St. Magdalena im Gschnitztal, das Märchen-Kirchlein

Tirol ist reich an Wallfahrtskirchen und -kapellen. Meist an exponierten Stellen gelegen, sehr oft in luftigen Bergeshöhen. Die Schönste unter all dieser Kirchlein ist für mich Sankt Magdalena im Gschnitztal. Ich möchte Euch also motivieren, diesen wundervollen Platz aufzusuchen.

Es gibt sie noch, die wahrhaftigen Wallfahrtskirchen. Weder mit dem Bus, Auto, Motorrad noch mit anderen Krawallmachern zu erreichen. Nur zu Fuß. Die einstige Einsiedelei auf Sankt Magdalena liegt auf 1.666 m Seehöhe. Das bedeutet, dass die rund 420 Höhenmeter von Gschnitz aus zu Fuß zu überwinden sind. Und das ist gut so.

Als Anreise zum Ausgangspunkt empfehle ich den öffentlichen Bus. Er hält direkt am Ausgangspunkt der Wanderung, bei der Station Gschnitz-Erhartlerhof. Dann liegen nurmehr 1,5 Stunden allerdings schweißtreibender Bergwanderung vor den Wallfahrer_innen.

Am Fuß des Kultberges. Von hier aus sind's noch 420 Höhenmeter in ungefähr 1 1/2 Stunden

Am Fuß des Kultberges. Von hier aus sind’s noch 420 Höhenmeter in ungefähr 1 1/2 Stunden

Dieser Aufstieg ist mit dem Erklimmen eines riesigen, hohen Kirchturms zu vergleichen, der inmitten einer sagenhaften Bergwelt liegt und Ausblicke freigibt, die einem immer wieder den Atem rauben. Da türmen sich die Stubaier Alpen majestätisch vor dem staunenden Auge auf, Habicht, Ilmspitze und Kirchdach. Dort blinken die letzten Schneefelder am Muttenkopf. Und die ersten roten Alpenrosenblüten öffnen sich zaghaft.

Meinen Zugang zu diesem gleißenden Karfunkelstein Tiroler Wallfahrtsorte verdanke ich Prof. Jörg Purner und einem seiner Beiträge im Tiroler Bauernkalender über Kraftorte in Tirol. Purner schilderte diesen Platz als ganz außergewöhnlichen Ort, ja sogar als einen der stärksten Tiroler Kraftplätze.

Der wunderschöne Blick während des Aufstieges nach St. Magdealena

Der wunderschöne Blick während des Aufstieges nach St. Magdalena

Eine Postkartenidylle: die wohl schönste Wallfahrtskirche Tirols am schönsten Platz

Eine Postkartenidylle: die wohl schönste Wallfahrtskirche Tirols am schönsten Platz

Neue Wirte auf St. Magdalena

Oben angekommen, betritt man dieses Heiligtum durch die Tür der Einsiedelei. Es folgt ein längerer Gang mit Stufen, sozusagen die letzten Meter ins Paradies. Denn dann betritt man den Platz hinter dem Kirchlein, den ich tatsächlich als paradiesisch bezeichne. Anfang Juni blühen hier jene Blumen, die für mich die schönsten gelb-blühenden Alpenblumen sind: die Trollblumen. Massenhaft strecken ihre runden, dottergelben Köpfchen der Sonne entgegen. Tische und Bänke laden zur Rast und vor allem zum Genießen ein. Seit dem heurigen Frühjahr werden Wallfahrer_innen und Ausflügler_innen von Anne Brugger und Roman Gander bekocht! 

Das mundet: Peter Prangers belegtes Brötchen. Mit Speck und Ei.

Das mundet: Ein ‚belegtes Brötchen‘. Mit Speck und Ei a la Magdalena.

Man sollte es nicht versäumen, das Kirchlein und die anschließende Eremitage, also den Raum des Einsiedlers zu besichtigen. Die Fresken in der Kirche stammen aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts, sind also teilweise romanischer Natur. Und: es handelt sich hier um die ältesten Wandmalereien Tirols. Ich empfehle den p.t. Leser_innen sehr, ein  kleines Büchlein – einen Minikunstführer – bei den Wirtsleuten zu erwerben. Darin werden Kirche, Fresken und allerlei interessante Begebenheiten erläutert.

Die Fresken im rückwärtigen Bereich der Kirche

Die Fresken im rückwärtigen Bereich der Kirche

Wer nun eigentlich dieses Kirchlein erbaut hatte bleibt ungeklärt. Urkundlich ist es erstmals 1307 erwähnt. Der Platz war aber schon damals berühmt, soviel steht fest. Meines Erachtens handelt es sich um einen uralten vorchristlichen Kultplatz, den die Christen jetzt eben auch nutzen. Kaiser, Könige, Fürsten und Edelleute versahen das Kirchlein im Mittelalter immer wieder mit Stiftungen. Selbst Kaiserin Maria Theresie kannte das Magdalenenkrichlein, dem sie jährlich 1000 Gulden zukommen ließ. Magdalena war also reich!

Das änderte sich, als Josef II. die Auflösung aller Klöster verfügte. Und St. Magdalena wandelte nicht nur geografisch sondern auch bautechnisch am Abgrund. Bis zwischen 1960 und 1972 grundlegende Sanierungsarbeiten durchgeführt worden sind, die vor allem die fragilen und äußerst wertvollen Fresken vor der Zerstörung bewahrten.

Und dann in die Pumafalle

11427226_1641144502771051_1645165311630932686_n

Der Gschnitzbach bei Trins

Meine Empfehlung ist es, nach dem Abstieg den Weg nach Trins zu nehmen. Einerseits führt er am wunderschön dahinrauschenden Gschnitzbach entlang. Andererseits kommt man direkt an einem Wirtshaus vorbei, dessen Namen allein schon für Aufmerksamkeit sorgt: die Pumafalle. Weshalb ich das empfehle? Weil in der Pumafalle ehrliche, regionale Produkte  verkocht werden.

Und von der Pumafalle ist’s dann nicht mehr weit ins Ortszentrum von Trins, von wo aus der Bus wieder nach Steinach fährt.

Meine Tipps auf einen Blick:

– Von Steinach ab fährt ein Bus nach Gschnitz. Aussteigen bei der Station Gschnitz-Erhartlerhof; die Rückfahrt kann dann frei gewählt werden, man ist nicht mehr auf den Parkplatz des Autos fixiert.

– Das Bauernbrot mit Speck und Eiern auf St. Magdalena ist meine Essensempfehlung. Und danach ein Kaiserschmarren, der schließt den Magen;

– Die Magdalenenkapelle hat auch einen Facebook-Account

4 Gedanken zu “St. Magdalena im Gschnitztal, das Märchen-Kirchlein

  1. Pingback: Eine Beschreibung der Seele Tirols – Tirol isch toll

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.