Stadtschlucht? Imst hat sie!

Vermutlich in keiner anderen Stadt der Welt ist es möglich, vom Stadtkern aus eine Schlucht zu betreten. Aber Imst ist eben anders.

Ich mach jetzt nicht auf Lokalpatriotismus. Schon gar nicht bezahlte Werbung. Aber die Imster Rosengartenschlucht ist ein Unikum, ist ein Juwel. Eigentlich eine Sensation. Das wissen vermutlich die wenigsten Tiroler_innen. Und genau deshalb stelle ich diese – wie ich glaube – in Europa einzigartige Stadtwanderung vor.

Blick aus der Schlucht auf die Stadtmitte von Imst.
Blick aus der Schlucht auf die Stadtmitte von Imst.

Dort, wo andere Städte mit Parks und anderen künstlichen Freizeiteinrichtungen protzen (Erholung und so) setzt Imst noch einen drauf. Wo, mit Verlaub, gibt’s noch eine Stadt, in der eine zerklüftete Klamm Teil des Stadtzentrums ist?

Sicher, man ist in Imst einerseits dem Stadtnamen verpflichtet. „Opido humiste“ – „hervorsprudelnde Quelle“ – wurde das alte Bergwerkstädtchen bereits 763 in Dokumenten genannt. Damit war vermutlich auch ein Bach gemeint, der sich von Hochimst ausgehend regelrecht durch das Kalkstein ‚gefräst‘ hat: der Schinderbach.

Nomen est omen: der Schinderbach hat sich tief in die Kalkfelsen von Imst eingefräst und die Rosengartenschlucht geschaffen. Respekt!
Nomen est omen: der Schinderbach hat sich tief in die Kalkfelsen von Imst eingefräst und die Rosengartenschlucht geschaffen. Respekt!

Und was die  ‚hervorsprudelnden Quellen‘ anlangt: sie sind heute noch allerorten in der Stadt sichtbar. Imst besitzt 35 öffentliche Brunnen aus denen wohlschmeckendes, bestes und sauberstes Trinkwasser fließt. Gratis. Welch ein Luxus!

Einer der vielen sogenannten 'Gumpen' in der Rosengartenschlucht. Hier wird das Wasser wunderbar türkis.
Einer der vielen sogenannten ‚Gumpen‘ in der Rosengartenschlucht. Hier wird das Wasser wunderbar türkis.

Zurück zum Schinderbach. Welch ein Name! Welch eine Schlucht. Direkt von der Stadtmitte aus zu betreten. Vor der Johanneskirche links abbiegen und schon ist man in einer anderen Welt. Vorbei an einer Häuserzeile, die regelrecht in den Berg – einem uralten Schotterhaufen – geschlagen wurde. Dieser Haufen wurde vor etwa 25.000 Jahren von einem der riesigen Gletscher ganz einfach liegen gelassen.

Häuser am Ausgang der Rosengartenschlucht: in's 'Bergl', einen postglazialen Schotterhaufen  hineingebaut.
Häuser am Ausgang der Rosengartenschlucht: in’s ‚Bergl‘, einen postglazialen Schotterhaufen hineingebaut.
Eine Expedition in die Rosengartenschlucht ist auch immer eine Reise durch die geologische Vergangenheit.
Eine Expedition in die Rosengartenschlucht ist auch immer eine Reise durch die geologische Vergangenheit.

Einige Steinwürfe weiter wird’s dann ernst: die Rosengartenschlucht beginnt. Und damit auch eine Exkursion in die geologische Vorzeit. Man wandert an 230 Mio. alten Steinen vorbei. Und kann ein Mikroklima bewundern, wie es ausgesprochen selten so angetroffen wird. Die feinen Aerosole des Wassers nähren das Wachstum von seltenen Farnen, Moosen und Algen.

Teilweise fühlt man sich wie ein Bergmann in der Rosengartenschlucht: schmale Tunnel sind nötig, um die Schlucht überhaupt begehbar zu machen.
Teilweise fühlt man sich wie ein Bergmann in der Rosengartenschlucht: schmale Tunnel sind nötig, um die Schlucht überhaupt begehbar zu machen.

Über Stege, Stiegen und Brücken geht’s dann aufwärts. Entlang des tosenden Schinderbaches, der sich in türkisen Gumpen tummelt aber auch über Kaskaden abstürzt. Einmal ganz nah am Wasser und dann wieder hoch über den Klüften verläuft der Weg bis zur Blauen Grotte.

Die Blaue Grotte. So genannt nach einem kleinen See, der aber in meinem Fall erst gar nicht vorhanden war. Hier wurde in der Antike schon Erz abgebaut.
Die Blaue Grotte. So genannt nach einem kleinen See, der aber in meinem Fall erst gar nicht vorhanden war. Hier wurde in der Antike schon Erz abgebaut.

Diese von Menschen angelegte Höhle ist sozusagen ein Symbol für diese Region: sie wurde von Metallsuchern geformt, die vermutlich schon vor den Römern begonnen haben, hier Erze abzubauen. Und zwar mit der Feuersetzungstechnik: die Felsen wurden erhitzt und dann mit Wasser abgekühlt. Worauf die Steine zerbarsten und leicht entfernt werden konnten.

Am Ausgang der Schlucht vor Hochimst betritt man einen duftenden Föhrenwald.
Am Ausgang der Schlucht vor Hochimst betritt man einen duftenden Föhrenwald.

Der Weg führt weiter durch einen durftenden Föhrenwald und entdet in Hochimst an einem kleinen See. Und da hab ich auch noch einen Tipp: besonders gemütlich ist der anschließende Kaffee oder das Bier im Waldcafé. Einem Gast- und Rasthaus mit schönem Blick auf den kleinen, grünen See.

Dieser kleine grüne See ist quasi die Belohnung für den doch schweißtreibenden Aufstieg durch die Schlucht nach Hochimst. Im Wald Cafe kann man sich aber stärken und diesen schönen Ausblick genießen.
Dieser kleine grüne See ist quasi die Belohnung für den doch schweißtreibenden Aufstieg durch die Schlucht nach Hochimst. Im Wald Cafe kann man sich aber stärken und diesen schönen Ausblick genießen.

Geführte Wanderung durch die Rosengartenschlucht

Am intensivsten erleben Sie die wildromantische Imster Schlucht und die Blaue Grotte bei der geführten geologisch-botanischen Rundwanderung jeden Montagvon Mai – Oktober von 14.00 – 17.30 Uhr (kostenlos für Gäste der Ferienregion Imst, sonst € 1,-). Anmeldung in den Infobüros.

Führungen für Gruppen (jederzeit auf Anfrage möglich):

€ 70,- für Gruppen bis 20 Personen
€ 140,- für Gruppen bis 40 Personen
Reservierung: Imst Tourismus
Zeitbedarf: ca. 3 Stunden (hin & retour)
Gutes Schuhwerk erforderlich!

Einige Daten der Rosengartenschlucht:

Länge: 1,5 km
Höhenunterschied: 250 m
Dauer des Aufstiegs: rund 1 1/2 Stunden
Die Schlucht kann nicht mit Kinderwägen oder Rollstühlen bewältigt werden. Aber: Kinderückentragen gibt’s für Gäste der Ferienregion Imst im Tourismusbüro.

Die Rosengartenschlucht kann sehr gut mit Hunden erkundet werden!

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