„Erklärungen sind verlorene Worte“. Die Fotografien des Josef Öfner.

„Menschen“. Eine Ausstellung im Turmmuseum Ötz ist dem Ötztaler Fotografen und Chronisten Josef Öfner gewidmet. 

Ich hatte es immer bedauert, dass die Fotos von Josef Öfner – ich hoffe, ich darf ihn immer noch Pepi nennen – bisher nur einem eher kleinen Kreis von Foto- und Kunstfreund_innen bekannt waren. Eine kürzlich eröffnete Ausstellung seiner Schwarz-Weiß-Fotografien im Ötzer Turmmuseum holt den Meister der dokumentarisch einfühlsamen Bilder aus dem Ötztal nun endlich vor den Vorhang.

Das „fotografische Gedächtnis“ als Schenkung

Der Anlass ist bedeutsam und spannend: Öfner schenkte kürzlich sein fotografisches Lebenswerk dem Gedächtnisspeicher Ötztal. Es ist die Sammlung eines penibel arbeitenden fotografischen Chronisten, bestehend aus 2.500 Fotografien. 25 Ordner sind es, die sein Werk aus zwei Jahrzehnten beinhalten. Die Fotos, penibel beschriftet und thematisch geordnet, stellen einen unschätzbaren Wert dar. Es sind Bilder, die, auf der Abbruchkante der einst bergbäuerlichen Gesellschaft stehend, den Unterschied zur heutigen rastlos-umtriebigen ‚modernen Gesellschaft‘ aufzeigen.

Josef Öfner

Pepi Öfner mit den Ordnern, die sein fotografisches Werk beinhalten. @Gedächtnisspeicher Ötztal.

Das Turmmuseum in Ötz. Bild: Turmmuseum Ötz

Ich lernte Pepi Öfner 1992 in der Schweiz kennen. Als ich nämlich mit einer Gruppe von Freunden von Chur bis nach Vent wanderte. Wir übernachteten auf der Falera in Graubünden, einem Gebiet mit vorzeitlichen Steinmonumenten und ‚Alignments‚, wie die Menhir-Steinreihen genannt werden.

Das Wesentliche in Bildern festgehalten

Es war zu einem großen Teil das Verdienst des Poeten und Volkskundlers Prof. Dr. Hans Haid, das Talent Pepi Öfners erkannt und vor allem gefördert zu haben. Ein Talent, das den gelernten Lehrer schon in den 80er Jahren zu einem aufmerksamen Chronisten des alten Lebens im Ötztal machte. Ihn faszinierte das bäuerliche Tagwerk, das damals noch halbwegs im Einklang mit der Natur erfolgen konnte. Aber auch die Feste und Feierlichkeiten, deren meist verborgenen Kerne er unermüdlich für die Nachwelt herausschälte und freilegte weckten sein fotografisches Interesse. Es sind unspektakuläre Dokumentationen. Sie vermitteln das Wesentliche und das Kontinuierliche. Pepi hatte sich nie auf das Laute, das Hastige oder gar das  Nebensächliche gestürzt. Tagesaktualität war ihm in seiner Kunst vermutlich immer ein Fremdwort, ich glaube sogar ein Gräuel.

Wenn er bei einer Veranstaltung anwesend war konnte man ihn locker übersehen. Er stellte seine Person in den Hintergrund und ‚verschwand‘ regelrecht. Nicht selten musste man nach ihm suchen, obwohl er die Veranstaltungen fotografisch begleitete.

Edith Hessenberger

Mmag. Edith Hessenberger (li) mit Landesrätin Beate Palfrader. Bild: Land Tirol

Pepi Öfner war deshalb auch nie ein Mann der großen Worte. Eher der stillen und der eindrucksvollen Bilder. Wie dies der Katalog zur Ausstellung im Ötzer Turm nachdrücklich belegt. Katalog ist gut gesagt, es ist ein Buch daraus geworden, das gleichzeitig die erste Schrift der Schriftenreihe der Ötztaler Museen darstellt, herausgegeben von der erst kürzlich bestellten Leiterin der Ötztaler Museen, MMag. Edith Hessenberger.

Einen besseren Einstand hätte die studierte Ethnologin und Geografin meiner Ansicht nach nicht feiern können. Ist es ihr doch gelungen, gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit eine sensible ‚Handschrift‘ zu hinterlassen und Kommendes anzudeuten. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf ihre Aktivitäten.

Die von Edith Hessenberger gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Nadja Parisi mit großem Einfühlungsvermögen in die Bilderwelt des Pepi Öfner kuratierte Ausstellung der Schwarzweißfotografien erinnert mich denn auch gleich an eine andere, große Tiroler Fotografin: an Erika Hubatschek, der ich mit Vergnügen einen eigenen Blogpost widmen durfte. Wenngleich ihre Bilder einige Jahrzehnte vorher gemacht worden waren ist die Parallele zwischen Öfner und Hubatschek nicht zu übersehen. Es ist die Vertrautheit beider mit den Menschen, die sie abbilden. Mit der Natur, in der sie sich mit diese Menschen gemeinsam bewegen. Und die Porträtierten konnten sich in beiden Fällen absolut sicher sein, dass die Fotografien nicht zu einer vordergründigen Effekthascherei verkommen. Hubatscheks und Öfners Zauberwort heißt und hieß: Respekt.

Josef Öfner

Im Altersheim, Längenfeld, 1987/2, @Sammlung Josef Öfner, Gedenkspeicher Ötztal.

Josef Öfner

Im Altersheim, Längenfeld 1987/9. @Sammlung Josef Öfner, Gedenkspeicher Ötztal.

Und wenn Pepi Öfner gebeten wird, seine Fotos zu erklären, so drückt seine Antwort genau das aus, was ihn als Beobachter einer Welt im Umbruch so auszeichnet: „Erklärungen“, meinte er im Gespräch mit Edith Hessenberger, „sind verlorene Worte“. Wie wahr. Seine Bilder sind der beste Beweis dafür, sprechen sie doch eine Sprache, die keiner Worte bedarf.

Meine Tipps:

Die Ausstellung MENSCHEN. Fotografien aus dem Ötztal von Josef Öfner ist noch bis zum 14. April 2019 im Turmmuseum in Ötz zu sehen.  Öffnungszeiten: von Dezember bis Ostern jeweils von Donnerstag bis Sonntag in der Zeit von 14 bis 18 Uhr.

Den Katalog zur Ausstellung gibt es in Buchform im Turmmuseum zu kaufen: „MENSCHEN Fotografien aus dem Ötztal von Josef Öfner“, Edith Hessenberger (Hg.), Studien Verlag; Band 1 der Schriften Ötztaler Museen, ISBN 978-3-7065-5937-9; € 19,90. Der Bildband ist auch in allen guten Buchhandlungen zu erwerben.

Headerbild: @Sammlung Josef Öfner, Gedenkspeicher Ötztal.

Die Linktipps:

Pepi Öfner war jahrelang Schriftleiter der Ötztaler Kulturzeitschrift ACHE, in dem zahlreiche seiner Bilder veröffentlich worden sind.

Ein kultureller Mittelpunkt des Ötztales ist der Ötztaler Gedächtnisspeicher. Wie der Name schon sagt ist es eine Art Gedächtnis des Ötztales, in dem das geistige und kulturelle Erbe des Tales gesammelt und aufbewahrt wird.

Das Turmmuseum in Ötz ist in den vergangenen Jahren zu einem Anlaufpunkt verschiedener kultureller Aktivitäten im Ötztal geworden. Allein schon die Sammlung des Begründers des Museums, Hans Jäger, aber auch das Interieur des sanierten Gebäudes ist es Wert, besichtigt zu werden.