Der Geo-Dome aus Stilfs

Dies ist eine Geschichte, die mich von der ersten Sekunde an faszinierte. Ein ‚kleiner‘ Tischler aus Stilfs wird gefragt, ob er ein futuristisches Gewächshaus aus Holz fertigen kann. Während all seine Berufskollegen ablehnen nimmt er die Konstruktion als Herausforderung an. Er hat sich damit ein neues, zukunftsträchtiges Geschäftsfeld erschlossen: das der „Geo-Domes“.

Bei meinen Besuchen im Oberen Vinschgau ist mir im letzten Frühling ein futuristisches Objekt aufgefallen. Es steht am Hof von Anna Folie. Das ist jene junge Frau, die den Sockerhof in Mals bewirtschaftet und einen ausgeprägten Hang zum BIO-Gartenbau ohne Maschineneinsatz hat. Bei der stand nun plötzlich eine Art UFO im Garten. Ich hatte noch nie auch nur Ähnliches gesehen. Das musste ich mir näher anschauen. 

Die Halbkugel hat mich erst einmal an frühere ‚Weltausstellungen‘ erinnert, bei denen neben allerlei neuem technischen Schnickschnack auch architektonische Modernität vorgestellt wurde. Zum Beispiel in Brüssel 1958, als das Atomium als Logo der Weltausstellung erbaut wurde. Wie überhaupt damals kugelförmige Häuser en vogue waren. In Österreich hatten wir quasi den Vorreiter der Kugelhäuser samt eigenem Staat. Wer erinnert sich noch an Edwin Lipburger und seinen Freistaat ‚Kugelmugel‘ samt Pass, Fahne und Hymne? In Mals war ich also beim ersten Anblick  des Halbkugelhauses ziemlich ratlos. 

Anna Folie Geo-Dome Mals

Futuristisch und genial: der Geo-Dome von Andreas Pinggera. Bild: Sockerhof

Als ich dann direkt vor dem runden Ding gestanden bin ahnte ich doch, was es sein könnte, wenn es schon neben den Gemüsefeldern steht: ein Gewächshaus. Was mich absolut  faszinierte war der Aufbau des halbkugelförmigen Pflanzenhauses. Es besteht nämlich ausschließlich aus Dreiecken. Einzige Ausnahme: die Eingangstüre. Die ist rechteckig.

dom von andreas pinggera

Eine Halbkugel aus Dreiecken erbaut: Der Geo-Dome. Mathematik pur. Bild: Sockerhof

Anna Folie hat mir dann auch erzählt, wie dieses kugelförmige ‚Monster‘ in ihren Garten gekommen ist. Und wie sie zu diesem aufsehenerregenden Gewächshaus gekommen war. „Ich habe Bilder solcher Gewächshäuser gesehen und wollte genau so eines haben. Aber: alle von mir befragten Schreiner und Tischler im Oberen Vinschgau lehnten ab. Nur einer war bereit, die ‚Challenge‘ anzunehmen. Sein Name: Andreas Pinggera, innovativer Tischler und Neo-Winzer aus Stilfs.

Andreas Pinggera bei der Insallation

Andreas Pinggera mit seinem Projekt des Geo-Domes. Bild: Sockerhof

Andreas ist einer jener jungen, aktiven Menschen im Oberen Vinschgau, deren Heimatverbundenheit, Bodenständigkeit, Gemeinschaftssinn und Aktivitäten ansteckend wirken. Mit seinen jungen Jahren ist er bereits eine Art Vorbild für viele junge Menschen. Er betreibt mit seinem Vater in Stilfs eine Tischlerei, ist Mitglied der Gruppe ‚Leidenschaft für Grund und Boden‘ und neuerdings eben auch Winzer in Stilfs. Seine Leidenschaft für Weinbau habe ich hier schon vorgestellt. 

Veni, vidi, vici

Geo-Dome nennt man diese neue Art von Gebäuden. Wie kommt er dazu, sich zuzutrauen, ein mathematisch komplexes, überaus kompliziertes Problem als Tischler zu lösen?  „Die Anna (Folie) wollte unbedingt so etwas und hat von anderen Handwerkern nur Absagen bekommen. Keiner wollte das machen. Ich hab’ mir gesagt: Weshalb soll ich es nicht probieren?“ Gesagt getan.

Der Geo-Dome entsteht

Der Geo-Dome entsteht in der Tischler-Werkstatt von Andi Pinggera. Bild: A. Pinggera

So ‚schreinerte‘ Andreas zuerst eine kleinere Ausgabe eines solchen Geo-Domes. Wer hat dafür denn die Pläne gezeichnet, wollte ich wissen. „Die gibt’s im Internet. Mit genauen Beschreibungen, Berechnungsformeln und Tabellen. Das muss man halt dann auch umsetzen.“ Als Vorstudie hat er erst einmal ein Tischmodell gemacht und festgestellt, dass ein Geo-Dom viel komplizierter ausschaut als er in Wahrheit ist. „Wenn man die Konstruktionskriterien einmal durchschaut hat ist’s einfach“. Er sah, kopierte und baute. Ein anderer Ausdruck für Veni, Vidi, Vici.

Der Prototyp des Geo-Domes in Stilfs

Andreas mit dem Prototyp im Garten seiner Oma in Stilfs. Geo-Dome mit Ortlerblick quasi. Bild: A.Pinggera

geo dome stilfs

Die beiden Leidenschaften des Schreiners Pinggera: Geo-Dome und Weinbau. Im unteren Bildbereich sieht man einen Teil des Weinbergs, den Andreas in Stilfs angelegt hat. Bild: A. Pinggera

Zwei Monate habe er ‚getüftelt‘ wie er es nennt. Dann begann Andi eine erste Miniaturversion eines Geo-Domes zu bauen. Er hatte auch einen Platz zur Hand, an dem er die Halbkugel aufstellen konnte: den Garten seiner Oma, ganz in der Nähe seines Weinberges. Der Prototyp war bald gesägt, zusammengesetzt und aufgestellt, die zu verwendenden Materialien fixiert. Und gebaut ist so ein Geo-Dome ruck-zuck sagt Andreas. Das war im letzten Jahr. Binnen kürzester Zeit war der Geo-Dome nach der Installation betriebsbereit. 

Erste Erfahrungen

Wie hat das aus Holz erbaute Kugel-Gewächshaus den Winter überstanden? „Bestens“ erzählt Andreas. Der Schnee kann ja nicht am Dach liegenbleiben. Und Wind kann dem Kugelhaus auch nichts anhaben. Also ist es gegen die beiden Hauptgefahren im Winter ziemlich immun.

Geo-Dome Stilfs

In Stilfs auf 1.300 m Seehöhe wächst und gedeiht Gemüse und Salat bereits im März. Bild: A. Pinggera

Nach dem erfolgreichen Aufbau des Prototyps in Stilfs fertigte Andres dann die King-Size-Variante eines Kugel-Gewächshauses für Anna Folie in Mals . Und als es dann im riesigen Gemüsegarten stand, erregte es sogleich Aufsehen. Es schaut tatsächlich aus wie ein UFO. 

Da die Träger und Stützen des Geo-Dom aus Holz erbaut sind wollte ich wissen, ob die nicht aufgrund der im Gewächshaus herrschenden Feuchtigkeit gleich einmal anfaulen. „Sicher nicht“, sagt Andreas. „Der Geo-Dom besitzt eine automatische Lüftung, die temperaturabhängig ist. Wenn es zu heiß wird, öffnet sich automatisch eine Lüftung und sorgt für ausgeglichene Temperaturen.“ Und außen werden die Holzverbindungen mit einem Spezialklebeband geschützt.

Automatische Lüftung Geo-Dome

Die Automatische Lüftungsanlage im Geo-Dome. Bild: Sockerhof

Der Geo-Dome – ein außergewöhnliches Gewächshaus

Pflanzen im Geo-Dome

Setzlinge im Geo-Dome des Sockerhofes. Bild: Sockerhof

Anna erzählte mir dann, was sie nach einer ersten Probephase von diesem neuartigen Gewächshaus hält. Immerhin hat sie bereits ein Jahr lang Erfahrungen sammeln können. Sie sei mehr als zufrieden, sagt sie. Das heißt? „Der Geo-Dome hat meine Erwartungen noch übertroffen.“ Die automatische Lüftung im Sommer sei genial und funktioniere bestens. Und für sie kaum zu glauben: „Im heurigen Winter konnte die Temperatur im Geo-Dome eigentlich nie weit unter Null abgefallen sein, da das „Franzosenkraut“ und sogar die Physalis-Pflanzen überlebt haben. Im nächsten Winter werde ich Wintergemüse im Geo-Dome ziehen.“ Da kommt Freude auf bei mir und  Ihren Kunden.

Pflanzenaufzucht im Geo-Dome: ein Lercherl!

Im Frühling 2020 konnte Anna erstmals einen direkten Vergleich mit ihrem alten, herkömmlichen Gewächshaus ziehen. „Das hat etwa 1/3 der Fläche des Geo-Doms, ist mit denselben lichtdurchlässigen Platten bestückt und erhält gleich viel Sonne in den Innenraum. Im Glashaus hatte es bei geschlossenen Fenstern und Türen 18°, im Geo-Dome war die Lüftungsklappe zur gleichen Zeit geöffnet, also muss es 35 ° gehabt haben.“ Unglaublich.

Ein schöneres Testergebnis kann es eigentlich nicht geben. Und dass diese neuartige Gewächs-Kugel auf Interesse stößt beweisen die ersten Bestellungen, die bei Andreas eingegangen sind.  Wer sich für den Geo-Dome interessiert kann Andreas entweder per email erreichen oder gleich anrufen:

Andreas Pinggera Festnetz: 0039 0473 611 837; Mobil: 0039 349 698 90 34;  email: tischlerei.pinggera-josef@rolmail.net

Andreas ist auch via Facebook zu erreichen: https://www.facebook.com/andreas.pinggera.5

Hier ein Youtube-Video über verschiedene Geo-Domes in Europa: