Eine Klamm wie aus dem Albtraum-Buch

Die Gleirsch-Klamm bei Scharnitz bietet Abenteuer pur. Sie ist eine der wenigen Schluchten in Tirol, die den Schluchtenwanderern einigen Mut abverlangt.

Man hält‘s ja kaum für möglich: Im übertechnisierten, digitalisierten und planierten Urlaubsland Tirol gibt es noch eine Sehenswürdigkeit, für die es einigen Mut braucht, will man sie besichtigen. Ich rede von der außergewöhnlichen Gleirschklamm bei Scharnitz.

Der Eingang zur Klamm
Der Eingang zur Klamm

Ich geb es zu: ich habe diese Klamm für mich aus purem Zufall entdeckt. Als ich nämlich beschloss, die 21 km von der Pfeishütte nach Scharnitz zu Fuß zu gehen. Via Möslalm, die doch einigermaßen bekannt sein dürfte. Und es war bei einem Kaffee auf dieser Alm, bei dem mich eine Frau darauf aufmerksam machte, dass mir etwas entginge, wenn ich die Gleirsch-Klamm nach Scharnitz quasi links liegen ließe. Na gut, ich tat was sie mir geraten hatte.

Immer in direktem Kontakt mit dem Gleirschbach
De Gleirschbach und den Weg hält man besser genau im Auge. Ein Fehltritt wäre überhaupt nicht lustig.

Ich entdeckte ein faszinierendes Naturdenkmal, das offenbar eine lange Geschichte hat. Denn hier wurde ‚getriftet‘. Die Geschichte der ,Trift‘, also des Flößens von Holz durch die Gleirschklamm musste eine verwegene gewesen sein, wurde sie doch schon im 16. Jhdt. urkundlich erwähnt. Ungeheuere Holzmengen – das geht aus den Aufzeichnungen hervor – wurden aus dem Karwendel auf dem Glierschbach – und somit durch die Klamm – talwärts befördert.

In Alpträumen sieht man ähnliche Brücken: ohne Geländer, links und rechts gehts hinunter.
Solche Brücken-Stege kennt man meist aus den eigenen Alpträumen: links und rechts geht’a hinunter. Ein Geländer ist erst gar nicht vorhanden. Gleichgewichtstraining quasi.

War das Holz dann mit viel Mühe durch die Gleischklamm getriftet, wurde es zu Flößen zusammen gebunden die wiederum in Mittenwald beladen worden waren. Diese Waren wurden dann teilweise bis nach Wien und sogar darüber hinaus transportiert.

Wer heute durch die Klamm wandert, kriegt hautnah die Gefährlichkeit des Triftens oder eben des Flößens mit. Schmale Pfade, rutschiges Terrain und steil abfallende Schluchtwände prägen dieses Naturwunder. An den Schmalstellen wird auch der Weg schmal, den mutigen Wandersleuten werden hier jedoch Stahlseile angeboten, an denen man sich festhalten bzw. sichern kann.

Die letzte Brücke in der Gleirschklamm. Man ist irbendwie froh, das Abenteuer hinter sich zu haben.
Die letzte Brücke in der Gleirschklamm. Man ist irbendwie froh, das Abenteuer hinter sich zu haben.

Besonders entzückend sind die hölzernen Stege, bar jedes Geländers. Das ist nicht wirklich gefährlich aber dennoch ungewöhnlich. Abenteuerlich eben. Irgendwie war ich auch froh. Es gibt sie also doch noch: die wahren Abenteuer in Tirol.

Die hölzeren Stege allein sind nicht wirk.ich vertrauensbildend. Zusammen mit den in den Felsen eingelassenen Stahlseilen ergibt sich jedoch ein sicherer Aspekt.
Die hölzeren Stege allein sind nicht wirk.ich vertrauensbildend. Zusammen mit den in den Felsen eingelassenen Stahlseilen ergibt sich jedoch ein sicherer Aspekt.

Vom Ausgang der Schlucht bis nach Scharnitz sind es noch rund 50 Minuten, die aber zum Großteil entlang der türkis funklenden Isar führen. Und natürlich auch an einem Rastplatz vorbeiführen: der Scharnitzer Alm.

Die Isar bei Scharnitz
Die Isar bei Scharnitz

Meine Tipps für einen Klammausflug:

  • Von Scharnitz aus können Mountainbikes gemietet werden, mit denen man zur Möslalm fährt. (8 €). Von der Alm aus talwärts, nach rund 3/4 Stunden ist der Klammeinstieg erreicht.
  • Die Klammtour selbst dauert rund 1 Stunde. Gutes Schuhwerk und Trittsicherheit sind erforderlich.
  • Bei Regenwetter rate ich von einer Klammtour dringend ab. Die Wege sind dann zu nass und zum Begehen zu gefährlich.

3 Gedanken zu “Eine Klamm wie aus dem Albtraum-Buch

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