Wacholderlikör: Der Duft Tiroler Wälder

Aus denselben Wacholderbeeren, die einer feinen Rindssuppe die elegante Note verschaffen, kann auch ein piekfeiner Sirup hergestellt werden. Aber das ist noch nicht alles: Ein Wacholderlikör schlägt alles Dagewesene an süßen Wintertrankln. Eine Eloge auf die sträflich unterschätzen Kranebitt-Beeren.

Es war im wunderschönen Spätherbst des Vorjahres. Auf der Suche nach Wacholderbeeren durchstreifte ich die kargen Kiefernwälder am Mieminger Plateau. Meine Absicht: ich wollte einige Kilogramm der würzig-harzigen Beeren sammeln um draus einen Tiroler Gin brennen zu lassen.

Wacholderlikör aus Tirol

Das mit dem Gin durfte ich mir gleich abschminken. ,Zu kompliziert‘ meinte der mir vertraute Schnapsbrenner. Nagut, dachte ich mir. Dann mach ich halt was anderes draus. Und da mir an einem regnerischen Nachmittag grad der Sinn nach Süßem stand versuchte ich mich in der Sirupherstellung. Mit einigem Erfolg möchte ich behaupten.

Und da es nix mit Alkohol aus Wacholderbeeren geworden ist sollte es zumindest ein angesetzter Gin werden. Ganz nach dem Vorbild des Zirbeler oder eines Blutwurz-Schnapses.

Also beförderte ich eine Handvoll zerstoßener Wacholderbeeren in einen halben Liter Vodka. Und stellte die wieder verschlossene Flasche zwei Monate an die Sonne. Das Ergebnis war krass: der in der Zwischenzeit dunkelbraun verfärbte Wacholder-Vodka war schlicht und einfach nicht zum Dersaufen. Gallig-bitter wie eine absolut grausige Medizin. Eigentlich ungenießbar.

Voilà: Tirols g'schmackigster Likör aus reifen Wacholderbeeren.
Voilà: Tirols g’schmackigster Likör aus reifen Wacholderbeeren.

Eine Idee änderte diesen Zustand schlagartig. Weshalb sollte ich das unglaublich bittere Trankl nicht mit meinem eben gebrauten Wacholdersirup verfeinern? Gesagt, getan. Ich mischte 50 ml Sirup mit 150 ml Vodka und fertig war der Wacholder Likör.

Das Ergebnis: Eine wahre Offenbarung. Nach einigem Schütteln hatte sich die Mixtur zu einem Geruchs- und Geschmacksfest entwickelt, das nach Harz, Holz und Kiefern duftete. 

Und wie alle Produkte, die einzigartig sind: diesen Likör gibt’s nicht zu kaufen. Jetzt ist selber machen angesagt. Auf in die Wälder. Viel Vergnügen!

3 Gedanken zu “Wacholderlikör: Der Duft Tiroler Wälder

      1. Unbedingt. Nur kommt man hier kaum an richtig gute Wacholderbeeren. Also entweder beim nächsten Ausflug nach München oder auf einhemische Früchte ummünzen. ^^ Mal schau’n.

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