Der BIO-Sockerhof der Anna Folie in Mals

Eine junge Frau beweist eindrucksvoll, dass Garten- und Ackerbau ohne Maschinen und sogenannte „Pflanzenschutzmittel“ bemerkenswerte Erträge abwerfen kann. Wenn man weiß, wie es geht. Ihr BIO-zertifizierter „Sockerhof“ liegt quasi mitten im pestizidfreien Mals.

Es ist schon ein ganz besonderer Hof, der da in der Russlandstraße liegt. Ortsunkundigen fällt beim Vorbeifahren auf der Hauptstraße nur ein „Grüner Gürtel“ auf, der kurzfristig die Sicht von der Straße auf Mals und vor allem den dahinterliegenden Gemüseacker verstellt. Das ist das kleine Hanffeld der Bäuerin, die hier am „Sockerhof“ auf einem halben Hektar Land mit viel Freude und Erfolg werkt: Anna Folie. Zudem verfügt sie noch über knapp 2,5 ha Ackerfläche für Roggen- und Erdäpfelanbau und etwa 1 ha Wiese und Weide.

Traumjob BIO-Bäuerin

Nach dem Tod ihres Großonkels führt die Absolventin der Wiener Hochschule für Bodenkultur dessen Arbeit weiter. Mehr oder weniger allein. Ihr Vater macht die Hühner und Mäh-Arbeiten, die  Eltern helfen auch am Acker mit wenns einmal ganz stressig ist. Der Bruder macht die tolle Website und Fotos. Sie sei in ihrem Traumjob angekommen, sagt die sympathische 29jährige Jungbäuerin bei meinem Hofbesuch. Und das fällt mir schon nach einem kurzen Rundgang über den Acker – oder sollte ich lieber sagen ‚Riesengarten‘ – auf. Fast entschuldigend meint sie, dass der Hof selbst baufällig und noch in einem schlechten Zustand sei. Dafür habe sie aber bereits die Scheune saniert, sagt sie stolz. Das darf sie auch sein. Denn die mit viel Gefühl sanierte Scheune wird auf ihrem Hof eine wichtige Funktion einnehmen: Einerseits als eine Art Wirtschaftsgebäude und Arbeitsplatz, andererseits als Abholstelle für ihr Gemüse. Auch Veranstaltungen, Vorträge, Ausstellungen und Kunst plant die Jungbäuerin hier.

Anna Folie Stockerhof Mals
Anna Folie in ihrer eben fertig sanierten Scheune. Ein künftiger Multifunktionsraum. Bild: Stockerhof

52 BIO-Gemüsesorten

Am Sockerhof gedeiht alles, was an Gemüse, Knollenfrüchten, Mais, Tomaten oder Salaten wächst. Insgesamt 52 (!) verschiedene Produkte bietet sie auf ihrer Website https://www.sockerhof.it/ an. Darunter 30 Sorten Tomaten, 10 Sorten Bohnen oder 6 Sorten Kürbisse. Und das ist noch nicht alles. Neben einem Acker mit Roggen und Erdäpfel hält sie am Sockerhof auch vier Mangalitza-Wollschweine, die auf ihrem Grundstück herumgraben. Und die, wenn sie Anna sehen, sofort unter heftigem Grunzen antraben. Eine kleine Herde von neun Ziegen grast auf ihrer Weide, die 30 Hühner, 7 Enten und 15 Wachteln bewohnen das Gelände im hinteren Hofteil wo sie nach Belieben scharren, fressen und stöbern können.

Kaum zu glauben: Unkraut als Bodenabdeckung

Anna hat 2014 begonnen, Garten und Acker anzulegen, auf denen nun alles wie im Garten Eden zu wachsen scheint. Auch das Unkraut, wie ich bemerke. Anna lacht. „Das Unkraut hat eine wichtige Funktion“, sagt sie. Für mich als Laien neu und kaum nachvollziehbar. „Vor allem heuer war ich um das Unkraut froh“, erzählt sie weiter. Denn sie ist am Malser Bewässerungssystem, den früheren Waalen angeschlossen, die inzwischen zu Beregnungsleitungen geworden sind. Es gibt das Wasser nur  gemeinsam für sie und die anderen Bauern. „Und wenn die das Gras gemäht hatten, brauchten sie in den heißesten und trockensten Phasen des Sommers kein Wasser. „Denn wenn die Nachbarn mähen fällt die Beregnung aus. Dann gibt’s 2 oder 3 Wochen lang kein Wasser, während ich normalerweise einmal die Woche Wasser hätte“, lacht sie. Aber das ist kein großes  Problem für Anna, denn das Unkraut deckt den Boden ab und verhindert das Austrocknen. Während anderen das Lachen vergangen ist  nützte sie die Logik der Natur. Respekt!

Ein echter Naturgarten oder -Acker. Einfach schön anzuschauen.

Was mich dann doch einigermaßen wundert: Anna arbeitet ohne Maschinen. Aber sie sei ja Vollerwerbsbäuerin, lacht sie. Also steht sie vom Frühjahr bis in den Spätherbst tagtäglich auf ihrem Acker, hegt und pflegt die Pflanzen quasi händisch und erntet sie für ihre Kunden. Denn die schauen entweder selbst am Hof vorbei um zu bestellen oder tun dies über das Internet.

Vom Sockerhof hat man eine schöne Sicht zur Pfarrkirche von Mals.

Direktvermarktung als Geschäftsgrundlage

Der Ab-Hof-Verkauf funktioniert bestens, sagt Anna. Rund die Hälfte (!) der Bestellungen kommt über ihre sehr einfache aber fein gestaltete Website herein. Da wählen die Kunden jene BIO-Produkte aus, die sie später bei Anna abholen werden. 50 %? Ich hätte das nicht für möglich gehalten. Aber: das sei eigentlich logisch, meint die moderne Bäuerin. „Die Leute bestellen meist in der Mittagspause ihr Gemüse und holen es dann nach der Arbeit ab. Oder wenn sie eh planen, nach Mals zu kommen.“ Auch deshalb hat sie ja ihren alten Holzstadl umgebaut.

Ein ‚Hanfvorhang‘ für den Garten

Eine Frage konnte ich mir nich verkneifen: jene nach dem kleinen Hanffeld am Rande des Gartens. Ist das Zeug nicht verboten? wollte ich wissen. Sie lacht. „Die Carabinieri waren mehr als nur einmal da. Aber der Hanf ist kein Drogenhanf, der hat fast keinen Wirkstoff, was ihn als Droge interessant machen würde. Ich habe ihn nur deshalb gepflanzt, um meine Ruhe zu haben. Einerseits vor dem Verkehrslärm der Reschenstraße und andererseits vor Autofahrern, die hupen, wenn sie mich auf dem Acker sehen.“

Ein Hanfgürtel als Lärmschutz. Keine Angst, dieser Hanf ist keine ‚Droge‘. Bild: Sockerhof

Webcam am Sockerhof

Aber niemand muss darauf verzichten, den Acker oder eben Riesengarten am Sockerhof zu betrachten. Unglaublich aber wahr: Anna hat deshalb eine Webcam installiert. Das macht sie hauptsächlich der Transparenz willen, weil sie ja genauso arbeitet wie sie sagt. Und das ist jederzeit per Internet zu überprüfen. „Zudem hält es zahlreiche „Erntehelfer“ davon ab, ohne Geld einzukaufen“, lacht sie.  Und: man kann man jederzeit schauen, was alles wächst und gedeiht. Außer halt im Winter, wie auf dem Bild unschwer ersichtlich. Hier geht’s zur Webcam: https://www.bergfex.it/watles/webcams/c13200/

Normalerweise sieht man, was es alles am Hof gibt. Nur nicht im Winter.

Daten

Adresse:
Sockerhof Anna Folie
Russlandstraße 1
39024 Mals (BZ)

Tel.: +39 380 742 72 12
E-Mail: info@sockerhof.it

Annas Angebot auf einen Blick:

Gemüse: Tomaten (ca. 30 Sorten), Weißkohl (4 Sorten), Blaukraut, Wirsing, Grünkohl (grünen und roten), Schwarzkohl, Brokkoli, Karotten (4 Sorten), Kohlrabi (grüne und violette), Erdäpfel (verschiedene „normale“ Sorten und auch rosarote und violette), Zucchini (auch verschiedene Sorten), Gurken, Physalis, Bohnen und Trockenbohnen (ca. 10 Sorten), Mangold (roten und grünen), Stangen- und Knollensellerie, Petersilie, Kürbisse (6 Sorten im Moment), Rohnen (lange, runde, gelbe und gestreifte), Mais (gelben, schwarzen und blauen), Zwiebel, Rosenkohl, Karfiol, Romanesco, Radieschen, Rettiche, Fenchel, Salate (verschiedene Sorten), Radicchio, Rucola, Peperoni und Chili (natürlich auch verschiedene Sorten), Topinambur, Lauch, Pastinaken, Patisson. .. Puh, ich glaube das war erst mal alles, wobei auch das Sortiment von Jahr zu Jahr wächst. – Es lebe die Vielfalt! 😀

Getreide: Roggen

Fleisch: bis jetzt keines für den Verkauf

Sonstiges: Hühner- und Wachteleier, essbare Blüten

4 Gedanken zu “Der BIO-Sockerhof der Anna Folie in Mals

  1. Guten Tag!
    Ich suche für eine evtl. Radiosendung positive Nachrichten aus Tirol. Könnte ich die Artikel von Herrn Werner Kräutler verwenden ode würde der Herr Werner Kräutler sie selbst vortragen wollen. Vielen Dank voraus für Ihre Antwort.
    Ecker Josef
    ecker.josef8@chello.at

    Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.