Navis: Knappenkuchl und Köstlichkeiten

Wie kommt es, dass in Navis Bauernhöfe existieren, wie man sie eher in den absoluten Tiroler Gunstlagen vermuten würde? Die in ihren Ausmaßen gar an fürstliche Landsitze und nicht an Bergbauernhöfe erinnern? Ich wollte dieses Rätsel vor Ort lösen. Und nebenbei allerfeinste Alm-Produkte verkosten und kaufen. 

Das Naviser Tal gehört zu jenen vier Seitentälern des Wipptales, die für mich neben dem Valsertal und Schmirn, dem Obernberger- und dem Gschnitztal zu den absolut schönsten Tälern Nordtirols zählen. Deshalb war es für mich eine pure Freude, dem Rätsel der wuchtigen Naviser Bergbauernhöfe nachzugehen. 

Ich hatte mich schon bei einem früheren Aufenthalt im Tal ernsthaft gefragt, wie das Navistal zu derart außergewöhnlichen Gebäuden kommt: Riesige Dimension, gemauert, mit teuren Fresken und Lüftlmalereien versehen. Ja sogar die Dachstühle sind bemalt. Also: Wie kam es zu solchem Reichtum in einem Hochtal?

Der Peerhof ist ein gutes Beispiel für die großen Bauernhöfe in Navis.
Der Peerhof ist ein gutes Beispiel für die extravaganten Bauernhöfe in Navis. Bergbauern hätten nie das Geld gehabt, solche ‚Ansitze‘ zu bauen.
Der Eingangsbereich des Peerhofes: ein Schmuckstück mittelalterlicher Gestaltung.
Der Eingangsbereich des Peerhofes: ein Schmuckstück mittelalterlicher Gestaltung.

Es dürfte den geistvollen Leserinnen und den klugen Lesern meines Blogs nicht entgangen sein, dass ich bei meinen Wanderungen gerne durch archäologisch- und historisch interessante Gegenden streife. Und dass ich besonders gerne Ausschau jenen Besonderheiten halte, die vom sogenannten ‚Main-Stream-Tourismus‘ wenig bis gar nicht beachtet werden. Im Fall von Navis ist es die Knappenkuchl, von der mir Karl Peer erzählte. Und anfügte, er vermute, er habe eine Vermutung, weshalb einige Naviser Familien – auch seine Familie – im späten Mittelalter derart ‚fürstliche‘ Ansitze bauen konnten. 

Die wunderschönen Fresken am Vögele-Hof im Navis kommen sicher nicht von ungefähr. Die Leute hatten im Mittelalter offenbar viel Geld.
Die wunderschönen Fresken am Vögele-Hof im Navis kommen sicher nicht von ungefähr. Die Leute hatten im Mittelalter offenbar viel Geld.

Eines meiner erklärten Wanderziele ist es auch immer, lokale Spezialitäten entlang meiner Wanderrouten ausfindig zu machen um sie hier auf meinem Blog vorzustellen. Und in Navis gibt’s gleich drei außergewöhnliche, ja einzigartige regionale Spezialitäten, die quasi am Weg liegen: Alm-Butter, Alm-Käse und Alm-Schweinefleisch von Karl Peer. Da ist ein Besuch meinerseits sozusagen ‚Pflicht‘.

Der Käse-Reifekeller von Karl Peer auf der Peer-Alm im Navistal. Hier reift der ausgezeichnete Vollfett-Käse.
Der Käse-Reifekeller von Karl Peer auf der Peer-Alm im Navistal. Hier reift der ausgezeichnete Vollfett-Käse.
Karl Peer erzeugt in seiner Kleinsennerei auch köstliche Almbutter.
Karl Peer erzeugt in seiner Kleinsennerei auch köstliche Almbutter.
Die Almschweine der Peer-Alm im Navistal.
Die Almschweine der Peer-Alm im Navistal.

Via Peer-Alm zur Knappenkuchl

Also machte ich mich auf den Weg, einerseits der Ursache des mittelalterlichen Reichtums in Navis nachzugehen, sie quasi aufzudecken. Und andererseits regionale Köstlichkeiten zu genießen.

Die 'Model'-Butter von der Peeralm gehört für mich zum Besten, was man diesbezüglich in Tirol kaufen kann.
Die ‚Model‘-Butter von der Peeralm gehört für mich zum Besten, was man diesbezüglich in Tirol kaufen kann.

Die Alm von Karl Peer liegt am Weg zur Knappenkuchl und bietet also gleich drei Spezialitäten, die mir das Wasser im Mund zusammenrinnen lassen: einen ganz wunderbaren vollfetten Almkäse, Almbutter und – zeitlich versetzt im Herbst – Fleisch von Almschweinen. Allein die Haltung der Schweine ist legendär: sie ‚bewohnen‘ einen riesigen Waldabschitt unterhalb der Peer-Alm mit fließenden Wasser, das die Suhlen speist. Die Molke aus der Käseproduktion kommt per Schlauchleitung zum Schweinewald und nährt die Sauen. Schweinezucht und Schweinehaltung vom Allerfeinsten.

Übrigens: Almbutter und Almkäse können derzeit noch bei Karl Peer direkt gekauft werden. Rufen Sie einfach Karl Peer an und bestellen Sie die Köstlichkeiten unter der Telefonnummer 05278 6571

Karl Peer mit den Wollschweinen
Karl Peer züchtet auch Wollschweine auf seiner Alm im Navistal

Nach einer Stärkung mit diesen wahrhaft köstlichen Alm-Erzeugnissen geht’s dann weiter in Richtung Klammalm im hintersten Navistal. Denn dort beginnt die Bergbauzone des Navistales.

Die Klammalm im inneren Navistal
Die Klammalm im inneren Navistal

Ich betrete das größte ‚Knappenloch’ und ahne, weshalb es Knappenkuchl genannt wird. Eine etwa 5 Meter hohe, in den Fels geschlagene finstere Höhle von der ein weiterer Gang abgeht. Fix ist, dass hier bereits in prähistorischer Zeit Metalle abgebaut worden sind, darunter Kupfer und angeblich auch Silber. Die Blüte des Abbaus lag dann zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert. Ob die Knappen hier auch wie in einer Küche gesessen sind bezweifle ich stark. Eher schon an der Rückseite dieses ‚Mini-Erzberges‘, an dem ich einige gerade noch sichtbaren Trockensteinmauern entdeckte.

Blick aus dem Mundloch der Knappenkuchl auf die Almen des inneren Navistales.
Blick aus dem Mundloch der Knappenkuchl auf die Almen des inneren Navistales.
In der Knappenkuchl wurde schon vor Jahrtausenden Metall abgebaut. Damals noch mit Brandsetzung. Das heißt: Der Fels wurde mit Feuer erwärmt, der heiße Stein dann mit Wasser gelöscht und gehofft, dass er springt.
In der Knappenkuchl wurde schon vor Jahrtausenden Metall abgebaut. Damals noch mit Brandsetzung. Das heißt: Der Fels wurde mit Feuer erwärmt, der heiße Stein dann mit Wasser gelöscht und gehofft, dass er springt.
Die Abraumhalden der Knappenkuchl
Die Abraumhalden der Knappenkuchl
Der Blick vom 'Erzberg' auf den kleinen Klammsee.
Der Blick vom ‚Erzberg‘ auf den kleinen Klammsee.
Mineralhaltiger Stein aus der Abraumhalde der Knappenkuchl
Mineralhaltiger Stein aus der Abraumhalde der Knappenkuchl

Beim genauen Hinsehen kann man in den Abraumhalden vor den verschiedenen Knappenlöchern sogar noch Steine mit geringem Metallgehalt finden. Dass Mineraliensucher die Knappenkuchl kennen, hätte ich eh nie bezweifelt. Und auch das ungeschulte Auge sieht klar, dass hier auch nach Bergkristallen geschlagen und gehämmert wurde. Und wer wieder genau schaut, findet noch kleine Kristall-Exemplare zwischen den vielen Steinsplittern, die vor den weißen Quarzbändern in den Felsen herumliegen.

Die Auflösung des Rätsels der prunkvollen Bauernhäuser in Navis liegt eigentlich auf der Hand. Vom damaligen Bergbau profitierten einige Familien, die vermutlich auch die Schürfrechte an der Knappenkuchl besessen hatten. Und die dann offensichtlich den vor allem mit Kupfer verdienten Mammon in wahrhaft repräsentative Gebäude steckten. Zur Freude nachfolgender Generationen.  

Meine Tipps:

Fahren Sie im Navistal bis zum letzten Parkplatz. Von dort aus benötigen Sie etwa 45 Minuten bis zur Peeralm, weitere 60 Minuten bis zur Klammalm. Von dort aus erreicht man die Knappenkuchl in 30 Minuten.

Almbutter und Almkäse von Karl Peer können Sie noch unter der Telefonnummer 05278 6571 bestellen.

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