Südtiroler Fische schwimmen bauchaufwärts

Die Agrarchemie sei ungefährlich, hieß es. Jetzt schwimmen in einem Fluss in Südtirol die Fische mit dem Bauch nach oben.

Was haben die Obstbarone und die mit ihnen unter einer Decke steckenden SVP-Politiker_innen nicht alles behauptet: der ,integrierte Obstbau‘ in den Apfelmonokulturen sei ungefährlich. Die Chemie sei quasi ein Lercherl, schade niemanden und nütze allen. Ja, sogar die Bienen wurden in die Pflicht genommen: der integrierte Obstbau sei eine Win-Win-Situation für Imker UND Obstbarone. Denn das alles sei ja bei richtiger Anwendung so richtig ungiftig, für Menschen, Tiere und Bienen.

Und die Probleme mit der sogenannten Abdrift, dem Verwehen der Giftschwaden? Das habe man nun ein für allemal gelöst. Mit neuen Düsen etc., in die die Obstbauern investiert hätten. Resumé: man habe alles voll im Griff. Es sei wie immer alles paletti südlich des Brenners.

Das Problem mit dem Verwehen der Giftschwaden? Das ist mit neuer Technologie gelöst meinen die selbsternannten Experten in Südtirol.
Das Problem mit dem Verwehen der Giftschwaden? Das ist mit neuer Technologie gelöst meinen die selbsternannten Experten in Südtirol.

Der zuständige Agrar-Landesrat Arnold Schuler debutierte sogar in einer neuen Rolle: als Vorkämpfer für Bio-Äpfel. Zumindest auf Facebook. Da haben nicht nur die Rosse in der gefürsteten SVP-Edelweiß-Grafschaft Bozen gewiehert. Aber ich bin mir auch ganz sicher: der schöne Arnold ahnt schon lange, was da auf ihn zukommt.

Diese Kampagne zeigt die Hilflosigkeit von Arnold Schuler, dem giftigen Treiben der Obstbauern in Südtirol Einhalt zu gebieten. Deshalb lobt und preist er offenbar die Bio-Äpfel.
Diese Kampagne zeigt die Hilflosigkeit von Arnold Schuler, dem giftigen Treiben der Obstbauern in Südtirol Einhalt zu gebieten. Deshalb lobt und preist er offenbar die Bio-Äpfel. Jetzt darf er den Kopf für die Chemie-Lobby hinhalten. Viel Vergnügen Herr Landesrat!

Wenn er sich einmal ehrlich wäre würde er zugeben, tagtäglich mit dem Schlimmsten zu rechnen. Denn jeder halbwegs logisch denkende Mensch muss das bei der Gift-Intensität auf den Apfelplantagen einkalkulieren. Den GAU hat er nun am jenem Hals. Und den darf er jetzt auch noch für die Giftler, Chemie-Lobbyisten und Pharmakonzerne hinhalten. Ausreden nützen ihm jetzt rein gar nichts mehr: er und die Chemie-Fanatiker wussten immer schon, dass sie mit dem Feuer spielen. Das musste Arnold Schuler klar sein. Er ist ja beigott nicht blöd.

Fische schwimmen am Rücken

Denn es ist exakt das eingetreten, was kritische Studien und einheimische Chemie-Kritiker_innen schon jahrelang behaupten: Pestizide vergiften nicht nur den Boden sondern auch das Wasser. Also auch das Grundwasser! Zuerst sterben die Bienen und jetzt die Fische. Wann sind wir Menschen dran?  Das dauert noch. Wir halten etwas mehr aus bis wir aus den Latschen kippen. 

Auch nur ein Kollateralschaden der Chemie-Lobby? Foto: dervinschger
Auch nur ein Kollateralschaden der Chemie-Lobby? Foto: dervinschger

Ganz anders die Fische im Plauser Gießen. Sie wurden nachweislich Opfer der Agrogifte. Und der ‚Verursacher‘ dafür ist sogar namentlich dingfest gemacht. Wie das Amt für Jagd und Fischerei am Freitag dem ,Vinschger‘ bestätigte, ist ein Insektizid in den Gießen gelangt und hat die Fische getötet. Konkret: Es handelt sich um Chlorpyriphos-ethyl, den Hauptbestandteil des Pestizids Dursban.

Jetzt bin ich aber gespannt, wie AGRIOS ragiert. Denn die „Arbeitsgruppe für den integrierten Obstanbau in Südtirol“ hat kürzlich noch vollmundig und in wohl formulierten Worten beruhigt und festgehalten: 

Integrierter Obstbau ist die wirtschaftlich erfolgreiche Erzeugung von Qualitätsobst bei bestmöglichem Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt.“ Mehr noch: „Der integrierte Obstbau richtet sein Hauptaugenmerk nicht nur auf den chemischen Pflanzenschutz, sondern auf die Gesamtheit der Pflegemaßnahmen. Schonende Pflegemaßnahmen wirken sich positiv auf die Obstanlage und die Umwelt aus. Jedem Bauer, der sich für den integrierten Obstbau entscheidet, sollte es ein Anliegen sein, möglichst viele dieser ökologischen Maßnahmen in die Tat umzusetzen. Daher schlägt die AGRIOS den Obstbauern eine Reihe von ökologischen Pflegemaßnahmen vor.“ (AGRIOS)

AGRIOS wollte damit ganz eindeutig – vor allem den Obstbauern – suggerieren: Die Mittel, die empfohlen und angewendet werden, sind völlig harmlos, vielleicht sogar ökologisch. Da frag ich mich ernsthaft: warum schenken die AGRIOS-Herrschaften das Zeug nicht bei ihren Festivitäten aus? Ihre Chemie-Cocktail-Bar bei diversen Apfel-Festen wär ja gut sortiert: In Stamperln angeboten,  könnte Chlorpyrifos, Captan, Dithianon, RoundUp, Thiamethoxam, Acetamiprid, Thiamethoxam oder Imidacloprid verkostet werden. Prost!

Aber da spielen diese Herrschaften sicher nicht mit. Denn die schlürfen bei festlichen Gelegenheiten sicher nur feinen Schampus um die Profite zu feiern, die mit Hilfe der Chemie aus Apfel-Monokulturen (noch) herauszuschlagen sind. Und um Kollateralschäden kümmern sie sich vorerst schon gar nicht, wie Beispiele aus dem Oberen Vinschgau beweisen. Denn hier muss man das Ganze sehen, das Netto-Regionalprodukt, die Arbeitsplätze etc. Und den Letzten beißen bekanntlich immer die Hunde.

Aber das verstehen die Südtiroler_innen doch ganz sicher. In Abwandlung des alten Sprichwortes: „Wer schön sein will muss leiden“ könnte es ja auch heißen: wer reich sein will muss giftln. Oder?

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