Der Sauerbrunn aus Obladis ist Tirols feinstes Mineralwasser

Ein Spaziergang von Ladis nach Obladis ‚rentiert‘  sich in mehrfacher Hinsicht. Einerseits der körperlichen Betätigung wegen, andererseits erwartet die Wandersleute ein ganz wunderbares Wasser das aus einer Quelle hoch über dem Oberen Inntal sprudelt.

Ich würde mich normalerweise hüten, einen Blog über Mineralwasser zu verfassen. Die industriell vertriebenen Wässer können meines Erachtens nur mit dem Sammelbegriff ‚Plörre‘ bezeichnet werden. Mir schmeckt jedenfalls jede Tiroler Leitungswasser besser als die teuren, mit Riesensummen beworbenen ‚Mineralwässer‘. Die dann noch meist durch ganz Österreich gekarrt werden. Zumeist abgestandene Wässer, die halt einige Mineralstoffe enthalten bzw. enthielten. Mit dem Sauerbrunn aus Obladis ist’s ganz anders.

Ziegen waren es, die angeblich den Sauerbrunn von Obladis im Jahre 1212 entdeckten. Es war ein Heil- und Mineralwasser, das es in der Folgezeit nicht nur den Gaissen sondern auch auch Kaisern und Königen angetan hatte. Und das heute noch als eines der besten Wässer Tirols gilt. 

Tirols feinste Mineralquelle liegt hoch über dem Oberen Inntal. Der Blick von Obladis auf die Berge des Kaunertals ist wunderbar. Bild: Tiroler Sauerbrunn/Christine Kirschner

Zu Zeiten Kaiser Maximilians galt das Wasser sogar als Gesundbrunnen schlechthin. Das Wasser sei „das allerhailsamste in gantz Teutschland“, heißt es in einem mittelalterlichen Testat. Dass zudem in unmittelbarer Nähe des Sauerbrunns eine Schwefelquelle aus dem Berg sprudelt machte Obladis vollends zu einem mittelalterlichen Kurzentrum.

Es ist die Kombination aus Landschaft und Heilquelle, die Obladis damals wie heute so attraktiv macht. Auf 1.386 m Seehöhe gelegen, erfreut sich der Besucher nicht nur am einzigartigen Berg-Panorama. Auch das Klima ist überaus erträglich. Im Volksmund bezeichnet man Ladis und Obladis denn auch als „Sonnenterrasse“.

Die Berge des Kaunertals

Ein Regenbogen über Lais. Bild: Tiroler Sauerbrunn, Christine Kirschner

Für die Menschen des frühen Mittelalters mag es ein Gottesgeschenk gewesen sein, hier ihre vielfach fragile Gesundheit wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen. Denn anfänglich waren Sauerbrunn und Schwefelquelle mit Sicherheit in einem ‚Bauernbadl‘ vereint, wie es sie im Tirol des frühen Mittelalters zu Hunderten gegeben hatte. In solchen einfachen Bädern war es auch wenig begüterten Menschen möglich, körperliche Leiden einerseits mit Bädern und andererseits mit Trinkkuren erfolgreich zu behandeln.

Eine erste Blütezeit erlebte der Sauerbunnen um das Jahr 1571, zur Zeit Erzherzog Ferdinands II. Der Herrscher Tirols ließ für seinen kranken Sohn täglich einen ‚Pitrich‘ (Holztrog) voll Saurprunnenwasser‘ nach Innsbruck kommen und unterzog sich 1572 höchstselbst einer Trinkkur vor Ort, von der heute noch eine 1576 von ihm gespendete marmorne Brunnensäule bei der Quellfassung zeugt. Von diesem Zeitpunkt an wurde Obladis zu einer der wichtigsten und bekanntesten Kurbäder Tirols. Das Wasser des Sauerbrunns wurde damals von eigenen Wasserverkäufern auch in die entlegensten Gebiete Tirols gebracht. Ja, es sind sogar Fälle von „Wasserfälschung“ bekannt.

Im Gedenkstein bei der Quellfassung in Obladis verewigte sich „Ertzhertzog Ferdinand zu Ostenrich Graf zu Tirol 1575“.

Das Inntal-Erdbeben des Jahres 1670 ließ die Quelle dann aber nahezu versiegen. Glaubt man den damaligen Chronisten, schoss das Wasser bis dahin ‚drei Fuß hoch‘ empor. Der starke Rückgang der Quellbringung und andere Umstände trugen dazu bei, dass Anfang des 19. Jahrhunderts der Besuch der damals bestehenden Kuranstalt nahezu zum Erliegen gekommen war. Der Neubau eines großen Kurhotels eröffnete ab 1833 wieder eine Zeit florierenden Kurbetriebes, die im Jahre 1972 mit dem verheerenden Brand jäh endete.

Das einst stolze Kurbad auf rund 1.300 m Seehöhe. Bild: Tiroler Sauerbrunn

Durch all die unterschiedlichen Zeitläufe hielten die Tiroler jedoch unverbrüchlich an ‚ihrem Sauerbrunnen‘ fest. Und weil keine gute Straße nach Obladis führte, baute man um die Jahrhundertwende eigens für den Mineralwassertransport eine Materialseilbahn von Prutz nach Obladis.

Mit dieser Transportseilbahn wurde das Heil- und Mineralwasser einst zu tal befördert. Bild: Tiroler Sauerbrunn

Das Mineralwasser der Tiroler

Es ist der Familie Kirschner zu verdanken, dass es das Heil- und Mineralwasser – wenngleich in beschränktem Umfang – immer noch zu kaufen gibt. Die Quelle gibt nämlich pro Minute nur 1 1/2 Liter des köstlichen Sauerbrunns frei. „Die Quellfassung muss sehr vorsichtig erfolgen“, erzählt Burgl Kirschner, die Seniorchefin des Betriebes. „Ansonsten würde sich die Kohlensäure verflüchtigen“. Deshalb wird das Wasser mit äußerster Vorsicht in einem Bassin und  großen Behältern gesammelt und zwei bis viermal wöchentlich in Flaschen abgefüllt. Ein Wasser, das für viele Menschen das beste Wasser Tirols ist.

Seniorchefin Burgl Kirschner (li) mit ihrer Schwiegertochter Christine.

Die alte Abfüllstation des Tiroler Sauerbrunn. Bild: Tiroler Sauerbrunn

Der Tiroler Sauerbrunn ist mehr als die ‚normalen Mineralwässer‘. Es ist ein anerkanntes Heilwasser, das tief aus den Bergen kommt. So setzt die moderne Medizin den Sauerbrunn bei Erkrankungen von Niere, Leber, Darm, Magen, und Bauchspeicheldrüse, bei Verschleimung der Atemwege, Appetitlosigkeit und auch bei Schilddrüsenleiden erfolgreich ein. Trinkkuren bei Gastritis, Asthma, Sodbrennen und Stoffwechselerkrankungen erzielen gute Erfolge. Der hohe Calciumgehalt kommt vor allem Frauen zugute. Er ist gut bei Osteoporose.

Anreise: Mit dem Auto kann man bis zum Wohn- und Betriebsgebäude des Sauerbrunns fahren. Zu Fuß ist ein Aufstieg von Ladis aus empfehlenswert. Beginn der leichten Rundwanderung ist beim Oberen Dorfbrunnen in Ladis.

Anschrift: Tiroler Sauerbrunn, 6532 Ladis, Obladis 2b. Tel.Nr.: +43 5472 6232. e-mail: sauerbrunn@aon.at

LINKTIPP:

Website: http://www.tirolersauerbrunn.at/
Händlerliste: http://www.tirolersauerbrunn.at/index.php/haendlerliste