Nach Padaun auf versteckten Pfaden

Padaun. Ein Ort auf Sumatra? Oder gar in China? Mitnichten. Padaun ist ein kleines alpines Juwel in Tirol.

Was wurde das Wipptal nicht schon alles genannt: ,Durchhaus Europas‘, ,Verkehrshölle‘, oder ,Transitbrutalität‘ sind nur einige der erschreckenden Bezeichnungen. Wer würde also ‚aus der hohlen Hand heraus‘ annehmen, dass die Seitentäler des Wipptales zu den schönsten und naturbelassensten Tälern Tirols zählen. Noch nicht versaut vom Massentourismus. Nicht vollgeklotzt mit schiachn Hotelklötzen, stinkenden Schnapsbuden oder öltriefenden Fast-Food-Ständen. Ja, es gibt sie noch, die kleinen alpinen Juwele. Eines von ihnen nennt sich Padauntal oder Padaun-Sattel.

Blick vom Padaunsattel ins Valsertal zum Olperer.
Blick vom Padaunsattel ins Valsertal zum Olperer.

Ich kann ja ehrlich sein: Padaun als Ortschaft oder als Tal hab ich bis vor einigen Wochen auch noch nicht gekannt. Erst die Beschäftigung mit dem Tiroler Jakobsweg hat mich auf diese kleine, verstecke Perle aufmerksam gemacht. Kein Wunder: Padaun stand offenbar vor allem bei Spezialisten schon immer hoch im Kurs. War es doch vor allem im Mittelalter eine elegante Möglichkeit, vom Brennerpass aus die Enge bei Lueg und dessen früher martialische Burg zu umgehen. Das haben offenbar auch Pilger_innen getan. Logischerweise schätzten vor allem Schmuggler diesen kleinen Umweg. Der Weg war denn auch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts ein beliebter Schmuggelpfad. Wollte man deshalb den Namen Padaun nicht an die ganz große Glocke hängen?

Der Weg vom Brennersee nach Padaun 'schlängelt' sich im wahrsten Sinn des Wortes nach oben.
Der Weg vom Brennersee nach Padaun ’schlängelt‘ sich im wahrsten Sinn des Wortes nach oben.

Ich machte mich also vom Brenner in Richtung Padaun auf den Weg. Vom Bahnhof weg führt der Fußweg oberhalb des türkisfarbenen Brennersees in Richtung Padaun. Bis zur Abzweigung des ,Schmugglerpfades‘ ist‘s ein Güterweg. Dann wird der Weg zum Pfad, der doch einige Trittsicherheit verlangt.

Nach einer weiteren halben Stunde auf dem Schmugglerpfad öffnet sich urplötzlich der Wald und saftige Wiesen erfreuen das Auge des Wanderers.

Verschämt sieht man noch die alte Trasse des Schmugglerpfades beim Erreichen Padauns.
Verschämt sieht man noch die alte Trasse des Schmugglerpfades beim Erreichen Padauns.
Wo gibt's das noch: Durch ein Blütenmeer schreitet der überraschte Tourist / die entzückte Touristin auf den Larcher-Hof zu. Quasi auf Hochgebirgsrasen!
Wo gibt’s das noch: Durch ein Blütenmeer schreitet der überraschte Tourist / die entzückte Touristin auf den Larcher-Hof zu. Quasi auf Hochgebirgsrasen!
Der Bacher-Bergbauernhof: eine Fotoidylle der absoluten Sonderklasse. Meine Empfehlung: Urlaub am Bauernhof!
Der Bacher-Bergbauernhof: eine Fotoidylle der absoluten Sonderklasse. Meine Empfehlung: Urlaub am Bauernhof!
Sinnspruch über der Tür
Sinnspruch
Im Inneren der Kapelle
Im Inneren der Kapelle

Eine kleine Kapelle taucht nicht zufällig auf. Vermutlich haben hier einst die Schmuggler eine kurze Gebetsrast eingelegt. Sie wurde und wird heute aber von Menschen mit Sehschwächen aufgesucht in der Hoffnung, durch die Gebete in der Kapelle eine Linderung ihres Leidens zu erreichen. Denn der Christus im kleinen Kirchlein hält seine Augen angeblich geschlossen. Was mir bei meinem Besuch nicht aufgefallen wäre muss ich zu meiner Schande gestehen. 

Die Trollblumen gehören zu meinen Lieblingsblumen wie auch ...
Die Trollblumen gehören zu meinen Lieblingsblumen wie …
...der wunderschönen Orchidee namens Knabenkraut
…die wunderschöne Orchidee namens Knabenkraut

Weshalb ich vom Padauner Sattel, diesem kleinen Hochtal so begeistert bin? Ganz selten kann man in Tirol noch alpine Blumenwiesen mit einer derartigen Blütenvielfalt sehen wie hier. Vom Knabenkraut über Alpennelken, Soldanellen bis hin zu den wunderschönen, einzigartigen Trollblumen. Die anderen 1000 verschiedenen Blumennamen hab ich grad nicht im Kopf. Ein wahres Paradies für Naturliebhaber_innen. Und das wird es auch bleiben.

Denn das Valsertal ist zum Großteil ein betreutes Naturschutzgebiet ,Natura 2000‘. Was sich so formell anhört ist hier auch wirklich sinnlich erfassbar: so üppige Blumenwiesen mit einem betörenden Duft gibt es nur noch selten. Dass St. Jodok, das Schmirn- und Valsertal mit dem Titel ‚Bergsteigerdörfer‚ geadelt worden sind, ist deshalb auch mehr als nur gerechtfertigt.

Die Wiesen sind Anfang Juni ein Blütenmeer. Betörend schön.
Die Wiesen sind Anfang Juni ein Blütenmeer. Betörend schön.

Auf einem ausgebauten Weg wandert man inmitten eines faszinierenden Bergpanoramas in Richtung Vals. Natürlich mit dem Ziel, hier einen Kaffee zu trinken und etwas zu essen. Und genau dafür gibt‘s den Berggasthof Steckholzer. Und was mich am Steckholzer so überzeugt: neben ,Urlaub am Bauernhof‘ werden hier auch regionale Köstlichkeiten aus eigener Bio-Produktion angeboten. Hausgemachter Speck, Almbutter, Graukäse, Topfen und Milch vom eigenen Hof. Aber auch Rind-, Kalb- und Schweinefleisch aus eigener Zucht. Ja, und noch was: ich habe gesehen, wie Kuchenstücke serviert worden sind, die ihresgleichen suchen. Mindestens 10 cm hoch…

Das Gasthaus Steckholzer in Padaun: Urlaub am Bauernhof und Schmankerln vom eigenen Hof. Wenn das kein Versprechen ist. Bild: www.padaun.at
Das Gasthaus Steckholzer in Padaun: Urlaub am Bauernhof und Schmankerln vom eigenen Hof. Wenn das kein Versprechen ist. Bild: http://www.padaun.at

Der Abstieg ins Valsertal und weiter nach St. Jodok führt zuerst an einem rauschenden Bächlein vorbei bevor der Weg im wunderschönen Hochwald für längere Zeit unterschlüpft. Vorbei an weidenden Rindern. Ich habe mich gefragt, ob die Bauern eine neue Art der Waldweide pflegen? Immer wieder geben die Bäume aber den Blick ins Valsertal frei, auch zum mächtigen Gebirgsstock des Olperer.

Entlang eines gurgelnden Bächleins gehts talwärts.
Entlang eines gurgelnden Bächleins gehts talwärts.
Der Blick auf den Olperer
Der Blick auf den Olperer
Diese Schönheit war sich nicht zu schade, für mein Foto zu posieren. Ein Wald-Weide-Kälbchen quasi.
Diese Schönheit war sich nicht zu schade, für mein Foto zu posieren. Ein Wald-Weide-Kälbchen quasi.

Eine völlig neuartige Erfahrung war es für mich, ein Dorf wie St. Jodok durch eine noble Pforte zu betreten. Da die Eisenbahn den Ort ja quasi umkurvt ist er zu Fuß nur durch diesen kleinen Tunnel erreichbar. Ebenso übrigens wie der Alpeiner Bach, der durch eine eigene Pforte nach St. Jodok fließen ‚darf‘.

Wie im Mittelalter: Wanderer betreten St. Jodok vom Valsertal her kommend durch eine Pforte...
Wie im Mittelalter: Wanderer betreten St. Jodok vom Valsertal her kommend durch eine Pforte…
Die Kirche St. Jodok mit dem fein sanierten Widum. Ein wirklich schönes Ensemble.
Die Kirche St. Jodok mit dem fein sanierten Widum. Ein wirklich schönes Ensemble.

Die wichtigsten Daten:

  • Aufstieg Brenner-Padaun: ca. 1,5 Stunden über den Schmugglersteig. Über die Fahrstraße etwas länger.
  • Abstieg nach St. Jodok / Valsertal: rund 1 Stunde.
  • Padaun ist selbstverständlich auch mit dem Auto erreichbar. Das wär‘ ja noch schöner. Oder?
  • Eine tolle WebSite über’s Padaun gibt’s auch.
  • Mein Tipp: öffentliche Verkehrsmittel benützen. Denn St. Jodok ist hervorragend an das ÖBB-Schienensystem angebunden!

Link für weitere Informationen zu St. Jodok, Schmirn- und Valsertal auf der Website des Wipptal-Tourismus

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