Die spannenden Geschichten des Innsbrucker Stadtarchivs

Oft braucht’s äußere Einflüsse um Gutes, Sinnvolles und Schönes ans Tageslicht zu befördern. So ähnlich würde ich die Kreation einer WebSite bezeichnen, die zu Corona-Zeiten online gegangen ist: „Innsbruck erinnert sich.“

Dem Innsbrucker Stadtarchiv ist ein großer digitaler Wurf gelungen. Ihr „Stadtrundgang durch das historische Innsbruck“ mit uralten Fotos aus den Beständen des Innsbrucker Stadtarchivs ist binnen kurzem zu einem viralen Hit geworden. Sicher auch deshalb, weil die Bilder mit höchst informativ-kleinen Kommentaren oder feinen Geschichten versehen sind. Sie machen Lust auf’s Lesen und Stöbern in diesem „Bilderblog aus dem Stadtarchiv„.

„Wir sind überrascht vom riesigen Zuspruch unserer Seite“ staunt Stadtarchivator Dr. Lukas Morscher. Er ist es, der gemeinsam mit seinen Mitarbeiter_innen und Niko Hofinger dieses ‚Bilderbuch des alten Innsbruck‘ in kurzer „Corona-Zeit“ aus dem Boden gestampft hat. „Wir füllen die WebSite nun im Home-Office kontinuierlich mit neuen Fotos und ihren Geschichten“ verspricht er. Wie erfolgreich die Mannschaft des Stadtarchivs das tut ist aus der ‚Ladezeit‘ der WebSite ersichtlich. Da muss man bisweilen etwas warten.

Tengler Hötting

Bisweilen existieren diese wunderschönen alten Häuser noch. Wie das einstige Gasthaus Tengler in Hötting. ©Stadtarchiv Innsbruck

Fotos und ihre Geschichte süffig aufbereitet

Die Grundidee ist so simpel wie interessant: Die Geschichte Innsbrucks sollte aus einem etwas anderen Gesichtspunkt heraus spannend und kurzweilig präsentiert werden. Für mich ist es besonders erfreulich, dass nicht die weithin bekannten ‚touristischen Hotspots‘ wie Dachl und Altstadt im Mittelpunkt stehen. Es sind Orte, Gebäude und Menschen, die weithin unbekannt oder wenig berühmt sind. Vielfach sind die Gebäude schon verschwunden oder haben ihr ‚Antlitz‘ völlig verändert. Wie diese einstigen Geschäfte in der Müllerstraße in Wilten.

Stadtarchiv Innsbruck - Wilten

Szene in Wilten,  Müllerstraße 17. Viele Geschäfte auf kleinem Raum. Ein Blick zurück in eine Zeit, in der Rindfleisch noch nicht um die halbe Welt geflogen wurde. ©Stadtarchiv Innsbruck

Aber es sind nicht nur die Bilder aus alten Tagen, die diese Seite so attraktiv machen. Mindestens ebenso spannend sind die hervorragend erzählten Kurzgeschichten zu den Fotos. Wie zum Beispiel jene des Altwirtes in Igls. Ein Text, der auch gleich auf größere historische Zusammenhänge verweist: http://innsbruck-erinnert.at/sommerfrische/

Altwirt, Igls

Sommerfrische in Igls. Ein Beitrag, der Geschichtswissen mit Lokalkolorit präsentiert. ©Stadtarchiv Innsbruck

Ein Autorennen mitten in Innsbruck

Wer von Euch wusste, dass in Innsbruck einst ein Autorennen am ‚Saggenring’  mitten in der Stadt geplant war? Sogar das erste nach dem 2. Weltkrieg? Es war der 11. Juli 1948, als die Boliden vor den Rennweg hinauf und hinab donnern sollten. So war’s geplant. 30.000 – 45.000 Zuschauer – so die Schätzungen – harrten der Dinge. Die dann doch nicht kommen sollten. Während genügend Motorradfahrer gemeldet waren um ein Rennen abzuhalten fiel das geplante Autorennen ins Wasser. Einige der Piloten, darunter der deutsche Hans Stuck, durften nicht einreisen. Als Ersatz drehten Boliden wie der legendäre Porsche Typ 64 einige Runden. Sehr zur Freude der Zuschauer. Nachzulesen hier: http://innsbruck-erinnert.at/gentlemen-start-your-engines/

Autorennen Innsbruck 1948

Das erste Autorennen in Österreich hätte 1948 in Innsbruck stattfinden sollen. Hätte. ©Stadtarchiv Innsbruck

Autorennen innsbruck 1948

Ein „Porsche Typ 64“ bretterte 1948 zum Gaudium der mehr als 30.000 Zuschauer über den Rennweg. ©Stadtarchiv Innsbruck

Eine Hymne für die Hausfrau

Eine dieser wirklich kurzweiligen Bildgeschichten hat mich lauthals lachen lassen. Nämlich jene, die sich beim Besuch Kaiser Franz-Josephs am 29. August 1909 zugetragen hatte und von Matthias Egger beschrieben wird:

Kaiser Franz Joseph in Innsbruck

Kaiser Franz Joseph genau 100 Jahre nach der 3. Bergiselschlacht bei der Gedenkfeier. ©Stadtarchiv Innsbruck

„Noch während der Messe hatte seine Gattin Albertine von einem Mitglied des kaiserlichen Gefolges erfahren, dass Franz Joseph „ihr gleich nach seiner Rückkehr in die Burg einen Besuch machen [werde], wie er dies bei den Frauen seiner Statthalter (es war damals Markus Freiherr von Spiegelfeld) immer zu tun pflege.“ Um die nötigen Vorbereitungen zu treffen, bestieg Albertine „ohne das Ende des Festes am Bergisel abzuwarten“ – gemeinsam mit der Gattin des österreichischen Ministerpräsidenten – wahllos eine Kutsche „und fuhr eilends heim, um bei Erscheinen des Kaisers bereit zu sein. Nun intonierte beim Erscheinen dieses Wagens, des ersten der heimfuhr, offenbar in der Meinung es kämen zwei Erzherzoginnen, die Musikkapellen […] die Volkshymne, die Fahnen senkten sich nieder und den beiden verlegenen Damen blieb nichts anderes übrig, als sich nach allen Seiten hin huldvoll zu verneigen.“ Hier nachzulesen: http://innsbruck-erinnert.at/wer-kommt-denn-da/

So änderte Innsbruck sein Antlitz

Hochinteressant sind alte Landschaftsfotos. Es ist kaum zu glauben, wie sich die Stadt im lauf von Jahrzehnten verändert hat. Und diese Veränderung des Stadtbildes kann mit wenigen Fotos quasi drastisch dargestellt werden. Wie etwa der Blick nach Westen zur Martinswand: http://innsbruck-erinnert.at/auf-nach-westen/

Blick nach Westen

Ein Bild wie ein Geschichtsbuch: Der Blick nach Westen. Im Vordergrund das Gasthaus Peterbrünnl. Weiter hinten das Blasiusbergl von Völs. Und rechts im Hang erkennt man die Trasse der Mittenwaldbahn, die damals gerade im Bau war. ©Stadtarchiv Innsbruck

Oder der Blick von der Höttinger Au auf die Stadt. So präsentierte sich die Stadt dem Fotografen im Jahr 1950  http://innsbruck-erinnert.at/ein-blick-zurueck/

Innsbruck um 1950

So hat Innsbruck um 1950 ausgesehen. Im Vordergrund die Höttinger Au, im Hintergrund Stift Wilten. ©Stadtarchiv Innsbruck

Geschäftstüchtige ‚Almeler‘ auf der Bodensteinalm

Auch die Tourismusgeschichte der Stadt rückt immer wieder ins Blickfeld. Wie zum Beispiel ein Foto aus der Zeit des Baus der Norkettenbahn. Und zwar von der Bodensteinalm, die damals quasi vor sich hinfrettete. Aber im Hinblick auf die Touristenmassen, die sich per Bahn hochkutschieren ließen und beim Abstieg an der Alm vorbeikamen erhielt der damalige Pächter Ludwig Hechenblaikner eine Konzession zur Bewirtschaftung dieser ‚Schäferhütte‘. Der Mythos der Innsbrucker ‚Almen‘ war geboren. Am Bild machte sich allerdings anstatt der zu erwartenden Schafe eine Tauernschecken-Goaß breit. http://innsbruck-erinnert.at/auf-der-bodenstein-alm/

Bodensteinalm 1928

Die Bodensteinalm 1928. Aber bereits mit Tischen und Bänken ausgestattet. ©Stadtarchiv Innsbruck

So kommt noch mehr Licht in die Geschichte Innsbrucks

Abgerundet wird diese hervorragend gestaltete und editierte WebSite von einer Rätselecke. Wobei die Lösung der Rätsel nicht in jedem Fall bekannt ist. Denn nun bietet sich für die Archivar_innen des Stadtarchivs die einzigartige Möglichkeit, Fotos, deren Objekte oder Personen unbekannt sind, einer großen Leserschaft vorzulegen. Und diese um Mithilfe zu bitten.

Die harte Rätsel-Nuss des Stadtarchivs

Wer diese ‚harte Rätsel-Nuss‘ lösen kann sollte sich rasch in der Website einloggen: http://innsbruck-erinnert.at/eine-sehr-harte-nuss-2/ ©Stadtarchiv Innsbruck

Was stellt dieses Foto dar?

Aus der Rätselecke des Stadtarchivs: Was stellt dieses Foto um 1910 dar? Im Vordergrund Zivilisten und Militärpersonen. ©Stadtarchiv Innsbruck

Nicht nur für mich ist diese neue Möglichkeit, auf dem Sofa liegend die Geschichte Innsbrucks und der Umlandgemeinden zu ‚erforschen‘ geradezu genial.

Und hier geht’s zum Bilderblog aus dem Stadtarchiv