Wacholdersirup – das Beste seit Erfindung der Sirups

Meine Sammelleidenschaft in Wald und Flur hat zu einem Ergebnis geführt, das ich überhaupt nicht erwartet hätte: ich habe einen Sirup ‚gebraut‘, der alle Gerüche des Waldes zu haben scheint.

Das Vergnügen begann für mich ja bereits mit dem Ernten der Beeren. Ich erwischte einen Novembertag, wie er besser nicht hätte sein können. Und genauso ist’s mit dem Sirup: so etwas habe ich bisher noch nicht genossen. Für mich ist der Kranebitt-Sirup der Beste seit Erfindung der Sirups – oder heißt’s Sirupe?

Blaue und schwarze Kranebitt-Beeren warten zuhauf auf die eifrigen Sammler_innen.
Blaue und schwarze Kranebitt-Beeren warten zuhauf auf die eifrigen Sammler_innen.
Auf diesem kargen Kalkkegel am Fuß der Mieminger Berge wachsen und gedeihen die genügsamen Kranebittstauden. Und die Beeren? Die schmecken extrem stark und extrem gut.
Auf diesem kargen Kalkkegel am Fuß der Mieminger Berge wachsen und gedeihen die genügsamen Kranebittstauden. Und die Beeren? Die schmecken extrem intensiv und extrem gut.

Um weitere Verifikationen dieser Theorie vom allerbesten Sirup zu erlangen, gebe ich euch jetzt das Rezept bekannt. Mit der Bitte, diese nach Harz, Wald und Flur duftende Köstlichkeit – ergänzt vom frischen Duft und Geschmack reifer Zitronen – nachzukochen. Und, das wäre schön, mir zu berichten wie’s gelaufen ist und ob der Kranebitt-Sirup  auch tatsächlich der Spitzensirup schlechthin sei.

Die Karstlandschaft bei Mieming
Die Karstlandschaft bei Mieming

Hier das Rezept in Schritten. Zeitbedarf zur Herstellung: etwa 2 Stunden. Der Sirup ist im fertigen Zustand 1:6 verdünnbar.

Man nehme

  • 150 g frische Wacholderbeeren, von Blättern und Nadeln gesäubert
  • 1/2 liter klares Tiroler Wasser
  • 1 kg Zucker (Rohr-, Kristall- oder Sirupzucker)
  • 1 Bio-Zitrone, deren Schale genießbar ist
Der 1. Schritt:

150 g Wacholderbeeren werden gewogen und mit einem halben Liter Wasser kurz aufgekocht. Der erste Schritt dient dazu, die Beeren aufzuweichen. Nach dem Aufkochen etwa 20 Minuten beiseite stellen und ziehen lassen. Das Wasser nimmt nun schon ganz leicht den Geschmack der Beeren an.

150 g wacholderbeeren1:2 l wasser

 

Der 2. Schritt:

Die Beeren sollen nun zerstampft werden. Wichtig: das Wasser aufbewahren! Das Zerstampfen könnte im Mörser genauso stattfinden wie mit dem Mixer. Ich wählte jedoch den guten alten Fleischwolf. Denn mit ihm werden die Beeren quasi gleichmässig zertrümmert.

Der 3. Schritt:

Vorerst geben wir in das Wasser, in dem wir die Beeren bereits kurz gekocht hatten, 1 kg Zucker und eine aufgeschittene Zitrone mit genießbarer Schale. Wir können normalen Kristallzucker, Rohrzucker oder Sirupzucker verwenden. Ich habe mich für den Sirupzucker entschieden, da er tatsächlich hervorragend geeignet ist bei der Sirupherstellung.

For weichen Beeren werden nun entweder zerstampft oder aber - wie im Bild - durch den Felsichwolf gejagt.
For weichen Beeren werden nun entweder zerstampft oder aber – wie im Bild – durch den Felsichwolf gejagt.
1 kg Zucker wird zusammen mit der Zitrone mit dem Wasser vermischt, die zerstampften Wacholderbeeren werden zugefügt.
1 kg Zucker wird zusammen mit der Zitrone und dem Wasser vermischt, die zerstampften Beeren werden zugefügt.

Nach dem Verrühren des Zuckers in der Flüssigkeit geben wir die Paste bzw. das Mus aus den Kranebittfrüchte dazu. Jetzt die Platte / Flamme quasi auf Vollgas stellen, bis die Masse kocht. Nach rund 3-5 Minuten nehmen wir die jetzt dunkelbraune Flüssigkeit vom Feuer und lassen sie zwischen 40 und 60 Minuten lang ziehen.

Der 4. Schritt:

Nachdem die Zuckermasse nun den Geschmack der edlen Waldbeeren angenommen hat, trennen wir die festen Teile der Beeren und der Zitrone vom Sirup. Entweder sieben wir es oder aber wir klären es dadurch, dass wir die Flüssigkeit durch ein Baumwolltuch passieren.

Nun wird's: wir entfernen mit einem Sieb oder einem Baumwolltuch die festen Bestandteile und erhalten den dunklen, nach Wald und Harz riechenden Sirup.
Nun wird’s: wir entfernen mit einem Sieb oder einem Baumwolltuch die festen Bestandteile und erhalten den dunklen, nach Wald und Harz riechenden Sirup.
Der 5. Schritt:

Nach dem Erkalten des Sirups füllen wir ihn in Flaschen oder Fläschchen und stellen diese an einen kühlen Platz.

Der 6.Schritt:

Wir schreiben dem Blog tirolischtoll.wordpress.com, wie es uns bei der Sirupherstellung ergangen ist, machen tunlichst ein Foto und posten dies in den Sozialen Medien.

Ein neuer, wichtiger Tipp: Um die letzten Schwebstoffe aus dem Sirup zu filtern habe ich ein Teenetz benützt. GROSSARTIGES Ergebnis: Der Sirup wird klar! 

Echter Tiroler Kranebitt-Sirup. Ein wahrhaft himmlischer Genuss.

Echter Tiroler Kranebitt-Sirup. Ein wahrhaft himmlischer Genuss.

 

PS: Ich möchte mich bei Frau Gitti recht herzlich dafür bedanken, dass sie mir jene Plätze am Sonnenplateau Mieming gezeigt hat, die voll dieser stacheligen UND beerentragenden Kranebittstauden sind. Zudem habe ich eine Landschaft entdeckt, die im weiten Umkreis ihresgleichen sucht. Danke schön!

3 Gedanken zu “Wacholdersirup – das Beste seit Erfindung der Sirups

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