Ein Museum für Gotik-Fans: Das Augustinermuseum in Rattenberg

Rattenberg ist für mich immer einen Besuch wert. Ich liebe die mittelalterliche Stimmung in den engen Gassen, die wunderschönen Renaissance-Häuser, die gotischen Erker. Und seit kurzem auch ein Museum, das man so in einer Kleinstadt à la Rattenberg kaum erwartet: das Augustinermuseum.

Es dürfte meiner p.t. Leserschaft nicht entgangen sein, dass ich für die Tiroler Gotik schwärme. Für mich verkörpert sie vor allem jene Architektur, die perfekt in die landschaftliche Szenerie unseres Landes passt. Mit den Spitzbögen, hoch aufragenden und spitz zulaufenden Kirchtürmen, lieblichen Erkern und vor allem der farbenprächtigen Malerei. Kürzlich habe ich das Augustinermuseum in Rattenberg entdeckt, das für mich wie eine Zeitreise in die Gotik des 14. und 15. Jahrhunderts ist.

Typische Häuser in Rattenberg aus der Zeit der Renaissance.
Der Eingangsbereich des Augustinermuseums in Rattenberg.
Der originale gotische Kreuzgang im Augustinermuseum.

Ein gotischer Kreuzgang als Attraktion

Allein schon der Kreuzgang des einstigen Klosters ist es wert, das Museum zu besuchen. Feinste gotische Deckenmalereien mit Blumenornamenten zieren das einstige Zentrum klösterlichen Lebens. Was mich aber besonders beeindruckt sind die vielen wunderschönen gotischen Holzskulpturen, die im Kreuzgang präsentiert werden.

„Wir haben in diesem Museum sicher eine einzigartige Sammlung gotischer Skulpturenkunst“, meint denn auch Dr. Petra Streng. Die Volkskundlerin ist seit April 2018 Leiterin des Museums und führt eine Besuchergruppe durch das Museum. Wie die Sammlung zustande gekommen ist? „Die Figuren stammen aus Kirchen der Region“, erklärt Streng. „Sie werden uns von den Pfarreien gerne überlassen, denn es ist sehr aufwändig, sie in den Kirchen mit Alarmanlagen zu schützen.“

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Was mich aber wirklich von dieser Sammlung überzeugt: Viele der Figuren werden im Laufe des Kirchenjahres kurzfristig wieder an ihren originalen Ort gebracht und dort für religiöse Zeremonien verwendet. „Nicht nur die Figuren“, sagt Petra Streng. „Auch andere zeremoniellen Gegenstände sind zwar hier ausgestellt, werden aber von den Pfarreien je nach Bedarf verwendet.“ In meinen Augen ein perfektes Konzept. Quasi ein ‚lebendes Museum‘.

Der Grabstein der Stifterfamilie des Augustinerklosters in Rattenberg. Bild: Augustinermuseum

Lustig auch, weshalb es überhaupt ein Augustinerstift in Rattenberg gegeben hat, obwohl die Stadt im Mittelalter quasi im Geld geschwommen ist. Die Inn-Flösserei war Goldes wert. Dass die seelsogerische Versorgung aber mit der wirtschaftlichen Entwicklung nicht Schritt hielt, fiel Ende des 14. Jahrhunderts dem Pfandinhaber von Rattenberg, Johann Kummersbrucker ungut auf. Er stiftete kurzerhand ein Kloster, dessen Mönche sich der geistlichen Betreuung von Einheimischen und Besuchern zu widmen hatten.

Die Rettung des Baujuwels in letzter Sekunde

Dass das Klosterensemble kurz vor dem völligen Verfall gerettet wurde, gehört zu den kleinen Wundern in Tirol. Nach vielem Auf und Ab im Mittelalter und dem Niedergang des klösterlichen Lebens, das 1971 mit dessen Auflassung endete schien das Ensemble dem Untergang geweiht. Die Gründung des Augustiner Museums geht auf das Jahr 1979 zurück, als die Aktion „Rettet die Rattenberger Kirchen“ zu einer Rückbesinnung auf die Geschichte der Stadt aufrief. 1989 erfolgte die Gründung des Museums.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Von Beginn an sah das Museum eine der Hauptaufgaben darin, vergessenes Kultur- und Kunstgut wieder zu entdecken. Oft führte es auf Kirchen- und Widum-Dachböden ein dornröschenartiges Dasein. Und so entstand eine museale Sammlung, die es so nur noch in großen Museen gibt. Wobei die dem Augustinermuseum als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellten Exponate immer im Besitz der jeweiligen Eigentümer verbleiben.

Neben dem wunderbaren Kreuzgang sind auch noch die Klosterkirche, Hofer-Kapelle, Ecce-Homo-Kapelle und der alte gotische Kirchturm sehenswert. Vom Turm der Kirche, dessen interessantes gotisches Innenleben, eine uralte Turmuhr und die Glocken sehenswert sind, überblickt man Rattenberg, den Inn und die umliegenden Gemeinden.

Dr. Petra Streng, Kustodin des Museums lässt es sich nicht nehmen, wann immer es möglich ist, Besucher persönlich durch das Museum zu führen.

Besonders attraktiv ist das Angebot des Museums für Führungen. Vor allem deshalb, weil die Chefin Dr. Petra Streng – sofern es ihre Zeit zulässt – Besuchergruppen selbst durch das Museum führt. Ihre fachliche Expertise macht die Führungen zu einem Erlebnis, das sich Kunstfreund_innen nicht entgehen lassen sollten. Es ist wichtig zu erwähnen: Führungen mit Dr. Streng können auch außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten nach Vereinbarung abgehalten werden.

Mit den Kreuzgangkonzerten hat das Augustinermuseum überdies seit Jahren ein einzigartiges Angebot etabliert, das einer Stadt wie Rattenberg würdig ist. Und von Musikliebhaber_innen sehr gut angenommen wird.

Weitere Informationen zu Ausstellungen und Konzerten gibt’s auf der Website des Museums: www.augustinermuseum.at

Mein Tipp: Sonderausstellung Krippen

Das ‚Fatschenkindl‘ war ein Vorgänger der heutigen Weihnachtskrippe.

Derzeit findet eine Sonderausstellung im Augustinermuseum Rattenberg statt. Sie gibt einen kleinen Einblick in die Krippentraditionen: Mit Krippen vom Krippenverband Radfeld-Kramsach-Rattenberg sowie Objekten aus dem Tiroler Volkskunstmuseum bzw. dem Augustinermuseum.

Öffnungszeiten: 8./9., 15./16. Dezember 2018, jeweils 14 bis 17 Uhr

Nähere Informationen: +43 (0)664 / 254 7337

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.