Liter Wasser mitnehmen. Brunnen auf der Kluppealm.
  • Wer den direkten Abstieg nach Navis bevorzugt – anstatt über die Knappenkuchl – folgt am Kreuzjöchl weiter dem Wipptaler Höhenweg, dem Wanderweg 25 über die Stöcklalm und die Naviser Hütte nach Navis downtown quasi.
  • Rückfahrt von Navis nach Matrei a. B. werktags bis 19.25 Uhr möglich.

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