Die Alpen. Wo Profitgier über Naturschutz siegt.

Es ist genug! Die Nutzung der Alpen hat ein Ausmaß erreicht, das diese uralte Kulturlandschaft für immer zu zerstören droht. Ein neues Buch des Alpenforschers Werner Bätzing warnt vor der Zerstörung des Gebirges durch Habsucht und Klimaveränderung. Die Fotos zu diesem Blogpost stammen von mir und zeigen die schönen Seite dieser untergehenden Welt. Und was wir und unsere Nachkommen zu verlieren haben.

Werner Bätzing heißt jener Wissenschafter, der mich mit seinen Büchern und Schriften seit Jahren  nachhaltig beeindruckt. Vor einem Jahr hat er ein neues Werk vorgelegt, das ich nun vorstellen will: „Die Alpen. Das Verschwinden einer Kulturlandschaft.“

Bätzins neues Buch ist beinahe schon ein Requiem auf unsere Berge.

Ob es die ‚Gletscherehe‘ zwischen dem Ötz- und Kaunertal inklusive Wegsprengen einer  Bergspitze ist, nicht genehmigte Skipistenerweiterungen oder die Verhüttelung und Verschandelung der Landschaft mit neuen ‚Luxusappartements‘ und ‚Chalets‘: Noch nie war der Druck auf unsere Alpen derart massiv wie heute. Daher ist es gut und wichtig, dass Werner Bätzing nach seinem Hauptwerk „Die Alpen. Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft“ anstelle einer Neuauflage einen neuen und eindringlichen Präsentationsstil für seine Forschungsergebnisse gewählt hat

In seinem neuen Werk benützt er seine Fotografien, um ein reales Bild der Alpen zu zeichnen. Weitab romantischer Verklärung und kindischer ‚Heidi‘-Erzählungen dokumentiert er mit bisweilen einmaligen Bildern trocken wissenschaftlich, wie sich die Alpen verändern. Wie Profitgier gepaart mit einer völlig respektlosen Eventkultur Natur- und Landschaftsschutz einfach überrollt.

Transhumanz vom Schnalstal ins Ötztal

Schafe Südtiroler Bauern auf ihrem Weg auf die Nordtiroler Weiden. Eine jahrtausendealte Tradition.

Schäferhütte mit Similaun

Die Schäferhütte im Nedertal, Unterkunft für die Hirten der Südtiroler Schafe. Im Hintergrund der Similaun.

Allein schon beim Durchblättern dieses Werkes stehen einem bisweilen die Haare zu Berge. Ob es die Bilder verendender Gletscher, die Verstädterung der Tallagen oder Bilder über die Verwilderung der Landschaft  sind: Die Bedrohung der Natur hat Folgewirkungen, die wir heute noch gar nicht abschätzen können.

Bergwiese im Blumengewand

Wenn unsere Enkel noch Blumenwiesen wie diese sehen sollen müssen wir JETZT etwas tun.

Seit Jahrzehnten schon kämpft Bätzing für den Erhalt dieses einzigartigen Raumes. Dass er es jetzt mit einer im wahren Sinn des Wortes ‚anschaulichen Darstellung‘ versucht, ist ihm hoch anzurechnen. Die sehr bewusst gestalteten Bildkompositionen, die Bildausschnitte und Perspektiven lenkt den Blick auf das Wesentliche. Kurze Einleitungstexte und Bilderläuterungen verdeutlichen die Bildaussagen. Somit wird die aktuelle Situation für uns Laien verständlich.

Diesen Augenöffner der Kulturgeografie sollten sich all jene nicht entgehen lassen, die hier leben und die Alpen als ihren Lebensraum betrachten, der geschützt und erhalten werden soll. Denn es geht um nichts mehr und nichts weniger als das Überleben dieses uralten Kulturgebietes. Und besonders für Besucher der Berge ist es ratsam, dieses Buch zur Hand zu nehmen.

Radurschltal im Tiroler Oberland

Blick vom Adlerweg im Radurschltal.

Kaunertaler Gletscher

Blick auf das Innere Kaunertal samt Gletscher. Hier soll der Massentourismus endgültig Einzug halten.

Werner Bätzing StreitschriftIch höre jetzt schon wieder die Forderung besonders der Profitgeier, doch Lösungsvorschläge für die Berggebiete zu unterbreiten. Die macht Bätzing nicht in diesem neuen Werk. Wer sich dafür interessiert, sollte eine andere Schrift von Werner Bätzing in die Hand nehmen, die mögliche Zukunftsszenarien aufzeigt: „ Zwischen Wildnis und Freizeitpark. Eine Streitschrift zur Zukunft der Alpen“.

 

Bätzing, Werner
Die Alpen
Das Verschwinden einer Kulturlandschaft, ISBN978-3-8062-3779-5. Verlag Theiss, 216 Seiten mit 228 Illustrationen und 2 Karten.
38,00