Hat der Jakob Wolf nix Besseres zu tun?

In Nordtirol sind derzeit 33.000 Menschen arbeitslos. ÖVP-Arbeitslandesrat Tratter fühlt sich nicht wirklich zuständig für diese Katastrophe. Er und seine ÖVP dürften aber nicht willens und nicht in der Lage sein etwas dagegen zu tun. Zudem: für die ÖVP gibt’s derzeit Wichtigeres als die lästige Arbeitslosigkeit. Die Verkleinerung der Militärmusik Tirol bedroht nämlich grad die kulturelle Identität des Landes.

Wie anders ist es zu erklären, dass VP-Klubobmann Jakob Wolf Personaleinsparung bei der Militärmusikkapelle Tirol in einer besonders scharf formulierten Aussendung quasi dem kulturellen Untergang des Alpenlandes gleichsetzt? Oder ist es gar ein Vorbote des nahenden Weltuntergangs?

Der Schuldige an diesem Drama ist auch schon ausgemacht: Die SPÖ. Diese vaterlandslosen Gesellen hatten sich doch erdreistet, einen VP-Dringlichkeitsantrag zur Erhaltung der Militärmusik NICHT zu unterstützen.

Hat der Jakob Wolf nix besseres zu tun als herumzulamentieren, dass die Militärmusik Tirol verkleinert wird. Er hat offenbar keine anderen Probleme und kann einem ja wirklich Leid tun.
Hat der Jakob Wolf nix besseres zu tun als herumzulamentieren, dass die Militärmusik Tirol verkleinert wird. Er hat offenbar keine anderen Probleme und kann einem ja wirklich Leid tun.Screenshot

Jetzt geht es offenbar wirklich ans Eingemachte. Ein Riesenproblem für das Tiroler Bewusstsein zieht gnadenlos wie ein Tornado heran. Denn von der Militärmusik Tirol hänge ja auch, so Wolf, „die gelebte Tradition und kulturelle Identität“ Tirols ab. Das ist es, was ich bisher nicht gewusst aber immer geahnt hatte: Blasen oder zumindest das aufmerksam-intensive Anhören militärischer Märsche ist offenbar konstituierend für das Kulturbewusstsein der Tiroler_innen. Keine Rede mehr von Jodeln, Gstanzl-Singen, Hausmusik, Viergesang, Klassik oder gar Jazz. Nein: Militärmärsche!

Es treibt einem unbedarften Beobachter der Tiroler Volkskultur wie mir die eine oder andere Träne aus dem Auge, wenn ich das Wolf’sche Heulen höre: da hätten Tirols Blasmusikkapellen eine Gratis-Ausbildungsstätte gehabt, in der hervorragende Bläser ausgebildet worden seien. Diese hätten dann ihre Heimatkapellen als Leistungsträger verstärkt. Und überhaupt: die Einsparungen durch die Reduktion der Kapelle von 50 auf 20 Bläser seien der Partezettel für das kulturelle Tirol. Spätestens jetzt müsste mir das Herz brechen. Es bricht aber nicht. Denn ich weiß einen Ausweg.

Mein Vorschlag zur Rettung Tirols (oder der Welt): Wolf könnte mit einem Geldverschwendungs-Stopp locker und gelöst eine „Militärmusikschule für Tirol“ einrichten. Sozusagen eine „Marschmusik Philharmonie“. Ich stelle mich gerne zur Verfügung, Vorschläge für deren finanzielle Bedeckung zu machen. Allein mit jenen 600.000 Euro, die die Regierung für die  völlig sinnentleerte Werbekampagne „Energieautonomes Tirol“ zum Fenster hinauswirft, könnte die Tiroler Volkskultur auf Jahre hinaus gerettet werden. Von den Einsparungen bei einem Stopp und einem Verbot der Vetternwirtschaft in Tirol möchte ich jetzt gar nicht anfangen.

Und die explodierende Arbeitslosigkeit in Tirol? Alles halb so schlimm wenn – richtig – wenn man Kultur hat. Vielleicht könnte die ÖVP allen Arbeitslosen zum Trost und zur kulturellen Erbauung eine CD mit Militärmärschen schenken.

 

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