Grins, das schönste Dorf Tirols

Eine unvorstellbare Katastrophe erwies sich auch als ‚Segen‘: Nach einem gigantischen Dorfbrand wurde Grins kurz nach dem 2. Weltkrieg wieder ‚originalgetreu‘ aufgebaut. Und es sind die im rätoromanischen Stil gebauten Häuser, Türen samt den zugehörigen Bemalungen, die Grins heute so liebreizend machen. Diesen Text habe ich übrigens meinem Buch „50 Dinge, die ein Tiroler getan haben muss“ entnommen.

Das muss man sich einmal vorstellen: Der Zweite Weltkrieg mit all seinen Zerstörungen war gerade vorbei, als das Dörfchen Grins an der Arlbergstrecke von einer unfassbaren Katastrophe heimgesucht wurde. Der Ort brannte vom 26. auf den 27. November 1945 bis auf die Grundmauern nieder. Nicht nur einige Häuser, nein der ganze Ort wurde mit wenigen Ausnahmen – wie die berühmten „Römerbrücke“ – vernichtet.

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Innerhalb weniger Jahre schafften es die Grinner damals (nein, die Einwohner des Ortes werden nicht ‚Grinser‘ genannt!), ihr Dorf wieder aufzubauen. In weiten Teilen genauso, wie es vor dem Brand ausgesehen hatte. Was sich heute als wahrer Segen erweist. Denn sie konservierten mit dem originalgetreuen Wiederaufbau sozusagen das ursprüngliche Aussehen ihres im rätoromanischen Stil erbauten Dorfes. Deshalb gilt Grins heute mit Fug und Recht als einer der schönsten Orte Tirols.

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Selbst vielen Tirolern ist Grins kaum ein Begriff. Es liegt auf einem Sonnenplateau westlich von Landeck, etwa 150 Höhenmeter über dem Stanzertal. Bekannt ist der Ort durch die Zwetschken, die Grins und den Nachbarort Stanz berühmt gemacht haben. Und zwar in Form von Zwetschkenbrand. Was Besucher heute noch auf den ersten Blick bemerken: das Dorf musste einst reich gewesen sein. Solide Häuser mit teils prunkvollen Türbögen im gotischen Spitzbogenstil.

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Grins verfügte denn auch im Mittelalter über zwei sprudelnde Einnahmequellen: es lag an der Arlbergstrecke und verfügte über eine Heilquelle. Und die wurde von Tirols berühmter Gräfin Margarethe Maultasch vor 650 Jahren schon werbewirksam als „Jungbrunnen“ bezeichnet.

Blick von Grins ins Tal.
Der Jakobsweg führt auf der uralten Arlbergstraße natürlich ebenfalls durch Grins.

Der Aufstieg von Grins ist überhaupt mit dem Namen dieser Gräfin verbunden. Sie verkaufte 1363 die Herrschaft Tirol an die Habsburger. Wodurch die Verkehrsverbindung zu den Habsburgischen Vorlanden – so wurde Vorarlberg damals bezeichnet – an Bedeutung gewann. Über Nacht wurde aus einer rein bäuerlichen Gemeinde eine Wegstation, die nun prominent auf der politischen Landkarte Tirols aufschien. Zumindest so lange, bis im 19. Jahrhundert die neue Talstraße und die Eisenbahn errichtet wurden.

Die Tatsache, dass oberhalb von Grins auf 1.200 m Seehöhe eine Heilquelle entspringt, machte Grins im Mittelalter zu einer bekannten und beliebten Kurstation. Margarethe Maultasch lebte teilweise hier und ritt täglich auf dem Pferd zur Quelle.

Ein Fresko des berühmten Tiroler Malers Max Weiler zeigt Margarethe Maultasch, die Grins schon im 14. Jahrhundert für sich entdeckte.

Wie wertvoll die Grinner Mineralquelle tatsächlich ist, zeigen Studien und Untersuchungen. Das Heilwasser, es handelt sich um Magnesium-Kalzium-Sulfatwasser, hat seit 2007 auch den Status als Thermalwasser. Es sprudelt übrigens auch aus dem Brunnen vor dem Gemeindeamt und kann von jedermann abgefüllt werden. Als Trinkkur wirkt das Wasser nämlich gegen Darmträgheit, Magenbeschwerden und Weichteilrheumatismus.

Aus einem Brunnen im Dorfzentrum rinnt das wertvolle Mineral-, Heil- und Thermalwasser.

Zudem kommt eine brandneue, wissenschaftliche Untersuchung der Salzburger Paracelsus-Universität zum Schluss, dass Badekuren im Grinner Wasser zur nachhaltigen Verminderung von Rückenschmerzen führen. Die positiven Auswirkungen auf den Bewegungsapparat werden mit leichten Bergwanderungen zusätzlich gefördert. Aber nicht nur das. Auch Hauterkrankungen können mit mit Badekuren signifikant gelindert werden.

Eine öffentlich zugängliche Wassertrete im Albenbadbereich.

Das waren auch Gründe, die die Gemeinde Grins bewog, einen ersten konkreten Schritt in Richtung Gesundheitstourismus zu setzen. Das „Albenbad“ wurde zum Zwecke der Abwicklung der klinischen Studie beim Schwimmbad errichtet – an einem wunderschönen Platz mit prächtigem Ausblick, aber begrenzter Kapazität. Der Erfolg bei den Gästen des Ortes macht optimistisch. Vielleicht kann Grins wieder an seine großen Zeiten im Mittelalter anschließen. Es wäre zu hoffen.

Klein aber oho: das Albenbad, in dem Anwendungen des Heilwassers verabreicht werden.

Informationen

In meinem Buch „50 Dinge, die ein Tiroler getan haben muss“stelle ich 50 Dinge vor, die es wert sind, kennen zu lernen. Allen voran natürlich Grins. In allen guten Buchhandlungen Tirols erhältlich. Bitte nicht beim Gierkonzern AMAZON bestellen sondern wenn schon, dann direkt beim Styria-Verlag.

Anreise nach Grins: Entweder mit dem Auto oder mit dem VVT-Bus Nr. 4242 oder 4244 vom Bahnhof in Landeck bis zur Ortsmitte von Grins.

Bademöglichkeit: Das Albenbad ist eine gute Möglichkeit, die Heilwirkung des Grinner Wassers am eigenen Leib in Erfahrung zu bringen. Anmeldungen bei der Gemeinde Grins unter der Telefonnummer 0676-846 909 643.

Das Wildbad oberhalb der Gemeinde ist aufgrund eines Murenabganges nicht erreichbar. Informationen über den Fortgang der Wiederaufbauarbeiten erhalten Sie beim Gemeindeamt Grins während den Amtszeiten von 08 bis 12 Uhr (Tel. Nr.: 05442-62055).

Website: http://www.albenbad.at/