Die Kunststraße Imst: Ein Genuss für Augen und Ohren

Zu meiner Schande muss ich gestehen: ich hatte mir die Kunststraße Imst noch nie so richtig zu Gemüte geführt. Ein Versäumnis, das ich kürzlich korrigiert habe. Und so verschaffte ich mir bei einem Spaziergang durch die Bezirksstadt eine Art Überblick über das Schaffen vor allem Tiroler Künstlerinnen und Künstler.

Ich kann mich leider nicht zu den Kunstkennern bzw. Kunstsammlern zählen. Zu ‚einfach‘ ist mein Kunstgeschmack. Wie beim Wein gilt für mich auch bei der Kunst der Grundsatz: es muss schmecken und gefallen. Ob die Künstler_in nun berühmt ist oder nicht. Das ist für mich zweitrangig.

Die Idee dieser Kunststraße geht heuer ins 17. Jahr. Und offenbar ist es bei diesem Projekt wie beim Wein: je älter desto besser. Jedenfalls haben die Promotoren dieser vorweihnachtlichen Kunstausstellung, Florentine Prantl vom Verein Pro Vita Alpina und Clemens Perktold gemeinsam mit Dr. Barbara Thaler und Jessie Pitt für meinen Geschmack hervorragende Arbeit geleistet.

Das Team der Kunststraße v.l.n.r.: StR. Christoph Stillebacher, Kulturreferent; Jessie Pittl, Künstlerin, Pro Vita Alpina; Dr. Barbara Thaler, Kunsthistorikerin; Florentine Prantl, GF Pro Vita Alpina; Clemens Perktold, Obmann Freiraum Imst; Andrea Schaller, Kulturbüro der Stadt Imst.

Interessant für mich ist auch eine andere Tatsache: seit Jahren hatte es mich interessiert, wie es innerhalb der Mauern des Kapuzinerklosters ausschaut. Die Tatsache, dass einige Räume des Klosters nun für die Kunststraße Imst zur Vergügung stehen hat also einen feinen Nebeneffekt, gleichzeitig auch das Kloster kennen zu lernen.

Und da wär ich schon bei einem Künstler, der im Kloster ausstellt und der mich fasziniert: Martin Hörtnagl. Der Innsbrucker Maler und Landartkünstler erschreckt die Besucher seiner Ausstellung mit dem Thema „Fleischeslust“. Seine Bilder sind ein stummer Schrei geschundenen Kreatur, die für uns Menschen zum anonymen Konsumgut geworden ist. Im selben Gebäude ist auch das Objekt des Preisträgers der Kunststraße 2018 zu bewundern: LOOP, ein magisches Kunsterlebnis des Objektkünstlers David Meisinger.

Eine einfache Kunstinstallation gewährt ein magisches Kunsterlebnis. Dafür erhielt David Meisinger den heurigen Kunststraßen Preis. Hier ein Video dieser Installation: https://vimeo.com/230931400

Meine nächste Station führte mich in das Erdgeschoss des Imster Rathauses, wo vier Tiroler Künstler_innen ausstellen. Eine Gemeinschaftsausstellung, die es in sich hat und die ich ganz persönlich zu einem der Höhepunkte der Kunststraße 2018 zähle. Wolfgang Rieder, Johannes Biber und Christine Schneider präsentieren ihre Werke, die ich unter dem Titel „Alpen-Landschaften“ zusammenfassen würde. Es sind eigentlich Stimmungsbilder, Momentaufnahmen, die auf mich wie Traumbilder wirken. Es scheint, als würden die Künstler_innen eine heile alpine Umwelt beschwören. Für mich fangen sie jedoch die letzten, verbliebenen Schönheiten der Alpen abseits der Touristenmassen ein.

Skulpturen von Helga Eiter. Sie lebt und arbeitet in Karrösten. Bild: Jessie Pitt
Johannes Biber: Hoanzn. Biber lebt und arbeitet in Reutte.
Christine Schneider im Rathaus: „Schwarz und Weiß“. Schneider lebt und arbeitet in Reutte.
Wolfgang Rieder, Sonnenspitze.

Die plastischen Arbeiten von Helga Eiter sind eine feine Ergänzung der Malereien in diesem Raum. Ihre ‚Liegende‘ erschien mir wie eine der sagenhaften ‚Saligen Fräulein‘, deren Anwesenheit in früheren Zeiten als göttliches Zeichen gegolten hat. Und deren Abwesenheit zu Tod und Verderben führte.

Liegende. Skulptur von Helga Eiter.

Im Imst stellen auch zwei Künstlerinnen aus, deren Werke ich sehr schätze: Jenny Zoller und Jessie Pitt. Die gemalten Traumwelten von Jenny Zoller sprechen mit farblich und von der Bildkomposition sehr an. Sie stellt ihre Werke im Pflegezentrum Gurtltal vor.

Jenny Zoller vor einem ihrer Bilder im Pflegezentrum Gurgltal.
Eines der expressiven Bilder von Jenny Zoller.

Ganz anders Jessie Pitt, deren nahezu hyperrealistische Berg-Porträts mit Holzkohle, Graphit oder Tinte auf Leinwand für mich einzigartig sind. Es ist, als ob man in das Innere der Berge schaut, deren Seele erkennbar wird. Jessie stellt im Kunstkonsum aus.

Dieser ‚Kunstkonsum‚ in der Pfarrgasse ist für viele Besucher besonders spannend und interessant. Hier werden Kunsthandwerk, Fotografie, Mineralien und Grafik präsentiert. Und, das Wort Konsum deutet es schon an, hier darf Kunst auch konsumiert werden. Für künstlerische Geschenke ist der Kunstkosum jedenfalls ein heißer Tipp.

Quasi als ‚Bonus‘ führte ich mir dann noch einen Auftritt der Ötztaler Combo ‚Tyroll‚ zu Gemüte, deren Fan ich seit langem schon bin. Die Mannen um Marlon Prantl singen einerseits im Ötztaler Dialekt und bieten andererseits Weltmusik. Und in Imst traten sie im Rahmenprogramm der Kunststraße auf.

Tyroll mit Lead-Sänger Marlon Prantl.

Meine Tipps:

Die letzte Möglichkeit, die Galerien der Kunststraße zu besuchen besteht am 16. Dezember 2018 von 14 – 19 Uhr. Nähere Informationen:  https://kunststrasse.at/ und vor allem auf Facebook: https://www.facebook.com/events/488268974921699/