Maria Brettfall: Eine mittelalterliche Immobilie

Eine Wanderung von Strass im Zillertal über das Wallfahrtskirchlein Maria Brettfall und die Ruine Rottenburg nach Rotholz ist geschichtsträchtig. Und hat sehr viel Charme.

Den Zillertaler_innen wird viel nachgesagt. Vor allem, dass sie geschäftstüchtig sind. Und als wär Maria Brettfall die Probe auf‘s Exempel: Dort schreckten sie früher nicht einmal vor dem Handel mit einer Wallfahrtskirche zurück.

Maria Brettfall war vor einigen hundert Jahren eine überaus gewinnträchtige Immobilie. Am Taleingang auf einem vorspringenden Felsen gelegen, weithin sichtbar und deshalb ein beliebtes Ziel von Wallfahrern und Jakobs-Pilgern. An kaum einem anderen Gnadenort in Tirol passt Wilhelm Buschs unvergänglicher Spruch besser: „Hoch von gnadenreicher Stelle winken Schenke und Kapelle.“

Schenke und Kapelle: Maria Brettfall mit seinen genialen Ausblicken auf das Vordere Zillertal ist ein überaus beliebtes Wallfahrts- und Pilgerziel.
Schenke und Kapelle: Maria Brettfall mit seinen genialen Ausblicken auf das Vordere Zillertal ist ein überaus beliebtes Wallfahrts- und Pilgerziel.
So kennen wir Maria Brettfall, wenn wir das Kirchlein vom Tal aus sehen.
So kennen wir Maria Brettfall, wenn wir das Kirchlein vom Tal aus sehen.

Und es dürfte auch tatsächlich die Schenke gewesen sein, die den Wert dieser Immobilie lange hoch gehalten hat. Eigentlich bis heute. Dabei diente der Felsen, auf dem Brettfall liegt, ganz sicher schon für die vorchristlichen Religionen ein Kultplatz. Woher der Name ,Brettfall‘ stammt ist nicht restlos geklärt. Zwei Erklärungen kommen in die engere Wahl: der Name könnte einerseits vom lateinischen ,super vallem‘ hergeleitet sein, was ,über dem Tal‘ bedeutet. Andererseits könnte es von ,prae vallum‘ stammen, was „vor dem Wall“ hieße. Ich neige zu dieser Variante, denn der Platz wäre ein schönes Beispiel für einen quasi idealtypischen keltischen Kult- und Brandopferplatz.

Der Blick von Brettfall auf Strass.
Der Blick von Brettfall auf Strass.

Während über die Herkunft von Brettfall noch spekuliert werden darf ist die Sache mit den Eremiten und dem Handel mit der Gnadenkapelle sonnenklar. Da sind Ross und Reiter bekannt.

Gleich der erste, der die Klause oberhalb von Strass offenbar einrichtete und sich dort häuslich niederließ hatte mit großer Wahrscheinlichkeit die glorreiche Geschäftsidee: Steff Waymoser. Seine lukrative Überlegung stammt aus dem Jahre 1536: zuerst einen gewinnträchtigen Glaubensbetrieb aufbauen und ihn dann quasi an den Meistbietenden verkaufen. Eine Geschäftspraxis, die auf Brettfall sehr lange praktiziert worden war.

Von Maria Brettfall übersieht man auch das Tiroler Unterinntal
Von Maria Brettfall übersieht man auch das Tiroler Unterinntal

Bis Josef II. daran ging, den Klöstern und damit der Ausbeutung der Landbevölkerung einen Riegel vorzuschieben. Auch Brettfall sollte unter dieses Edikt fallen, was vom damaligen ,Eremiten‘ und Besitzer des Gnadenortes, Franz Margreiter nicht hingenommen  wurde. Er betrachtete die Säkularisierung vermutlich weniger als Einschränkung des Glaubens denn als Einschränkung seiner Geschäfte. Er sattelte ein Pferd, ritt gen Wien und erreichte zur Überraschung aller eine Ausnahmegenehmigung für Brettfall. Gebet und Geschäft liefen auf den alten, erfolgreichen Bahnen weiter. Bis heute.

Burgruine Rottenburg

schilderAber Maria Brettfall ist beileibe nicht die Endstation der Tagestour, die nun zur Burgruine Rottenburg weiterführt. Über teils schlechte, ungepflegte Wege, (was tun die Tourismusverbände eigentlich?) durch wunderbare Laub- und Nadelwälder erreicht man die Ruine, die zu Unrecht der nahezu völligen Vergessenheit anheim gefallen ist.

Der letzte Rest der Zwingburg: Eingang und Mauer sind noch vorhanden. Der Rest ist - gottseidank - nahezu dem Erdboden gleich gemacht worden. Burgen waren immer Unterdrückungszentralen der Landbevölkerung.
Der letzte Rest der Zwingburg: Eingang und Mauer sind noch vorhanden. Der Rest ist – gottseidank – nahezu dem Erdboden gleich gemacht worden. Burgen waren immer Unterdrückungszentralen der Landbevölkerung.

Die Rottenburg war vom 13. bis ins 15. Jahrhundert eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste aller Tiroler Burgen. Das Ende erfolgte Ende 1410. Der damalige Burgherr, Graf Heinrich VI. von Rottenburg verbündete sich mit den Bayern gegen den damaligen Landesfürsten Herzog Friedrich (ja, der mit der leeren Tasche) um diesem in den Rücken zu fallen. Friedrich besiegte den aufsässigen Grafen, aus ist es mit der  Herrschaft der Rottenburger. Das Gemäuer wurde  während des Kampfes belagert und zum Großteil – das aber mehr als gründlich – zerstört.

Das Notburga-Kirchlein auf dem ehemaligen Gelände der Rottenburg.
Das Notburga-Kirchlein auf dem ehemaligen Gelände der Rottenburg.

Auf dem Areal der Ruine befindet sich heute ein kleines Kirchlein, jenes der ,Heiligen Notburga‘ Eine in Tirol heute noch hochverehrte Frau, die auf der Rottenburg lebte. Ob sie es verdient hat, die Patronin der Dienstmägde, der Landwirtschaft und der Trachtenträger_innen zu sein bleibt dahin gestellt.

Der Abstieg von der Rottenburg nach Rotholz.
Der Abstieg von der Rottenburg nach Rotholz.

Der Rundweg – gleichzeitig eine Teiletappe auf dem Tiroler Jakobsweg  endet in Rotholz. Kaum 500 m von der Haltestelle der Zillertalbahn entfernt.

Details der Wanderung:

  • Von Strass auf Maria Brettfall benötigt man ungefähr 1/2 bis 3/4 Stunden.
  • Von Maria Brettfall zur Rottenburg: rund 1 Stunde
  • Von der Rottenburg nach Rotholz: ca. 1/2 Stunde

Mein Tipp:

lassen sie ihr Auto zuhause stehen, fahren Sie mit dem Zug nach Jenbach und weiter mit der Zillertalbahn nach Strass. Retour geht‘s dann von Rotholz zurück nach Jenbach.

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