Der neue Aktivurlaub im Wipptal

Vor fünf Jahren hat die ‚Schule der Alm im Valsertal‘ damit begonnen, ‚modernen‘ Menschen die handwerklichen Tätigkeiten auf Almen und Bergmähdern zu vermitteln. Inzwischen sind daraus Hilfsprogramme für bedrohte Almen und Bergwiesen entstanden. Getragen von Gästen, die zwei Tage ihres Urlaubs für die Erhaltung eines uralten Kulturgutes opfern.

Der eigentliche Zweck der gemeinnützigen Arbeit in der ‚Schule der Alm‘ war und ist die Erhaltung des uralten Kulturerbes unserer Bergbauernfamilien. Ein Erbe, das durch die moderne, industrielle Landwirtschaft ausgerechnet in unseren Tagen Gefahr läuft, gänzlich verspielt zu werden. Weil nämlich die bergbäuerlichen Betriebe gezwungen werden, mit den riesigen chemisch-agrarischen Industriebauern preislich mit zu halten. Da rentiert sich der Aufwand für Alm und Bergmahd nicht mehr. Weder zeitlich noch monetär.

Obernberg, Bergmahd

Die Blumenteppiche auf unseren Bergmähdern erfordern viel Arbeit. Bild: wipptal.at

Ein Urlaub kann sinnstiftend sein

Es sind nur zwei Tage, die den Unterschied zwischen einem ‚normalen’ und einem ‚erfüllten’, ja sinnstiftenden Urlaub machen können. Im heurigen Sommer besteht im Nordtiroler Wipptal die Möglichkeit, gemeinsam mit ausgebildeten Biolog_innen und Schutzgebiets-Spezialist_innen Bergmähder und Almen im Schutzgebiet Stubaier Alpen zuerst zu erforschen. Um dann selbst Hand anzulegen. Denn die teilweise als ‚Natura 2000-Gebieten ausgewiesenen blumenübersähten Bergwiesen sollen von unerwünschtem Bewuchs befreit werden. Büsche und Sträucher würden Blumen und das gewürzhaltige Gras verdrängen. Eine meditative Tätigkeit und ein sinnstiftender Urlaub für Geist und Körper gleichermaßen.

 

Bei der Steineralm, Obernberg

Oberhalb der Steineralm in Obernberg. Bild: wipptal.at

Die jahrhundertealte Kulturleistung unserer Bauernfamilien wird bedroht

Dass unsere Almen und Bergmähder derzeit ‚vor die Hunde gehen‘, ist den Konsument_innen nicht wirklich bewusst. Die unfassbar miesen Preise für Milch, Fleisch und Milchprodukte zwingen die Bergbauernfamilien, sich auf die ‚Gunstlagen‘ im Tal zu konzentrieren um überhaupt überleben zu können. Auf ihnen gewinnen sie das Heu, mit dem sie ihre Tiere über den Winter bringen. Und wenn das nicht reicht greifen immer mehr konventionell arbeitende Bauern auf Futtermittel wie Soja zurück, das aus Urwald-Rodungen in Südamerika stammt. Derweil verkommen immer mehr Almen und hoch gelegene Mähder.

Mit welch ungeheurem Aufwand Bergbauernfamilien Mähder und Almen gepflegt hatten zeigt ein wunderbares Buch der großen Fotografin Erika Hubatschek, das wir hier beschrieben haben. Ein Bild steht stellvertretend für jene Kultur, die wir moderne Menschen ganz einfach verludern lassen.

Erika Hubatschek Frauen

So hat die Heuernte auf steilem Bergmahd einst statt gefunden. Foto: Erika Hubatschek

Erika Hubatschek, Frauen

Frauen in Tux, die den Pflug ziehen.  Foto: Erika Hubatschek

 

Blaser Mähder

Die Mähder am Blaser. Bald Vergangenheit? Bild: wipptal.at

Blühende Bergwiesen sind Kultur und keine ‚Wildnis‘

Wenn wir im Sommer durch Bergwiesen spazieren, die unser Auge mit regelrechten Blumenteppichen erfreuen, ist das nicht gottgewollt oder gar ‚Wildnis‘. Es ist eine uralte bäuerliche Kulturleistung die sofort verschwindet, wenn Wiesen nicht mehr gemäht oder von Tieren abgegrast werden. Und das ist auf immer mehr  – meist steilen – Flächen der Fall. Das Beispiel unserer Bergorchidee namens Knabenkraut ist bezeichnend: es wächst auf jenen Bergwiesen, die gemäht werden. Bleibt das Mähen über einige Jahre aus, verschwindet auch diese wunderbare Orchidee für immer.

Knabenkraut

Diese Orchidee verschwindet, wenn Wiesen nicht mehr gepflegt werden: das Knabenkraut. Bild: W. Kräutler

Blühende Bergwiese

Blumenteppiche auf Bergwiesen sind eine Kulturleistung unserer Bergbauernfamilien. Bild: W. Kräutler

Freiwilligeneinsätze in den wunderschönen Schutzgebieten des Nordtiroler Wipptales

Freiwillige der Schule der Alm haben vor Jahren begonnen, einen Teil ihrer Freizeit dafür zu opfern, den Bergbauernfamilien zu helfen, die Mähder und Almen zu pflegen. Es geht vor allem darum, Buschwerk und kleine Bäumchen zu entfernen. Und wer davon schwafelt, der Wildnis freie Bahn zu lassen sollte niemals mehr Bergwanderungen unternehmen. Es sei denn, diese Menschen wandern gerne durch Buschwerk und nahezu undurchdringliche Fichtenwälder. Was ich ernsthaft bezweifle.

Am Lichtsee Obernberg

Bergmähder beim Lichtsee in Obernberg Bild: Wipptal.at

Können und wollen wir uns Berge ohne Almen und Blumenwiesen vorstellen?

Die Schule der Alm macht aus der Notwendigkeit eine Tugend. Es ist uns bisher gut gelungen, Menschen zur freiwilligen Mitarbeit zu motivieren. Und so hoffen wir auch im heurigen Sommer der Schutzgebietsbetreuung Stubaier Alpen und den lokalen Bauernfamilien zu helfen, ihre Almen und Bergmähder zu pflegen und zu erhalten. Deshalb unser Aufruf an alle, denen unsere Heimat am Herzen liegt: Macht einen Kurzurlaub im Obernberger- oder im Gschnitztal und ‚spendiert‘ zwei Tage eures Aufenthaltes der Erhaltung unserer bergbäuerlichen Kultur.

Freiwilligenhilfe Schwenden

Freiwillige Helferin im Einsatz. Bild: Klaus Auffinger, Schutzgebietsbetreuung

Folgende Freiwilligeneinsätze sind geplant:

Zwei Tage lang Bergbäuerin oder Bergbauer im Gschnitztal

Ein Blogbeitrag dazu findet ihr hier: https://wipptalblog.tirol/de/zwei-tage-lang-bergbauer-sein/

Almen und Bergwiesen erforschen im Oberberger Tal

Einsatztermine: Fr 21.08. – Sa. 22.08.2020 und Do 10.09. – Fr. 11.09.2020

Einsatzorte:

  • Steiner Alm
    Termin: Fr 21.08. – Sa. 22.08.2020 (mit Übernachtung: 20.08. – 23.08.2020)
  • Thaler Bergmähder
    Termin: Do 10.09. – Fr. 11.09.2020 (mit Übernachtung: 09.09. – 12.09.2020)
  • Allerleibrunnen
    Termin:  Fr  21.08. – Sa. 22.08.2020 (mit Übernachtung: 20.08. – 23.08.2020)
  • Alle Detailinformationen und das Anmeldeformular findet ihr hier: https://www.wipptal.at/schule-der-alm/freiwilligenprojekt-obernberg/

 

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