Die Rätsel des ‚b’schriebenen Stoa‘ sind teilweise gelöst

Neuesten Untersuchungen am b’schriebenen Stein im Viggartal haben Überraschendes zutage gefördert. Ein Bericht von unserer ‚Mini-Expedition‘.

b'schriebener Stein, Viggartal
Der b’schriebene Stein im Inneren Viggartal auf einem Bild von Danijel Jovanovic

Ein zehn Meter hoher Felsbrocken, der im Inneren Viggartal zum Himmel ragt, war für Menschen immer schon ein Anziehungspunkt. Deshalb ranken sich auch Legenden sich um den ‚b’schriebenen Stein‘. Eines seiner Geheimnisse wurde nun gelüftet: Der Stein dürfte Teil eines prähistorischen Orientierungssystems gewesen sein. Während die eingeritzten Zeichen, die dem Stein den Namen geben, mit großer Wahrscheinlichkeit jüngeren Datums sind. Sie bleiben zum Großteil noch mysteriös und rätselhaft.

b'schriebener Stein Viggartal
Die Größenverhältnisse ins Bild gerückt: Ich beginne grad mit dem Frottieren des 10 m hohen Monolithen. Bild: Danijel Jovanovic

Vor einigen Jahren lernte ich Thomas Walli bei einer Exkursion in Seefeld kennen. Der pensionierte Innsbrucker Geschäftsmann widmet sich seit Jahren einem Hobby, das mich sehr fasziniert: er erforscht ein prähistorisches Navigationssystem das er „das Raetiastein GPS“ nennt. Grund genug, mit ihm gemeinsam den riesigen Monolithen im Viggartal zu besuchen und zu ‚vermessen‘. Vielleicht war (oder ist immer noch?) der gigantische Felsbrocken ja auch ein Teil dieses Systems.

b'schriebener stein viggartal
Thomas Walli beim Erforschen des b’schriebenen Steins. Das Ergebnis: Es ist ein ‚Adernstern‘.

Der b’schriebene Stein ist für mich aus mehreren Gründen mysteriös. Einerseits sollen in ihm uralte Einritzungen, also Felszeichnungen (von Fachleuten Petroglyphen genannt) vorhanden sein, von denen man nur noch wenige mit ‚freiem Auge‘ sieht. Andere Quellen sprechen von einem vorgeschichtlichen Kultplatz der auch Kalenderfunktion gehabt habe. Gesichert dürfte sein, dass Menschen der Mittleren Steinzeit, also vor etwa 6.000 -8.000 Jahren, das Tal erkundeten. Silex-Abschläge, gefunden im Bereich der Blauen Seen, sind ein Beweis dafür. Thomas und ich wollten also der Sache auf den Grund gehen und den Stein samt seiner Umgebung erkunden. Danijel Jovanovic, einer der besten Tiroler Landschaftsfotografen, schloß sich uns an. 

b'schriebener Stein Viggartal
Eine zufällig anwesende Kindergruppe interessierte sich lebhaft für unsere Forschungen. Und entdeckte neue Zeichen.

Wir haben unsere kleine Expedition in das nahezu unberührte Tal südlich des Patscherkofels sorgsam vorbereitet. Ich kaufte Seiden- und Schreibmaschinen-Durchschlagspapier samt Krepp-Klebebänder und überlegte, ob wir eine Leiter auf 2.200 m Seehöhe schleppen müssen. (Denn ich wollte nach Felszeichen im oberen Bereich des b’schriebeen Steines Ausschau halten.) Das waren quasi die Voraussetzungen dafür, Steinzeichnungen erkennen zu können, wie ich weiter unten schildern werde. Ob wir eine Leiter brauchten sollte sich herausstellen, eine solche war jedenfalls im Meissnerhaus vorhanden. Das überaus nobel eingerichtete Haus – es besitzt übrigens zwei Meissner-Porzellan-Kachelöfen – wurde für zwei Tage zu unserem Basislager. Danijel Jovanovic brachte seine Flugdrohne mit um neben dem b’schriebenen Stein auch noch die rund 250 m höher gelegenen ‚Blauen Seen‘ aus der Vogelperspektive filmen zu können.

Schalensteine am Hochleger

Beim Aufstieg ins Innere Viggartal passiert man den ‚Hochleger‘, eine Hochalm rund eine Gehstunde unterhalb des b’schriebenen Steins. Hier gibt es zahlreiche ‚Schalensteine‘. Das sind Steine, in deren Oberfläche sich von Menschen geformte halbkugelförmige Vertiefungen befinden. Solche bearbeiteten Steine finden sich auf uralten Kultplätzen genauso wie in einstigen Bergbaugebieten. Aber auch auf hoch gelegenen Almen findet man Schalenstein. Wer mehr über diese mysteriösen Steine wissen will kann sich HIER informieren. 

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Die Felszeichnungen im b’schriebenen Stein

Ein Felszeichen erscheint in Weiß.

Kaum angekommen, befestigte ich über den Steinzeichnungen das Seidenpapier mit Hilfe eines  Krepp-Klebebandes. Und beginne mit dem ‚Frottieren‘ jener Stein-Oberflächen, auf denen Einritzungen sichtbar waren oder ich solche vermutete. Frottieren deshalb, weil man die  Papier-Oberfläche mit einem Kopierpapier abreibt, also frottiert. Die tiefer gelegenen Steinzeichnungen bleiben weiß, die Umgebung wird eingefärbt. Und so konnte ich die Zeichen erkennen, die ich dann mit Holzkohle sichtbar machte. Eine Zusammenstellung der von mir sichtbar gemachten Felszeichnungen seht ihr hier:

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Der Bericht von Thomas Walli

In seinem Buch „Das Raetiastein GPS“ behandelt Walli ausführlich ein weltweit verbundenes Strahlennetz, das von unterirdischen Steinsetzungen, den sogenannten ‚Raetia-Steinen‘ ausgeht. Diese unter hohem Druck und Hitze entstandenen Steine generieren eine starke, mit einem Handpendel messbare Strahlung. Walli hat mehrere hundert Steinkreise in ganz Europa untersucht und kann ein dichtes Netzwerk nachweisen.

Diese Adernnetze dienten vor allem als Navigationsnetzwerk um z.B. bei Schlechtwetter, Nebel und Schneefall über einen Pass zu einem sicheren Unterstand zu kommen oder über das Meer sicher von A nach B zu navigieren. Er selbst hat das Funktionieren dieses Peilsystems auf mehr als 120.000 Seemeilen bewiesen, die er auf seiner Segeljacht zurückgelegt hat.

Der b’schriebene Stein ist ein Adernstern

Schon beim Aufstieg ins Innere Viggartal konnte Thomas Walli eine Adernbahn muten. Bevor man das Plateau erreicht, aus dem der b’schriebene Stein emporragt, steht links oberhalb des Weges ein kleiner Menhir, ein sogenannter ‚Nordstein‘.

Thomas Walli mutete mit einem 8,3 cm langen Kristallpendel.

„Nach der Umrundung des b’schriebenen Steines konnte ich gleich einen 12-adrigen Strahlenkreis ausmachen und zwei ‚Raetiasteine‚. welche offen in der Fundamentvertiefung lagen, finden.

Der Südstrahl läuft dem nahe dem Kreuzjöchl stehenden Menhir zu und zeigt sei einen sicheren Übergang in das Arz(Erz)tal, der Nord-Ost auslaufende Strahl zeigt Richtung Himmelreich/Kolsass, der West-Nord-West-Strahl zeigt auswärts nach Ellbögen.

Thomas Walli
Die ‚Vermessungszeichnung‘ von Thomas Walli.

Die Strahlungsstärke der Anlage ist eher schwach (3-4 auf einer 10-teiligen Skala). Es ist anzunehmen, dass die in einer Tiefe von ca. 30-40 cm verlegten Raetiasteinadern im Laufe der Jahrtausende zerstört bzw. unterbrochen worden sind. Dies kann durch Witterungseinflüsse, Tiere oder Mensch geschehen. Das Pulsieren megalithischer Anlagen (16 sec. einlaufend – 10 sec. Pause – 16 sec. auslaufend) konnte hier allerdings nicht festgestellt werden.“

Die Ergebnisse der Petroglyphensuche

Ganz offensichtlich haben wir zwei Jahreszahlen entdeckt: 1509 und 1570 (oder 1577). Ich bin mir sicher, dass die Zeichen so interpretiert werden können. Weshalb ausgerechnet diese beiden Jahreszahlen? Keine Ahnung. Aber vielleicht wissen meine Leser mehr. 1509 käme am ehesten als Erinnerung an Kaiser Maximilian in Frage. In früheren Beschreibungen wird behauptet, der Stein trage die Einritzung „Maximilian 1489“. Entweder war das eine gute Erfindung oder aber die Einritzung ist inzwischen ausgewaschen. Dass Maximilian hier war beweist ein trassierter Weg, dessen Überreste kurz vor dem Hochleger noch in gutem Zustand sind. (Siehe Bild oben). Der Bau solcher Wege wurde, so der Tiroler Geologe und Bergwerksfachmann Peter Gstrein, von Maximilian angeordnet, damit dieser seine Jagdgründe zu Pferd erreichen konnte. 

Kreuze in allen Schattierungen

Überraschend war die Vielzahl der eingeritzten Kreuze in Wahrheit nicht. Wenn man bedenkt, dass die Menschen des Mittelalters vor nichts mehr Angst hatten, als in die Hölle zu kommen ist’s verständlich. Zudem nehme ich an, dass hier schon im Mittelalter Tiere weideten, deren Hirten viel Zeit und Muße hatten, Zeichen in den Fels zu kratzen.

Doppelkreuze

Sehr interessant sind die Doppelkreuze, die auch als byzantinische Kreuze bekannt sind. Diese Doppelkreuze sind auf zahlreichen Tiroler Almen zu sehen.

Deutung der Zeichen

Eine Deutung der Zeichen ist sehr schwer. Einerseits, weil viele von ihnen teils stark verwittert sind. Andererseits, weil ich viele dieser Zeichen in der vergleichenden Literatur (zum Beispiel bei Urs Schwegler, Felsbilder in den Alpen)  nicht gefunden habe. Hier ergeht mein Appell an die p.t. Leserschaft: wer sich in der Lage fühlt, die Zeichen zu deuten, möge dies bitte in den Kommentarspalten unterhalb dieses Blog-Beitrages tun.

Abschließend möchte ich jene Leser_innen bitten, die zur Enträtselung der Zeichen beitragen können, dies entweder als Kommentar unterhalb dieses Beitrages zu tun oder aber mir ein mail zu schicken: tirolischtoll@gmail.com.

Meine Tipps

Das im Eigenverlag erschienene Buch von Thomas Walli, „Das Raetiastein GPS“ gehört für mich zu den interessantesten Veröffentlichungen zur Vorgeschichte. Prädikat: absolut lesenswert.

 

 

 

Unbestritten bleibt, dass das Innere Viggartal bereits in der Mittleren Steinzeit, also vor etwa 6-8000 Jahren von Jägern aufgesucht worden ist. Silex-Abschläge unter einem sogenannten ‚Hohlen Stein‘ im Bereich der Blauen Seen beweisen dies. Mehr ist dem höchst interessanten Buch „Im Reich des Paterscherkofel“ von Michael Unterwurzacher zu entnehmen.  

 

 

Ein Gedanke zu “Die Rätsel des ‚b’schriebenen Stoa‘ sind teilweise gelöst

  1. Wooh, des kannst Du einfach, gratuliere und DANK ! habe den NO Strahl, der stärkste übrigens, nachgemessen. Er geht unter der Vikaspitz durch direkt nach Himmelreich/ Volders aber weiter genau 14,5 km vom Stoan weg auf das gegenüberliegende Innplateau! Da sollten wir mal baldigst Nachschau halten. Also Karte linie stoan,Himmelreich und rüber über den Inn. Dann hätte ich noch einen Vorschlag, es gibt das grtis Programm http://www.stellarium.com mit welche fast alle Meghalitastrofuzzis arbeiten. Mein Rechner ist zu alt, also bitte lade das mal herunter und hol dir den Sternenhimmel soweit zurück wie es das Programm zuläßt, angeblich bis 10.000 BC. Interessant wäre ob die Venus ( oder war es der Merkur) am 20-23.6 damals von dort aus sichtbar war sonnenwinkel

    Dann bis zum Treffen LG

    >

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