Eine Beschreibung der Seele Tirols

„Wege in die Vergangenheit in Tirol“ heißt ein faszinierendes Buch, das sich auf exzellente Art und Weise der Kulturgeschichte unseres Landes annimmt. 

tyrolia-buchEs gibt nur wenige Wander- bzw. Kulturführer in Tirol, die historische, kulturelle und lokalspezifische Informationen so kompakt und attraktiv aufbereiten wie das im Tyrolia Verlag erschienene Werk der Ethnologin und Sprachwissenschafterin Christine Zucchelli. Ein Buch, das eigentlich in keinem Tiroler Haushalt fehlen sollte. (Mich würde interessieren, ob das Buch in den Informations-Büros der Tourismusverbände und der Tirol-Werbung aufliegt. Denn die „Touristiker“ müssten der Autorin eigentlich Kränze flechten.)

Die Leser_innen dieses Blogs kennen meinen Hang zum Außergewöhnlichen. Auch deshalb sind die „Wege in die Vergangenheit“ so interessant für mich. Ich liebe Plätze, die kulturgeschichtlich genauso spannend wie landschaftlich spektakulär sind. Zudem: Für mich sind Berge weder Kulissen noch bilden sie die Staffage für irgend eine Selbstdarstellung. Sie üben auf mich noch immer jenen mystischen Reiz aus, der die Menschen zu allen Zeiten verzauberte. Aber ich geb’s zu: es ist mein erklärtes Hobby, die Geheimnisse der Berge zu lüften.

Das mysteriöse Vigil-Heiligtum in Obsaurs mit dem Blick auf die Felspyramide des Tschirgant.
Das mysteriöse, zauberhafte Vigil-Heiligtum in Obsaurs mit dem Blick auf die Felspyramide des Tschirgant hat sicher noch nicht alle Geheimnisse preis gegeben.

Da kommt mir das Buch „Wege in die Vergangenheit in Tirol“ von Christine Zucchelli gerade recht. Es ist einer jener „Kultur-Wanderführer“, der in vielfältiger Weise auf Landschaften eingeht und sie nicht nur technisch beschreibt. 55 Gebiete in Tirol haben so die Chance, mit Hilfe der Autorin aus dem Schatten ihrer Geschichte zu treten.

Schloss Fernstein am Fernpass. Direkt erbaut über der Römerstraße Via Claudia Augusta.
Schloss Fernstein am Fernpass. Direkt erbaut über der Römerstraße Via Claudia Augusta.
Jahrhundertelang passierten die römischen Karren die Via Claudia am Fernpass und verewigten sich in Form ihrer Wagenspuren.
Jahrhundertelang passierten die römischen Karren die Via Claudia am Fernpass und verewigten sich in Form ihrer Wagenspuren.

Erzählungen uralter Geschichten und Sagen werden kombiniert mit historischen Details und  geografischen Besonderheiten. Die Autorin zitiert traditionelle Erzählungen genauso wie historische Reisebeschreibungen. Mit Auszügen aus alten Briefen und Lebenserinnerungen interessanter Menschen rundet sie dieses wunderbare Buch ab. Eine detaillierte Karte ergänzt jedes Kapitel, die technischen Informationen werden kurz und bündig angeboten.  

Tirol – eine einzigartige Kulturlandschaft

Das mystisch gelegene Burgstein im Ötztal.
Das mystisch gelegene Burgstein im Ötztal.

Einer Illusion sollten wir uns nicht hingeben: dass es in Tirol noch die „wilde“, „unberührte“ Natur gebe. Zumindest bis zur Waldgrenze ist unser Land eine uralte, vom Menschen geprägte Kulturlandschaft. Und wer Augen hat zu sehen, der erblickt hinter der Schönheit der Landschaft auch die einzigartigen Kulturleistungen der Menschen. Seien es Burgen, Ruinen, Knappenlöcher, Almen oder Kultorte: sie sind die eigentliche Seele Tirols und verleihen dem Land ein unverwechselbares Flair.

Das Magdalenen-Kirchlein in Gschnitz. Tirols älteste Wallfahrtskirche ist über einer heiligen Quelle erbaut. Dass diese Quelle zugemauert wurde, ist ein übler Frevel.
Das Magdalenen-Kirchlein in Gschnitz. Tirols älteste Wallfahrtskirche ist über einer heiligen Quelle erbaut. Dass diese Quelle zugemauert wurde, ist ein übler Frevel.

Vielen Tiroler_innen ist erst seit dem Fund von Ötzi vor 25 Jahren bewußt, dass selbst die höchsten Berge und Bergkämme für die Menschen der Vorzeit nicht tabu waren. Selbst hoch gelegene Übergänge wurden schon vor Jahrtausenden von Menschen überschritten. Menschen, für die die Berge der Sitz von Göttern war und ihnen deshalb höchsten Respekt gezollt hatten. Und das ist oft der Ausgangspunkt für Christine Zucchelli, Wanderbeschreibungen mit hochinteressanten Details anzureichern.

Was ich an diesem Buch noch ganz außerordentlich schätze: Die Informationen zu öffentlichen Verkehrsmitteln, mit denen kulturbeflissene Wanderer zum Ausgangspunkt der Wanderungen fahren können.

Der 'Geschriebene' oder 'bschriebene' Stein im Viggartal hat sein Geheimnis noch nicht preis gegeben. Sicher erscheint, dass der Stein etwas mit der als gleichseitiger Pyramide sichtbaren Viggarspitze zu tun hat.
Der ‚Geschriebene‘ oder ‚bschriebene‘ Stein im Viggartal hat sein Geheimnis noch nicht preis gegeben. Sicher erscheint, dass der Stein etwas mit der als gleichseitige Pyramide sichtbaren Viggarspitze zu tun hat.
Der Menhir auf der Kaser oberhalb von Vent. Schon Ötzi dürfte diesen Platz gekannt haben.
Der Menhir auf der Kaser oberhalb von Vent. Schon Ötzi dürfte diesen Platz gekannt haben.

Sei es der „Geschriebene Stein“, ein Monlith im hinteren Viggartal, das Magdalenenkirchlein im Gschnitztal oder die geheimnisumwitterte Kaser oberhalb von Vent: Die insgesamt 55 Wandervorschläge folgen historischen, bisweilen gar prähistorischen Spuren steinzeitlicher Jäger, rätischer Siedler und römischer Legionen. Da geht’s mit den neuzeitlichen Wilderern durch Wälder, mit mittelalterlichen Holzflößern durch abenteuerliche Klammen und mit Knappen zu entlegenen Stollen tief im Bauch der Berge. An den Zielen erwarten den Wanderer nicht selten vorchristliche Kultplätze, geschichtsträchtige Burgen, Ruinen und Wallfahrtskirchen, aber auch sagenumwobene Felsen und Gebirgsseen.

Kurz und bündig: Die „Wege in die Vergangenheit…“ sind ein ideales Weihnachtsgeschenk für Menschen, die die Einzigartigkeit Tirols, die Seele des Landes erwandern möchten. 

tyrolia-buch

Christine Zucchelli, Wege in die Vergangenheit in Tirol. ISBN 978-3-7022-3339-6; Tyrolia-Verlag Innsbruck, 288 Seiten, 156 farb. und 16 sw Abb, 55 Kartenausschnitte, 1 Übersichtskarte, 21 cm x 14.5 cm, Lieferbar oder abholbereit in 48 Stunden, 24.95 EUR

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