Sardinienprodukte: Ein Souvenir wird zur Geschäftsidee

Was passiert, wenn zwei Brüder in Sardinien Urlaub machen und dort eine Ölmühle besichtigen? Viele würden ein Fotoalbum anlegen. Das Innsbrucker Brüderpaar Michael und Thomas Carli gründen stattdessen gleich einmal ein Unternehmen mit dem Namen der Insel. Für mich sind die beiden Prototypen jener neuen Unternehmer, die sich dynamisch neue Situationen erkennen und sich daran anpassen. Davon und von wunderbar mediterranen Waren will ich in Corona-Zeiten berichten.

Michael und Thomas Carli

Die beiden Carli-Brüder wie man sie kennt, Michael links, Thomas rechts.

Dass ich hier die Innsbrucker Carli-Brüder und ihre Sardinienprodukte vorstelle hat nichts damit zu tun, dass ich nun plötzlich Werbung für die Mittelmeerinsel machen will. Ich habe zwei Gründe: Der erste ist mein sehr starker Hang zu gutem Essen, vorzugsweise französisch oder mediterran. Der zweite ist der Corona-Situation geschuldet. Denn die Kombination von stationärem und Online-Handel erlangt soeben eine neue Bedeutung. Nicht Amazon, Zalando dürfen die Zukunft bestimmen. Es sollen jene lokalen Handwerker und Händler sein, die man kennt und schätzt. Wie etwa die Carli-Brüder, die stellvertretend für eine neue Generation von Handelsgeschäften stehen: Sie unterhalten in der Innsbrucker Ursulinen-Passage ein kürzlich bezogenes Geschäftslokal und betreiben daneben einen bestens funktionierenden Online-Handel.

Kalt gepresstes Olivenöl als „Urknall“ 

Eigentlich sind die beiden im Jahr 2002 nach Sardinien gefahren um im Heimatort eines ihrer Freunde zu recherchieren. Der Ort sollte ein Tourismuskonzept erhalten und Michael wollte sich das als Werbeprofi – er hat die Medienwerkstatt in Allerheiligen mit aufgebaut – einmal anschauen. Als dann klar war, dass die Leute dieser sardischen Gemeinde eigentlich nicht noch mehr Tourismus wollten als eh schon vorhanden war, verlegten sich die beidem Brüder auf Dolce Vita und Besichtigungen.

oleificio sociale

Die Oleificio Sociale und deren kaltgepresstes Olivenöl generierten eine Geschäftsidee. Bild: sardinienprodukte

Eine spezielle Exkursion sollte deren beider Lebensläufe ziemlich abrupt verändern. Der Besuch der Ölmühle „Oleificio Sociale Seneghe“ wurde nämlich zum kulinarischen Damaskus für die beiden. Michael kaufte gleich einmal fünf Kanister dieses nach altem Stil kalt gepressten Olivenöls. Die insgesamt 25 Liter dieses fantastischen Öles wurden dann aber quasi zum ‚Urknall‘ der Sardinienprodukte.at

„Wir haben das Olivenöl in kleine Flaschen gefüllt und die zu Weihnachten unseren Kunden geschenkt“ erzählt mir Michael. Einer davon war Martin Figl von der Alpina Druckerei. Zwei Wochen später hat sich dessen Frau Therese Figl bei ihm gemeldet. Sie hatte ihre Bauernkiste gegründet, vom Öl gekostet und keinen Öl-Lieferanten. Flugs waren die Carlis Zulieferer der Tiroler Bauernkiste.

Oliven in Sardinien

Die Oliven sind eine Art Symbol für die Mittelmeerinsel.

Wie aus einem Hobby eine Geschäftsidee wird

Da auch die Ölmühle auf Sardinien nie etwas mit Export zu tun gehabt hatte verliefen die ersten Gehversuche der Carlis eher holprig. Thomas, gelernter Logistiker und ebenfalls ein Greenhorn am Handelssektor erinnert sich daran, wie sie die Etiketten für das Öl übersetzen mussten. „Vor allem aber die Abwicklung mit der Spedition und all die Formulare waren anfänglich schon etwas neu für uns.“ So belieferten die beiden bis 2008 ausschließlich die Bauernkiste. Ein bezahltes Hobby quasi.

Schritt 1: Einen Online-Shop eröffnen

Bestellungen vor Sardinienfahrt

So schaute eine Bestellliste in den Anfangstagen der Sardinienprodukte vor einer Einkaufsfahrt auf die Insel aus.

Thomas war es dann, der die Idee hatte, eine Website für den Online-Verkauf zu starten. „Den nannten wir dann beim Start 2009 ‚Sardinienprodukte‘ und warteten, bis uns was besseres einfallen sollte. Ist es aber nicht.“ Eine bessere Idee stellte sich nicht ein und so wurden die „Sardinienprodukte“ der Carlis zu einem mediterranen Aushängeschild in Innsbruck.

Dann begannen die Einkaufsfahrten nach Sardinien. Blauäugig, wie beide zugeben. Die Firma war angemeldet, UST-Identifikationsnummer vorhanden. „Wir fahren zur ersten Vinothek und wollen Wein einkaufen“, erinnert sich Thomas. „Aber uns fehlte die Verbrauchssteuernummer die für eine Wein-Rechnung unabdingbar ist.“ Und so bezahlten sie diese Steuer doppelt, in Italien einmal, in Österreich das zweite Mal. Den  Fehler wiederholten sie nicht.

Auch die Versandlogistik bescherte den beiden anfänglich Kopfweh. Die erste Online-Sendung mit der Post kam zerbrochen zurück. Dann haben sich beide an den ‚Deutschen Paket Dienst‘ DPD gewandt. Sie sind nicht nur bei DPD geblieben, sie haben die Paketfirma gleich in ihr Geschäft integriert.

2. Ein ‚analoges‘ Geschäft eröffnen

Vor 7 Jahren eröffneten sie ein Geschäftslokal in Pradl. Der Beweggrund dazu war anfänglich weniger der brüderliche Hang zum Straßenverkauf. „Wir haben ein Lager gebraucht“, sagt Michael trocken. „Wir brauchten Platz für unsere Waren für den Online-Versand“. Das Online-Geschäft wuchs kontinuierlich. Ein feines Händchen haben die beiden bewiesen, als sie sich um den DPD-Paketshop bewarben. Menschen, die ihr Paket abholten, lernten also auch gleich das Geschäft kennen. Und sind vielfach zu Kunden geworden.

Geschäftsloal Sardinienprodukte Innsbruck

Das neue Geschäftslokal der Sardinienprodukte in der Innsbrucker Ursulinenpassage. Bild: M. Carli

Wie entsteht die Warenpalette?

Was mich sehr interessiert: Wie stellen die beiden ihren Warenkorb zusammen? Denn im neuen Geschäftslokal in der Ursulinenpassage im Zentrum Innsbrucks sind Produkte sonder Zahl vertreten. Vor allem die sardischen Weine dominieren das Interieur des Geschäftes. „Wir kriegen natürlich lokale Empfehlungen in Sardinien. Wir gehen aber auch und besonders auf Kundenwünsche ein.“

Wichtigstes Kriterium ist jedoch, dass ein Produkt den beiden selbst schmeckt. Und dass sie den Hersteller persönlich kennen lernen. Was die beiden zudem immer beherzigen: das Warensortiment ist von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen ‚handwerklich‘ hergestellt worden. Mit andern Worten: eine industrielle Verarbeitung ist ihnen ein Gräuel. Die Ausnahme: Das Ichnusa-Bier mit der sardischen Fahne im Wappen. „Alle, die jemals auf Sardinien waren lieben und trinken es. Leider hat Heineken die Brauerei gekauft.“ Aber: ohne Ichnusa kein Sardinien.

Birra Ichnusa

Für Sardinienkenner_innen ein Muss: Birra Ichnusa

Mich fasziniert das Weinangebot der Carlis. Da ist vom Cannonau bis zum absoluten Nobelwein, dem „Vernaccia di Orestano“ alles vertreten was sardischen Rang und Namen hat. Für mich als Kunde eines Geschäftes ist es immer von entscheidender Bedeutung ob auch BIO-Weine angeboten werden. Und das ist in den Sardinienprodukten der Fall.

Ein Tipp : den Vernaccia sollte man unbedingt kosten. Der wird in Kastanienfässern gereift die unter dem Dach gelagert werden. In der Wärme wächst ein Pilz auf dem Wein, der diesen unglaublichen Gout in den Wein zaubert. Zudem ist der Tropfen mindestens vier Jahre alt. Der Preis? Im grünen Bereich.

vernaccia fass

Vernaccia im Fass.

Das Wichtigste für mich: Ein BIO-Angebot den ich vertrauen kann

Weshalb ich Kunde der Sardinienprodukte bin? Weil ich hier endlich Öl, Balsamico, Mirto-Likör und Gewürze in BIO-Qualität erhalte. Eine Zusammenfassung der feinen BIO-Produkte gibt es HIER im Online-Shop. Noch wichtiger ist es jedoch für mich, dass ich den Carli-Brüdern vertraue. Was ich von Supermarkt-BIO-Angeboten beigott nicht behaupten kann.

Bio-Nudeln

BIO-Nudeln aus Sardinien

Mein Tipp für Ostern:

Die flaumige Colomba der Konditorei RAU aus Berchidda am Fuß des Monte Limbara. Online-Bestellungen HIER

colomba

Ein Osterfest ohne den sardischen Colomba? Nicht möglich!

2 Gedanken zu “Sardinienprodukte: Ein Souvenir wird zur Geschäftsidee

  1. Ich weiß nicht mehr, wie und wann ich den „alten Kräutler“ kennen gelernt habe. Es ist auch schon eine ganze Weile her. Ein Mann mit vielen Facetten. Kämpferischer Journalist, Regionalentwickler im Ötztal und Begründer der „Schule der Alm“ im Valsertal. Ich führte ihn in die Weberei von Martin Stern in Neustift, wo er endlich nach vielen Jahren fand, wonach er schon so lange suchte: den Stoff, aus dem die Träume sind – den Wifling, auch Tiroler Tweed genannt. Es war schön zu beobachten, wie begeistert er ob seiner Entdeckung war. Wenn ein Tiroler sagt: „Den kunn i nit schmecken“!, meint er damit, dass er Jemanden nicht leiden kann. Das kann man beim gebürtigen „Gsi“, sprich gebürtigen Vorarlberger, nicht sagen. Den manchmal etwas kauzig wirkenden Typen muss man einfach auf Anhieb „schmecken“ können. Der Mann war Grüner der ersten Stunde, befetzte zu meiner großen Freude aber mit spitzer Feder auch seine ehemaligen Parteifreunde, denen er vorwarf, ihre Ideale mit der Regierungsbeteiligung über Bord geworfen zu haben. Spezieller Anlass war der geplante Wasserraub im hinteren Stubaital, der ja immer noch wie ein Damoklesschwert über unseren Häuptern schwebt. Damals wurde er zu meinem Freund und er ist es immer noch. Blogs über die Gesundheit fördernde Wirkung der Wasserfälle und ihrer Nanoaerosole, die Wilde-Wasser-Wege und das Wanderzentrum Schlicker Alm waren die Folge. Begegnungen der besonderen Art mit Wissenden des Tales, dem allseits bekannten Wasser“guru“ Luis Töchterle oder dem Wahrer vieler Heimatschätze Peter Lanthaler aus Fulpmes lieferten Stoff für viele Geschichten. Neben dem Verfassen von Liebeserklärungen an das Land Tirol und seine Leute, erwanderte er jahrelang die Jakobswege in Frankreich, Spanien und Portugal – sein jüngstes Steckenpferd, die begeisternde Via Arverna quer durch das Vulkanland der Auvergne steckt gerade viele Freunde dieser Bewegung an. Ein wahrhaft positiver Virus. Nun hat er als Liebhaber guten Essens auch oft über die Grenzen unseres Landes hinaus „gegrast“ und auf seinen Entdeckungstouren gar schmackhafte Kräutlein gefunden, eines davon sind die Sardinienprodukte der Brüder Carli in der Innsbrucker Ursulinenpassage. BIO, wie man es sich vorstellt und liebt.

    Liken

    • oh, das ist ja eine hymne. ich danke für dieses riesige kompliment. der detlef ist ein freund, mit dem man auch hühnchen rupfen kann um anschließend wieder auf die gemeinsamkeiten zu kommen, die uns sehr stark verbinden. ich wünsch dir alles gute. bleib xund.

      Liken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.