Der etwas andere Urlaub

Helgas Alm im Inneren Valsertal ist Sitz der Schule der Alm
Helgas Alm im Inneren Valsertal ist Sitz der Schule der Alm

Im vergangenen Sommer haben wir im einzigartigen Valsertal die „Schule der Alm“ gegründet. Und auch gleich eröffnet. Schon das erste Schuljahr war ein Erfolg, wie wir ihn nie erwartet hatten. Heuer werden die ersten Freiwilligen im Valsertal mithelfen, unser Kulturerbe ‚Bergmahd und Alm‘ zu erhalten. Ein ‚Urlaub der anderen Art‘.

Ihr erinnert Euch sicher: ich habe in meinen Blogbeiträgen immer wieder kritisiert, dass immer mehr ‚geredet‘ aber immer weniger ‚getan‘ wird. Es wimmelt von Leuten, die alles besser wissen. Und immer mehr Zeitgenossen meinen, unsere Zukunft könne mit blankem Hass gemeistert werden. Ich gebe es zu: ich verstehe die Welt nicht mehr.

Dem täglichen Wahnsinn entgehen

Deshalb habe ich mir ernsthaft überlegt, wie ich dem täglichen Wahnsinn entrinnen kann. Aber wie geht das, sich quasi die Ohren zuzuhalten wenn politische Falotten fähnchenschwingend und in irgendeine Fantasietracht gekleidet von Heimat und Patriotismus faseln? Wenn Politiker_innen auf Knopfdruck lügen und Hass zum politischen Werkzeug formen?

Heuen mit dem Rechen. Das ist die Technik, das duftende Bergheu zu trocknen und anschließend entweder zu einem Schober zusammen zu tragen oder in der Heuhütte zu deponieren.
Heuen mit dem Rechen. Das ist die Technik, das duftende Bergheu zu trocknen und anschließend entweder zu einem Schober zusammen zu tragen oder in der Heuhütte zu deponieren.

Gemeinsam mit Freunden habe ich eine Möglichkeit gefunden, dem Wahnwitz ein Schnippchen zu schlagen. Wir wollen dem Nihilismus, der geistigen Depression und der uferlos werdenden Respektlosigkeit etwas entgegensetzen. Etwas, das im wahren Sinn des Wortes dem Gemeinwohl dient: Die Schule der Alm.

Gemeinsam haben wir uns vorgenommen, als Freiwillige in den kommenden Jahren alles tun, um unser verfallendes kulturelles Erbe zumindest in Teilbereichen zu erhalten. Es geht um unsere Bergmähder und Almen. Und damit geht’s auch um den Fortbestand der Lebensgrundlage der wenigen noch verbliebenen Bergbäuerinnen und Bergbauern.

Wir vermitteln alte handwerkliche Methoden

Dass es überhaupt noch Menschen gibt, die es sich antun, Bergbauern zu sein und die harte Arbeit auf sich zu nehmen, grenzt für mich an ein Wunder. Sie stehen einerseits unter dem Druck neoliberalen Gierhälse. Und das bedeutet: Alles den Händlern und Finanzspekulanten, wenig bis nichts den Bauern. Andererseits existiert die bäuerliche Großfamilie ganz einfach nicht mehr. Das heißt: die Zeiten der ‚billigen‘ weil familieneigenen Arbeitskräfte ist vorbei. Und die wären nötig, um jene jahrhundertealten Kulturlandschaften zu erhalten, die kaum oder gar nicht mit Maschinen zu erreichen sind.

Hier setzen wir von der Schule der Alm an. Wir wollen Menschen in die Lage versetzen, bäuerliche Arbeiten zu erlernen und den Bauern und Almgemeinschaften als Freiwillige (gegen Kost und Logis) unter die Arme zu greifen.

Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Das gilt auch in unserer digitalen Zeit immer noch. Oder immer mehr, wie man’s nimmt. Wir versuchen also, den Teilnehmern an den Grundkursen wesentliche handwerkliche Tätigkeiten beizubringen. Wie zum Beispiel das Mähen mit der Sense. Oder das Heu machen und Heu einbringen auf dem Bergmahd.

Die Schule der Alm bildet künftige Freiwillige aus die mithelfen, Almen und Bergmähder in unserer Heimat zu erhalten.
Die Schule der Alm bildet künftige Freiwillige aus die mithelfen, Almen und Bergmähder in unserer Heimat zu erhalten.

Auch die Wiederbelebung alter Bewässerungskanälchen gehört dazu. 2016 haben wir im Rahmen der Schule der Alm zwei „Waale“ auf ihren uralten Trassen wieder zum Leben erweckt. Diese Bewässerung dient nicht allein dazu, auch in Trockenperioden Bergheu ernten zu können. Das im Waal versickernde Wasser schädigt das sogenannte ‚Bürstling-Gras‘, eine von Tieren gemiedene und bei Bergbauern verhasste harte Grassorte. Zugleich stärkt das Wasser die kleinen Gewürzkräuter, die aus dem Bergheu eine wahre ‚Tiermedizin‘ machen.

Schülerinnen der Schule der Alm nach getaner Arbeit.
Schülerinnen der Schule der Alm mit ihren ‚Waalhauen‘ nach getaner Arbeit.
Einer von zwei Bewässerungskanälchen, die von Schüler_innen der Schule der Alm im Jahr 2016 auf deren alten Trasse wiederbelebt worden sind.
Einer von zwei Bewässerungskanälchen, die von Schüler_innen der Schule der Alm im Jahr 2016 auf deren alten Trasse wiederbelebt worden sind.

Die Symbole der einst stolzen bäuerlichen Tradition in Tirol brechen zusammen

Was mich in Tirol immer wieder aufregt ist die Tatsache, dass uralte Schupfen und Heustadel vor sich hinfaulen und zusammenbrechen. Diese Symbole bäuerlicher Arbeit und bäuerlichen Stolzes werden zwar in Hochglanz-Prospekten der Tirolwerbung gerne verwendet. Auf deren Erhaltung legt der Tourismus aber offenbar keinen gesteigerten Wert. Das würde ja Geld kosten! Offensichtlich genügt es, den Gästen Fotos dieser einstigen Kleinode zu zeigen… Nur von Obertilliach ist mir eine Aktion bekannt, die sich der Pflege dieser hölzernen Heuhütten, den ‚Schupfn‘ widmet.

Grund genug für uns von der Schule der Alm, noch bestehende und baufällige Schupfn zu renovieren. Das heißt, wie unterstützen die Bäuerinnen und Bauern mit Arbeitsleistung unserer ‚Schüler_innen‘. Wir haben mit Hans Pernkopf einen Schindelmacher zur Hand, der auch das Legen von Legschindeldächern meisterhaft beherrscht.

Die Heuhütte am Bergmahd Ocherloch wurde von Aktivist_innen der Schule der Alm quasi saniert. Neue Legschindeln und die Sanierung der Grundmauer, eine Trockensteinmauer, gewährleisten das 'Weiterleben' dieses uralten bäuerlichen Stadels.
Die Heuhütte am Bergmahd Ocherloch wurde von Aktivist_innen der Schule der Alm quasi saniert. Neue Legschindeln und die Sanierung der Grundmauer, eine Trockensteinmauer, gewährleisten das ‚Weiterleben‘ dieses uralten bäuerlichen Stadels.
Unter der Leitung des bereits legendären Trockenstein-Mauer-Künstlers Erich Gatt, Oberhirte auf der Zeischalm, wurden die Fundamente des Stadels generalsaniert.
Unter der Leitung des bereits legendären Trockenstein-Mauer-Künstlers Erich Gatt (links im Bild), Land-Art-Künstler und Oberhirte auf der Zeischalm, wurden die Fundamente des Stadels generalsaniert.

Die Rückkehr des Schrägezaunes ins Valsertal

Irgendwie können wir schon stolz sein: Im vergangenen Jahr haben Teilnehmer_innen des Grundkurses der Schule der Alm wieder einen Schrägezaun gebaut. Unter Anleitung von Luis Gatt, der auch das nötige Holz geschlagen hatte. Im Jahr 2017 soll dieses Projekt weitergeführt werden. Geplant ist, einen Stacheldrahtzaun durch diese uralte Zaunform zu ersetzen, die ohne Nägel auskommt und im Herbst ganz einfach ‚umgelegt‘ werden kann. (Damit die Lawinen über den Zaun hinwegbrausen und ihn nicht mitreissen.)

Hoch über dem Valsertal, auf dem Bergmahd Öfen, errichteten Schüler_innen der Schule der Alm einen ersten 'Übungs-Schrägezaun'.
Hoch über dem Valsertal, auf dem Bergmahd Öfen, errichteten Schüler_innen der Schule der Alm einen ersten ‚Übungs-Schrägezaun‘.

Kräuter erkennen, sammeln und verwenden

Arnika auf dem Bergmahd. Eine der bekanntesten Heilpflanzen in der Volksmedizin.
Arnika auf dem Bergmahd. Eine der bekanntesten Heilpflanzen in der Volksmedizin.

Auf große Resonanz bei den Teilnehmer_innen der Grundkurse ist die angebotene Kräuterkunde gestoßen. Eli Mayr, unsere Kräuterfachfrau, machte den Teilnehmer_innen so richtig Lust, sich in der Apotheke der Natur in Zukunft etwas genauer umzuschauen und selbst Kräuter zu sammeln.

Helgas Ziegenherde ist die Attraktion der Schule der Alm

Was wäre ein Alm ohne Tiere? Richtig: Gar nix. Helgas Tauernschecken-Herde trägt wesentlich dazu bei, das Arbeiten auf der Alm so richtig spannend und schön zu gestalten. Und: viele Menschen versuchen sich das erste Mal im Melken. Gewöhnungsbedürftig aber keine Kunst.

Der kulinarische Nebeneffekt ist Helgas Ziegen-Frischkäse, der sicher zu den besten seiner Art in Tirol gehört und natürlich auf der Alm verkostet werden kann.

Anmeldungen für die Grundkurse 2017

Die Kurse werden im Februar wieder ausgeschrieben. Und zwar im Mitgliedermagazin „Beisswurm“. Ab dem Versand der Mitgliederzeitung nehmen wir Anmeldungen entgegen. Und da die Grundkurse nur je 10 Teilnehmer_innen aufnehmen können, gilt das Prinzip: wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Wenn Sie vorher noch Mitglied werden wollen um die Zeitung und damit die Chance auf eine Teilnahme an einem der vier Grundkurse im heurigen Sommer zu erhalten: Mit der Überweisung von 20 € Mitgliedsbeitrag an das Konto der

„Schule der Alm, Verein zur Erhaltung von Almen und Bergmähdern“, IBAN AT85 2050 3033 0180 6737, BIC SPIAT22XXX

erhalten Sie das Mitgliedermagazin. Bitte vergessen Sie bei e-banking Überweisungen nicht, ihren vollen Name und die Adresse anzuführen.

Weiterführende Informationen:

Schule der Alm

Helgas Alm

Mitgliedermagazin „Beisswurm“, 1. Ausgabe 2016

Videofilme der Schule der Alm auf Youtube

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s