Die Milchbuben aus Penningdörfl

Hoch über Hopfgarten sind zwei „Milchbuben“ drauf und dran, die Käsewelt aufzurollen und ihren Wohnort Penningdörfl in die Käse-Gourmetlandkarten einzutragen. Die BIO-Camembert-Kreationen der  Senkrechtstarter aus dem Tiroler Unterland gehören bereits jetzt zu jenen außergewöhnlichen Geschmackserlebnissen, die man sich keinesfalls  entgehen lassen darf.

Ich hatte mich kürzlich doch einigermaßen gewundert, beim Käsehändler meines Vertrauens, also bei Stefan Kranebitter in der Innsbrucker Markthalle, einen ungewöhnlich verpackten Käse zu entdecken. ‚Milchbuben‘ und ‚Camembert‘ stand auf einer eher nüchtern gestalteten Papier-Box. Und im Großdruck eine Zahl. „Ist der Camembert BIO?“ wollte ich von Stefan wissen. „Logo“ war die Antwort. Also gut: ich kaufte mir Käse Nr. 4, den Camembert mit Chili.

Milchbuben Penningdörfl
Die Milchbuben-Camemberts haben alle eine Nummer. @Milchbuben

Was mich dann zuhause erwartete war dann ein höchst überraschendes, ja wunderbares Geschmackserlebnis. Ein pikanter Käse der im Mund zart zerfließt und dessen feiner Gout nachdrücklich belegt, dass er aus allerbester Milch geschöpft worden ist. Man fühlt aber auch, dass die Chilis wesentlich schärfer sein könnten. Wenn die Milchbuben es denn wollten. So aber wird die Nr. 4 zu einem Gaumenfest mit würzig-scharfen Anklängen. Mein Entschluss stand sofort fest: ich musste die Hofkäserei dieser ‚Milchbuben‘ in Penningdörfl bei Hopfgarten i.T. persönlich kennen lernen.

Penningdörfl? Ein neuer Ort auf der Gourmet-Landkarte

Die Gegend um Hopfgarten war bisher aus unerklärlichen Gründen noch nie auf meinem ‚Wander-Radar‘. Das motivierte mich zusätzlich, die auf ihrem Bergbauernhof werkenden Milchbuben zu Fuß, also als Wanderer, zu besuchen. Vom Bahnhof in Hopfgarten bis zum uralten und  wunderschönen Erbhof ‚Rehaber’ der Buben waren es eh nur fünf Kilometer. Allerdings mit einem Höhenunterschied von knapp 200 m. Nach gut einer Stunde erholsamer, höchst empfehlenswerter Wanderung entlang eines kühlen, plätschernden Bächleins und vorbei an uralten Bauernhöfen erreichte ich Penningdörfl, einen Weiler wie aus einem Tourismusprospekt. Von hier aus hat man eine grandiose Rundsicht vom Wilden Kaiser über das Kitzbüheler Horn bis zum Hahnenkamm. Man hält es kaum für möglich, welche landschaftlichen Schönheiten Tirol für jene bereit hält, die bereit sind, Schönheit zu erkennen.

Der Wanderweg von Hopfgarten nach Penningdörfl ist teils sogar wildromantisch.
Der grandiose Ausblick vom Wanderweg nach Penningdörfl auf das Kitzbüheler Horn.

Der Kuhstall als ‚Personalwohnung‘

Mich hatten die Milchbuben kulinarisch bereits überrascht. Und nun überraschte mich auch noch ihr Bauernhof, der seit 1654 im Besitz ihrer Familie ist. Es ist nicht allein dessen Architektur, die mich so anspricht. Mir hat es die ‚Personal‘-Wohnung angetan, wie es Thomas Ehammer so schön ausdrückt: der Freilaufstall (oder sollte ich sagen die Freilaufstube?) der insgesamt 15 Milchkühe. Die haben Platz zuhauf und schlendern grad durch die Gegend. Natürlich steht die große offene Stalltüre stets offen und das frische Gras auf der Weide hinter dem Hof wartet darauf, von den Fleckvieh-Kühen gefressen zu werden. Die Aussicht der Tiere aus ihrer ‚Personalwohnung‘ macht jeden Hotelier in Kitzbühel neidisch. Denn die Tiere blicken – sofern sie es denn wollen – panoramamäßig direkt auf’s Kitzbüheler Horn und die grandiosen Berge der Hohen Tauern.

Die beiden ‚Milchbuben‘ in der Eingangstür zu ihrem Erbhof in Penningdörfl…
…und die ‚Personalwohnung‘ am Rehaber-Hof mit dem Panoramablick.

Zwei Brüder im Gleichklang

„Wir haben erst am 8. Oktober 2017 mit der Erzeugung unserer Camemberts für den Verkauf begonnen“, will Markus Ehammer mein Kompliment für die Qualität des Käses im Gespräch irgendwie relativieren. Und überhaupt: sie hätten einen Dreijahresplan erstellt, den sie nun abzuarbeiten hätten, ergänzt sein Bruder Thomas. „Wir sind noch nicht einmal bei 50 % unserer Ziele.“ Und auch die Planung des Käseprojektes liege noch nicht so weit zurück: Erst 2014 einigten sich die Brüder auf eine gemeinsame Zukunft mit Käse der höchsten Qualitätsklassse.

Rehaberhof Penningdörfl
Der ‚Rehaber-Hof‘ ist in kürzester Zeit schon zu einem Begriff für Gourmets geworden.

Irgendwie wird man das Gefühl beim Gespräch mit den beiden nicht los, dass sie sich wie eineiige Zwillinge ergänzen. Nicht nur bei den Antworten, auch wenn sie davon erzählen, wie sie zu den ‚Milchbuben‘ geworden sind.

Zuerst musste der Hof auf BIO umgestellt werden

Da war zuerst einmal der Markus. Er sollte eigentlich den Erbhof übernehmen und besuchte quasi zwangsläufig die landwirtschaftliche Fachschule. Aber das Käsemachen reizte ihn mehr als die Arbeit in Stall und Feld. Er wurde zum Käsemeister und arbeitete einige Jahre in der Käseindustrie. Offenbar mit großem Erfolg, denn er erhielt Top-Jobangebote, die ihm ein sorgenfreies Leben ermöglicht hätten. Da Bruder Thomas eine Tischlerausbildung hinter sich hatte und den 15 ha großen Hof „sicher nicht übernehmen wollte“ (Thomas Ehammer), reifte im Käsemeister Markus ein Plan: den Hof übernehmen, auf BIO-Produktion umstellen  und die Milch selbst zu Käse verarbeiten. Weichkäse natürlich, denn mit den geringen Milchmengen des Hofes wäre alles andere unrentabel. Vorher wollte er aber seinen Bruder überzeugen, mitzumachen. „Denn ohne den wär’s sicher nicht gegangen“, gesteht Markus. Aber er rannte bei Thomas offene Türen ein. Der musste erst gar nicht überzeugt werden und war sogleich Feuer und Flamme.

Ein Tiroler Bauernhof besitzt auch immer ein wunderschönes Bauerngartl.

Bevor es jedoch innerhalb der Familie besiegelt worden war, dass Markus den Hof übernimmt musste noch eine Forderung erfüllt werden: der Hof soll auf Bio umgestellt werden. Das war die Grundbedingung des künftigen ‚Rehaber-Bauern‘. Was seinem Vater ursprünglich doch einigermaßen Kopfzerbrechen bereitete, wie die beiden lachend zugeben. Aber das flaute mehr und mehr ab. Denn er Erfolg seiner Milchbuben spricht für sich.

Dann begannen sie, neben ihrem Beruf erste Versuche mit der Camembertproduktion zu starten. Parallel dazu fiel die Entscheidung über die Größe der „Milchbuben-Stube“, der Hofkäserei. Ein ursprünglich geplantes, externes Gebäude verwarfen die beiden und richteten sich mit neuesten Apparaturen im großen Erbhof ein. Bis im Oktober 2017 die ersten Camemberts der ‚Milchbuben‘ eben diesen Hof in Richtung Feinschmecker verließen.

Die hochmoderne Hofkäserei der Milchbuben am Rehaberhof in Penningdörfl @Milchbuben

Hinter den Milchbuben stehen die Milchmädchen

Ungewöhnlich ist nicht nur die Qualität der Käse. Es ist auch die hervorragende Präsentation der Milchbuben im Internet. Selten habe ich eine derart moderne, spannende und grafisch anspruchsvolle Website gesehen wie die der Milchbuben: www.milchbuben.at. Aber das ist ja auch kein Wunder.

Das hochmoderne Erscheinungsbild der Milchbuben auf ihrer Website www.milchbuben.at

Denn Thomas und Markus haben quasi ein ‚Back-Up‘ in Person von zwei älteren Schwestern. Eine Schwester ist Marketing- und Grafikexpertin, die andere Juristin. Idealere Voraussetzungen gibt’s ja kaum. „Deshalb haben wir ein so professionelles Design und Marketing “ sagt Thomas. „Die andere Schwester berät uns in Rechtsangelegenheiten“ ist Markus froh. „Das ist schon ein Luxus“. 

Im Hofladen bieten die Milchbuben auch andere, hochqualitative Produkte aus Tirol an.

In einem kleinen aber top-modernen Verkaufsladen bieten die beiden nicht nur ihre eigenen Produkte – die vier Camembertsorten „Natur“, „Walnuss“, „Pistazie“ und „Chili“ an. Ihre Brie-Spezialitäten sind allesamt von überzeugender Qualität und bei der Gastronomie der Region bereits wohl bekannt. Daneben können die Kunden im Hofladen noch andere Tiroler Spitzenprodukte wie die „Tiroler-Edle-Schokolade“ vom besten Chocolatier Tirols, von Hansjörg Haag  erwerben. Oder die Naturseifen von Walde in Innsbruck. Was die beiden besonders freut: Ihre Produkte und der Verkaufsladen sind bereits Gesprächsthema unter jenen Menschen, die Gutes schätzen. Thomas ist irgendwie stolz: „Die Kunden fahren sogar aus Kitzbühel und Jochberg zu uns herauf um Käse zu kaufen“. Das ist aber nur an Samstagen zwischen 8 und 12 Uhr möglich, denn da ist der Laden geöffnet.

Mich freut es, junge Burschen zu sehen, die vor Tatkraft glühen. Die in der Landwirtschaft nicht nur eine Herausforderung sondern auch eine Erfüllung sehen. Die beiden Milchbuben sind für mich ein leuchtender Beweis dafür, wie kleinbäuerliche Bergbetriebe mit neuen Ideen, mit viel Idealismus und noch mehr Liebe zu außergewöhnlichen Produkten überleben können. 

Markus und Thomas Ehammer machen nicht nur mir Hoffnung.

MILCHBUBEN KG / TIROLER MEISTERKÄSEREI
Thomas & Markus Ehammer
Penningdörfl 17a · 6361 Hopfgarten | Tirol
(M) 0043 664 2 100 623 · (T) 0043 664 2 100 624
mail@milchbuben.at · www.milchbuben.at

Der Hofladen ist nur am Samstag zwischen 8 und 12 Uhr geöffnet.

Der Camembert ‚Natur‘ der Milchbuben wird auch über BIO VOM BERG vermarktet und ist daher in vielen M-Preis-Filialen in Tirol erhältlich.