Eine Alm für Feinschmecker: Die Gampe Thaya in Sölden

Jakob Prantl war für mich schon immer einer jener Ötztaler ‚Touristiker‘, die mit beiden Füßen am Boden geblieben sind. Für ihn und seine Familie besteht Tradition nicht darin, in Lederhosen und Dirndl herumzurennen und so zu tun, als ob man im Ötztal wäre. Im Gegenteil: diese Familie lebt das Ötztal und lebt die bäuerliche Tradition. Und zwar auf der Gampe Thaya, für mich eine der besten und feinsten Hütten Tirols. 

Da hatte es sich vor einigen Wochen gut getroffen, dass die Redaktion der Bergwelten.com einen Blogbeitrag über die Gampe Thaya wünschte. Wie lange war ich schon nicht mehr dort? Und den Jakob hatte ich vor rund 10 Jahren das letzte Mal getroffen. Also nix wie hin.

Die Gäste fühlen sich wohl und sind völlig entspannt: Die Gampe Thaya ist der totale Gegenentwurf zum schrillen 'Hüttenleben' auf vielen Skihütten in Tirol. Keine Pommes, keine Cola, keine Kunstwürste, kein Kunstkäse und vor allem auch keine Musik auf der Terrasse.
Die Gäste fühlen sich wohl und sind völlig entspannt: Die Gampe Thaya ist der totale Gegenentwurf zum schrillen ‚Hüttenleben‘ auf vielen Skihütten in Tirol. Keine Pommes, keine Cola, keine Kunstwürste, kein Kunstkäse und vor allem keine Musik auf der Terrasse. ©Werner Kräutler

Ich stieg natürlich zu Fuß zur Gampe auf, wie es sich für einen Genusswanderer gehört. Um dann für einige Stunden lang zu jenem wahrhaft auserwählten Publikum zu gehören, das sich auf dieser wunderbaren Gampe entspannen und erholen darf. Das Hintere Ötztal präsentierte sich an diesem Wintertag in einer Weise, die ich nur als selten, einzigartig und vor allem strahlend bezeichnen kann.

Die (nat)UrHütta auf der Gampe. Garantieren einen Urlaub, den ich nur mit 'einmalig' umschreiben könnte.
Die (nat)UrHütta auf der Gampe. Garantieren einen Urlaub, den ich nur mit ‚einmalig‘ umschreiben könnte. Von hier aus sieht man 15 (fünfzehn) Dreitausender. Oder besser gesagt, die Berge bewachen die Gampe. ©Werner Kräutler

Und dann das Essen, für das die Gampe Thaya ja bereits weit über die Grenzen Tirols hinaus bekannt und berühmt ist. Regionale Produkte werden hier nicht als ‚Marketing-Gag‘ auf der Speisekarte beworben. Die Prantls leben die Regionalität:

  • Der Käse: im Sommer selbst auf der Alm nach alter Sitte von Jakob aus Rohmlich hergestellt. Der Gampe Kaas lässt die Gäste mit der Zunge schnalzen.
  • Das servierte Fleisch und die Würste stammen ausschließlich vom Tiroler Grauvieh. Natürlich auch vom Hof der Familie Prantl. Das würde aber nicht ausreichen, also kann Jakob auf seine Freunde aus dem Tiroler Grauviehverband zurückgreifen. Damit die Gäste das allerbeste, regionale Fleisch serviert erhalten.
Jakob Prantl darf stolz sein auf seinen vollfetten Rohlmilch-Almkäse, den er auf der Gampe Thaya im Sommer selbst und natürlich in Handarbeit herstellt.
Jakob Prantl darf stolz sein auf seinen vollfetten Rohlmilch-Almkäse, den er auf der Gampe Thaya im Sommer selbst und natürlich in Handarbeit herstellt. ©Werner Kräutler
Die Gampe-Hauswurst mit dem selbst eingeschnittenen Sauerkraut.
Die Gampe-Hauswurst mit dem selbst eingeschnittenen Sauerkraut. ©Werner Kräutler
Auf der Gampe Thaya wird ausschließlich Fleisch vom Tiroler Grauvieh serviert. Regional gezogen. Das versteht sich bei der Familie Prantl von selbst.
Auf der Gampe Thaya wird ausschließlich Fleisch vom Tiroler Grauvieh serviert. Regional gezogen. Das versteht sich bei der Familie Prantl von selbst. ©Werner Kräutler
Jakob Prantl und 'sein' Fondue vom Gampe Kaas.
Jakob Prantl und ’sein‘ Fondue vom Gampe Kaas. ©Werner Kräutler

Die übrigen Zutaten zu den Speisen, Desserts oder sogar die Säfte werden von insgesamt elf Bauern, Hühnerhaltern, Schnapsbrennern und Sennereien angeliefert.

gampe thayaUnd schließlich das Essen: absolut haubenverdächtig. Jede einzelne Bestellung ist frisch zubereitet.’Renner‘ auf anderen Hütten wie  Pommes, Ketchup, Mayo oder Cola sind auf der Gampe unbekannt. Dass  die Gampe Thaya die erste Genusshütte der Genuss-Region Österreich verwundert also ganz und gar nicht. Genausowenig wie die Tatsache, dass Slow-Food die Hütte empfiehlt.

Tradition äußert sich auf der Gampe Thaya weder in Lederhosen oder in Dirndln. Dafür in frisch zubereiteten Speisen aus regionalen Lebensmitteln.
Tradition äußert sich auf der Gampe Thaya weder in Lederhosen oder in Dirndln. Dafür in frisch zubereiteten Speisen aus regionalen Lebensmitteln. ©Werner Kräutler
Die einzelnen Stuben auf der Gampe Thaya sind heute noch mit ihrem früheren Verwendungszweck beschrieben. Hier: die Schlaf-Kammer der Mädchen.
Die einzelnen Stuben auf der Gampe Thaya sind heute noch mit ihrem früheren Verwendungszweck beschrieben. Hier: die Schlaf-Kammer der Mädchen. ©Werner Kräutler
treppen
Treppen, von Generationen von Hirten und Almleuten ausgetreten. Für die Prantls ist das auf ihrer Gampe Thaya lieb gewordene, lebendige Tradition. ©Werner Kräutler

Und dann das Ambiente, das vielleicht die Traditionsauffassung der Familie Prantl am besten wiedergibt. Uralte Zirbenholzstuben, ohne Schnick-Schnack, ohne jede alpenländische Verbrämung. Irgendwie ein ‚lebendiges‘ Museum. Alle Erneuerungs- und Zubauten (wie die offene Küche, die man als Gast voll überblicken kann) wurden vom einheimischen Architekten Hermann Holzknecht in seiner unnachahmlichen und einfühlsamen Art geplant und umgesetzt.

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