Märchenlandschaft Wörgetal

Die Almrosenblüte im Wörgetal ist eine spektakuläre Inszenierung der Natur. 

Kürzlich hat mir eine Bekannte gestanden, in Tirol sei‘s doch schöner also sonstwo auf der Welt.Genau das behaupte ich seit Jahren. Man muss nur wissen, wo Tirol seine natürliche Schönheit noch voll entfaltet.

Blick von Hochötz ins Vordere Ötztal und ins Tiroler Oberland
Blick von Hochötz ins Vordere Ötztal und ins Tiroler Oberland

Heuer habe ich mir vorgenommen, solche Plätze aufzusuchen und sie in meinem Blog unter der Kategorie „1-Tages-Wanderungen“  zu schildern. Ihr findet eine erste Sammlung hier. Und eine dieser fantastischen Wanderungen ist jene von Hochötz über das Wetterkreuz, das Wörgetal zur Unteren Iss Alm, die sich kurz vor Kühtai befindet. (Die Karte zu dieser Wanderung finden Sie hier.)

Dieses Tal ist mir sehr gut bekannt, hatte ich im Wörgetal doch als ‚LEADER-Regionalmanager Ötztal‘ vor rund 15 Jahren das Projekt eines Knappenhauses samt Knappenweg entwickelt und umgesetzt. Und es freut mich ehrlich, wenn sich Touristen und Einheimische beim Knappenhaus oder am Puchersee wohl fühlen.

Der Weg von Hochötz zum Wetterkreuz
Der Weg von Hochötz zum Wetterkreuz
Der Acherkogel, der nördlihste 3.000-er der Ostalpen, überragt die Tour ins Wörgetal
Der Acherkogel, der nördlihste 3.000-er der Ostalpen, überragt die Tour ins Wörgetal

Zugegeben, es ist kaum schweißtreibend, wenn man die Bergbahn nach Hochötz nimmt. Ruck-Zuck ist man auf mehr als 2.000 m Seehöhe. Und dennoch: die anschließende Wanderung zum Wetterkreuz ist gar nicht soooo ohne wie es ausschaut.

Der Blick in die Ötztaler Alpen. Ganz links: der fundusfeiler
Der Blick in die Ötztaler Alpen. Ganz links: der Fundusfeiler

Nahezu 600 Höhenmeter müssen auf dem Weg zum Wetterkreuz überwunden werden. Aber die sind garniert mit einer Aussicht, die ihresgleichen sucht. Tief unten, quasi senkrecht abfallend, das Vordere Ötztal. Nach Norden reicht der Blick weit hinein ins Karwendelgebirge, ja man kann sogar die Zugspitze sehen.

Das Wetterkreuz, immerhin knapp 2.600 m hoch.
Der Wetterkruezgipfel, immerhin knapp 2.600 m hoch.
Schafe bevölkern das Wörgetal, wie man unschwer auf diesem Foto sieht. Dieses Tier wollte ganz einfach auf ein Selfie. Wohlandenn!
Schafe bevölkern das Wörgetal, wie man unschwer auf diesem Foto sieht. Dieses Tier wollte ganz einfach auf ein Selfie. Wohlandenn!

Beim Wetterkreuz beginnt das Wörgetal. Genauer: das hintere Wörgetal. Ein Tal wie aus dem Bilderbuch, ja wie aus einem Pracht-Bildband der Schönheiten Tirols. Der Tourismus hat hier noch nichts wirklich Negatives hinterlassen. Mit Ausnahme meines rekonstruierten Knappenhauses samt seines kleinen Museums und einer Pochermühle, die an die Zeiten der Metallsuche im Wörgetal erinnern. Sie sind – ich möchte das einmal so sagen – Ausdruck meiner Auffassung von nachhaltigem Tourismus.

Das grandiose Panorama im Wörgetal
Das grandiose Panorama der Stubaier Alpen vom Wetterkreuzsattel aus gesehen.
In diesen Felsen suchten mittelalterliche Knappen nach Metall.
In diesen Felsen suchten mittelalterliche Knappen nach Metall.

Im Mittelalter sah es in diesem Tal völlig anders aus. Da schürften Knappen nach seltenen Erzen, die in der Pochermühle zerkleinert und dann im Tal, genauer in der Ötzer ‚Tuiflsschmitte‘ vermutlich zu Barren gegossen worden waren.

Ein vor 10 Jahren im Bergwerk geborgener Grubenhunt ist bis heute verschollen.
Ein vor 10 Jahren im Bergwerk geborgener Grubenhunt ist bis heute verschollen.

Man muss sich das vorstellen: der Abbau erfolgte in einem Bergwerk auf 2.500 m Seehöhe, das heute noch sichtbar aber nur unter Lebensgefahr begehbar ist. Noch immer sind Grundmauern kleinerer ‚Scheidhäuser‚ vor der Mine sichtbar. Hier wurde taubes von metallhaltigem Gestein getrennt. Auch eine regelrechte Straße, die mit Steinen ausgelegt ist, besteht noch.

Vom Stollenausgang weg wurden die erzhaltigen Steine zuerst zum ‚Scheidhaus‘ und dann zur Pochermühle transportiert. Hier wurden die metallhaltigen Brocken zerstampft. Der Gesteinssand wurde anschließend in mit Wasser gefüllte Kübel gegeben, das Erz war schwerer und sank auf den Boden. Dieses Substrat wurde dann in die Tuiflsschmitte getragen oder sogar mit Ochsen ins Tal gekarrt.

Das Knappenhaus im Wörgetal. Für Ausflügler sind beim Knappenhaus Sitzgelegenheiten vorhanden.
Das Knappenhaus im Wörgetal. Für Ausflügler sind beim Knappenhaus Sitzgelegenheiten vorhanden.
Ein Tal, das im Juni ganz im Rot der Almrosen aufgeht.
Ein Tal, das im Juni ganz im Rot der Almrosen aufgeht.
Der Puchersee am Ausgang des Wörgetales: wie im Märchen.
Der Puchersee am Ausgang des Wörgetales: wie im Märchen.

Deshalb auch der Namen des Sees am Ausgang des Tales: Puchersee, was von ,pochen‘, also vom zerkleinern der metallhaltigen Steine stammt.

Sehenswert ist auf jeden Fall das kleine Museum im Knappenhaus, das einen Eindruck davon gibt, wie die Metallsucher früher gelebt hatten.

Das sind die neuen Wächter des Wörgetales: urtümliche schottische Hochlandrinder.
Das sind die neuen Wächter des Wörgetales: urtümliche schottische Hochlandrinder, die wilder aussehen als sie sind.

Der Abstieg aus dem Wörgetal führt dann zur ‚Oberen Iss Alm‘ und weiter zur Unteren Iss Alm. Wenn sich auf diesem Weg plötzlich Tiere mit riesigen Hörnern in den Weg stellen, keine Angst. Es handelt sich um schottische Hochlandrinder, die normalerweise sehr scheu und friedlich sind.

Meine Tipps:

  • Fahren Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Bus von Ötztal-Bahnhof hält direkt bei den Bergbahnen Ötz. Die Rückfahrt erfolgt dann von der Unteren-Iss-Alm wieder mit dem öffentlichen Bus.
  • Nehmen Sie genügend Wasser mit. Im Wörgetal gibt es keinen offiziellen Trinkwasserbrunnen.
  • Sie können das Pochwerk beim Knappenhaus in Bewegung setzen. Sie müssen lediglich den Schieber einige Meter oberhalb des Werkes öffnen. Vergessen Sie bitte nicht, diesen Schieber wieder zu schließen.
  • Neben der Knappenhütte finden Sie Tische und Bänke, die zum Pick-Nick einladen.

Ja, noch was: Die mittelalterlichen Metallgewinnungsmethoden werden in der Knappenwelt Tarrenz ganz hervorragend dargestellt. Wer das Wörgetal besucht, sollte sich die Knappenwelt nicht entgehen lassen. 

Ein Gedanke zu “Märchenlandschaft Wörgetal

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s