Tausende Schafe ziehen wieder ins Ötztal

Es ist ein jährlich stattfindendes Spektakel wenn tausende Südtiroler Schafe mit ihren Hirten auf den Nordtiroler Hochalmen eintreffen.

Zwei Tage lang sind Mensch und Tier unterwegs, überqueren Alpenpässe, Schneefelder und sogar einen Gletscher. Es ist die eindrucksvollste Transhumanz in Europa. Heuer treffen die ersten Schafe am 6. Juni am frühen Nachmittag auf den Weiden oberhalb von Vent ein.

Diese Route könnte schon der Mann im Eis, gemeinhin als Ötzi bezeichnet, verwendet haben. Nämlich den Weg vom Südtiroler Schnalstal ins Niedertal bei Vent (Nedertal, um genau zu sein) über den 3.000 m hohen Similaunpass.

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Die Hirtenhütte im Nedertal mit Blick auf den alles überragenden, majestätischen Similuan.

Bis zu 44 km (!) über Stock und Stein, Eis und Schnee haben Mensch und Tier in den Beinen, wenn sie in Vent eintreffen. Eine wahrlich stolze Leistung. Vor allem deshalb, weil vom Südtiroler Vinschgau her gleich zwei Pässe überwunden werden müssen: das Taschenjöchl und der Similaunpass.

Den Schafen und ihren Hirten wird auf der zweitägigen Transhumanz viel abverlangt. Vor allem den Jungen Lämmern, die ihre Mütter auf die Wochweiden begleiten.
Den Schafen und ihren Hirten wird auf der zweitägigen Transhumanz viel abverlangt. Vor allem den Jungen Lämmern, die ihre Mütter auf die Wochweiden begleiten.

Eigentlich findet die Transhumanz in zwei unabhängigen Überquerungen statt. Heuer werden am 6. Juni rund 2.200 Schafe und 300 urtümlich aussehende Ziegen (deren Böcke meist ganz stinken fürchterlich stinken!)  über die Similaunhütte zur Niedertal-Alm auffahren. Der erste Teil der Herde startet bereits um 3 Uhr morgens in Vernagt.

Am Ziel. Die Schafe essen begierig die ersten Kräuter auf den Hochweiden.
Am Ziel. Die Schafe essen begierig die ersten Kräuter auf den Hochweiden.

Wer am 6. Juni nicht die Zeit findet, diese wunderbare, vermutlich schon jahrtausendealten Almauftrieb vor Ort mit zu erleben kann das am 13. Juni nachholen. Dann wird nämlich eine zweite Herde bestehend aus rund 1.500 Schafen von Kurzras aus über das 2.850 m hohe Hochjoch wandern. Vorbei an der Schutzhütte Schöne Ausicht und dann weiter bis zur Rofenberg Alm.

Und jährlich hoffen die Hirten, alle Schafe unversehrt ins Ötztal zu bringen.
Ein achretypisches Bild: der Hirte mit seiner Herde.

Keine Tirolerin und kein Tiroler sollte es sich entgehen lassen, wenigstens einmal im Leben diesen urtümliche, ja archaischen Almauftrieb erlebt zu haben. Am besten wandert man die etwa 2-3 Stunden zum Samoar-Haus (früher Martin Busch Hütte, die aber vermutlich noch nicht bewirtschaftet ist) und erwartet dort die Schafe.

Also: eine unglaublich schöne Wanderung im Anblick des Similaun verbinden mit einer uralten, um nicht zu sagen antiken Tiroler Tradition.

 

6 Gedanken zu “Tausende Schafe ziehen wieder ins Ötztal

  1. Auf 2/3 der Strecke sind mir die ersten Schafe entgegen gekommen und ich habe dann erst mal Jause gemacht. War dann von ca. 13.20h bis 13:45h an der Martin Busch Hütte und dann wieder runter. Bist Du mir auf dem Weg zur Hütte entgegengekommen? Da war einer, der hättest Du sein können😉 Ich war mit einem türkisen Kopftuch und Stöcken unterwegs :-)))

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