Wie lange lassen wir uns noch verarschen?

In Tirol erzeugen wir 20 % mehr Strom als wir verbrauchen. Und trotzdem erzählt uns die ÖVP tagaus tagein, wir hätten zuwenig davon. Dazu veröffentlicht sie bisweilen auch höchst sonderbare „Umfrageergebnisse“. Alles nur, um neue Kraftwerke in unsere wunderschöne Landschaft klotzen zu können.

Belegbar ist: die ÖVP schafft es in Tirol noch immer, den Menschen Märchen zu erzählen wenn es um den Bau neuer Wasserkraftwerke geht. Kein Wunder: Allein beim Wort ‚Wasserkraft‘ erhöht sich bei vielen Tiroler_innen ganz im Stile Pawlow‘scher Hunde zumindest der geistige Speichelfluss. Soviel zur Wirkung von etwa 60 Jahren intensiver TIWAG-VP-Politpropaganda.

Wolf hat sich die Grünen als Partner ins Boot geholt, um der TIWAG die letzten Wässerchen zuzuschanzen.
Der Wolf und die 7 grünen Geißlein. Der Ötztaler hat sich die Grünen als Partner ins Boot geholt, um der TIWAG die letzten Wässerchen zuzuschanzen. Die Rechnung scheint aufzugehen.

Seit Monaten faseln Schwarze, von den Tiroler Grünen unterstützt, aber plötzlich von einem ,energieungabhängigen‘ Tirol. Und dazu brauche es eine „Energiewende“. Diesen verbalen Schwachsinn bringen Jakob Wolf, die Tiroler Grünen und deren mediale Helfeshelfer derzeit mit viel Geld unters Volk. Man munkelt von 600.000 Euro!

Potentierter Schwachsinn: Auf S-Bahn-Zügen wird das 'Energieautarke Tirol 2050' beworben. Ausser Spesen nix gewesen.
Unfassbarer Schwachsinn: Auf S-Bahn-Zügen wird das ‚Energieautarke Tirol 2050‘ beworben. Ausser Spesen nix gewesen.

Die faktenfreie Propaganda der ÖVP

Die ÖVP brüstet sich seit geraumer Zeit, Tirol also bis zum Jahre 2050 ,energieunabhängig‘ machen. Und genau deshalb müsse jetzt auch noch der letzte Gletscherbach abgeleitet und der Inn in fünf oder sechs Staustufen aufgestaut werden. Habt ihr – ganz abgesehen von den desaströsen Umweltfolgen – schon einmal überlegt, was ,energieunabhängig‘ eigentlich bedeuten soll?

  • Braucht Tirol dann schlagartig überhaupt keine Energie mehr?
  • Von was soll denn diese Energie nicht abhängig sein?
  • Oder meinen die Polit-Schwadroneure von der ÖVP, sie könnten auf jede Energieeinfuhr verzichten? Tirol quasi als eine Energieinsel der Seligen?

Na, das schau ich mir dann im Winter an. Sollen wir dann mit Strom heizen oder was?

Die Tiroler Grünen wissen ganz genau, dass ihre Zustimmung zur LEX TIWAG ungeheure Konsequenzen haben werden.
Energiewende a la Tirol. Wasser ist hierzulande nicht nur zum Waschen da!

Offenbar wissen die Schwarzen selbst nicht, was sie daherlabern. Sie wissen nur, dass die Bauwirtschaft wieder Aufträge braucht. Dafür werfen die als ÖVP-Politiker verkleideten TIWAG-Lobbyisten dann den Beton, sprich die politischen Werbetrommeln an.

Den neueste Coup von Schwarz-Grün meldete kürzlich Markus Wilhelm.  Die Grüne Ingrid Felipe hatte Anfang März dienstbeflissen den naturschutzrechtlichen Bescheid zum Bau des energiewirtschaftlich absolut sinnlosen Kraftwerkes Tumpen-Habichen unterschrieben.

Flaschengrünes Wasser bahnt sich den Weg durch das Labyrinth des Kataraktes.
Der Katarakt der Ötz bei der Wellerbrücke. Wird aus dem stolzen Gebirgsfluss bald ein trüb daherplätscherndes Rinnsal?

Die ÖVP-Jubelmeldungen folgten auf dem Fuß. Für 17.500 Tiroler Haushalte soll die Stromversorgung mit Tumpen-Habichen sicher gestellt werden, meinte der legendäre Laienschauspieler Josef Geisler, im Brotberuf Landeshauptmannstellvertreter (der kaum zu toppende Geisler-Auftritt auf Youtube-Video ab 4:17).

Muss man jetzt dem Herrn Geisler dankbar sein, ihm Kränze flechten, die Schützen ausrücken und einen Ehrensalut krachen lassen ob seines Einsatzes für das unterbelichtete Volk? Hat er tatsächlich in 17.500 Haushalten dafür gesorgt, dass Talglichter, Petroleumfunzeln und offene Feuerstellen der Vergangenheit angehören? Aber nein, der Herr Geisler hat nur nicht wirklich überrissen, um was es dabei geht.

Ähnlich 'professionell' wie der Herr Geisler in diesem  unfassbaren Video auftritt tut er dies in Sachen Energie. Und die Tiroler_innen lassen sich von ihm immer noch 'vom Pferd erzählen'.
Ähnlich ‚professionell‘ wie der Herr Josef Geisler in diesem unfassbaren Video auftritt (unvergleichlicher Dialog ab 4:17) tut er dies in Sachen Energie. Und die Tiroler_innen lassen sich von ihm immer noch ‚vom Pferd erzählen‘. Screenshot: Youtoube

Faktum ist: In Tirol „schwimmen“ wir in Strom

Welch grandiosen Blödsinn der ÖVP-Schwadroneur Jakob Wolf dem Josef Geisler da hineingedrückt hat, ist selbst energiepolitisch unbedarften Menschen innerhalb von 5 Minuten klar. Die Tiroler Umweltanwaltschaft liefert nämlich auf ihrer WebSite eindeutige Zahlen:

Tirol erwirtschaftete 2012 einen Stromüberschuss von 1.479 GigaWattStunden. Über 95 % dieses Stromes (insgesamt 7.566 GWh) wurde übrigens aus Wasserkraft gewonnen. Kurz gesagt: in Tirol wurden 20 % mehr Strom erzeugt als verbraucht.

Ich möchte den Herren Wolf, Geisler & Co, aber auch der Frau Felipe dringend empfehlen, sich im eigenen Hause zu erkundigen bevor sie unfassbaren Blödsinn verzapfen. Von wegen zuwenig Strom…

Zu allem Überdruss der Kraftwerks-Euphoriker sinkt der Stromverbrauch in Tirol massiv. Private Haushalte verbrauchten 2012 rund 8,4 Prozent weniger Strom, als sie noch 2005 benötigten. Wir haben also jetzt schon mehr als genug Kraftwerke in Tirol. Wem nützt die überschüssige Energie, deren Preise zudem permanent sinken?

Die Täuschungsmanöver der ÖVP

Umfragen, so will uns die ÖVP weismachen, geben des Volkes Willen wieder. Seit dem Dezember des Vorjahres haben solche Umfragen aber dann doch eine neue, qualitative Dimension erreicht. Die ÖVP gibt sich plötzlich mit „Konsumentenbefragung“ zufrieden. Und die werden auch quasi von einem ’stalleigenen‘ Institut durchgeführt. Sicher ist sicher. Neben dem Verschweigen von Fakten (massiver Stromüberfluss in Tirol) braucht es dieses Instrument ganz dringend, um die ÖVP Propagandamaschine am Laufen zu halten.

Um die Ableitung der letzten Gletscherbäche im Ruhegebiet Stubaier Alpen (!) durchzusetzen, ließ Wolf vom Landtag mit Zustimmung der Tiroler Grünen das Tiroler Naturschutzgesetz ändern. Und das musste ja den „Menschen draußen“ verklickert werden. Am besten eben durch eine ‚objektive Umfrage‘. Das Institut war schnell zur Hand: IMAD in der Innsbrucker Karl-Schönherr-Straße 7.

Aber wer hat dort das Sagen? Man traut seinen eigenen Augen kaum. Es ist die ÖVP-Klubchefin im Innsbrucker Gemeinderat, MMag. Barbara Traweger-Ravanelli. Sie fungiert als Geschäftsführerin und lieferte das, was Wolf und die TIWAG sich vorstellten: Die Tiroler_innen lechzen nach neuen Grosskraftwerken. Ja, richtig gelesen: GROSSKRAFTWERKE. Pünktlich 6 Tage vor der Abstimmung zur Pervertierung des Tiroler Naturschutzgesetzes lautete die TT-Schlagzeile: „Zwei Drittel der Tiroler sind laut der nuen repräsentativen Konsumentinnenbefragung für den Bau großer Wasserkraftwerke in Tirol.“

Aber da wurde es selbst der politisch anthrazitfarbenen TT mulmig zumute. Um sich nicht heillos zu blamieren oder dem öffentlich ausgesprochenen Verdacht der Manipulation zu entgehen veröffentlichte das ÖVP-Sprachrohr NACH der Änderung des Tiroler Naturschutzgesetzes eine neue Umfrage. Mit einem völlig konträren Ergebnis. Demnach sank die Zustimmung der Tiroler_innen zu Großkraftwerken innerhalb nur eines Monats von 65 % auf 31 %.  Ein Schurke, wer Böses dabei denkt. Der Herr Zenhäusern griff am 6.1.2015 selbst in die Tasten um die Sache – halbwegs – ins rechte Licht zu rücken:

„Insgesamt sind 76 Prozent, also mehr als drei Viertel der Bevölkerung, dafür, die Wasserkraft stärker als bisher auszunützen. Allerdings, und das ist doch überraschend, sind nur 31 Prozent der Menschen im Land dafür, dass der Landesenergieversorger Tiwag große Projekte wie Kaunertal oder Sellrain-Silz umsetzt.“ Also das pure Gegenteil vom Dezember. Respekt TT. Das ist Heldenmut!

Und Schwupp-di-Wupp: die Tiroler haben über Neujahr die Meinung geändert.
In Tirol kann’s schnell gehen. Quasi über Nacht änderten Männlein und Weiblein im Heiligen Land ihre Meinung zu Großkraftwerken. Waren im Dezember noch 65 % für den Bau von großen Wasserkraftwerken, lehnen im Jänner 2015 urpolötzlich 69 Prozent (!) der nunmehr repräsentativ Befragten die beiden zur Diskussion stehenden Großprojekte harsch ab.
Auf das unsägliche Verhalten der Tiroler Grünen im Zusammenhang mit dem unsinnigsten Kraftwerk Tirols werde ich in einem der nächsten Blogs noch zurückkommen.
Auf das unsägliche Verhalten der Tiroler Grünen im Zusammenhang mit dem unsinnigsten Kraftwerk Tirols werde ich in einem der nächsten Blogs noch zurückkommen.

Aber was tut Wolf? Er führt dem Chef der Jungen ÖVP, dem Ötzer Dominik Schrott im März dieses Jahres die Hand bei der Formulierung einer Jubelmeldung zum Kraftwerk Tumpen-Habichen. Dessen Notwendigkeit der Jungtürke denn auch prompt mit der quasi hauseigenen ‚Konsumentenbefragung‘ begründet. Aber eh klar: Wirklich repräsentative Ergebnisse passen dem Herrn Wolf nur dann ins Konzept, wenn sie seine Meinung wiedergeben.

Lieber Jakob Wolf: Wie lange glaubst Du, lassen sich die Tiroler_innen von Dir noch verarschen? Wie lange glaubst Du, uns ein X für ein U vormachen zu können? Hast Du das überhaupt nötig?

Und im übrigen bin ich der Meinung, dass die Tiroler Grünen nicht mehr wählbar sind. 

Ein Gedanke zu “Wie lange lassen wir uns noch verarschen?

  1. Hat dies auf dtklose rebloggt und kommentierte:
    Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Das Elaborat eines Gründungs-Grünen, dem seit der Regierungsbeteiligung seiner Tiroler Gesinnungsfreunde nicht seine Gesinnung abhanden gekommen ist, sondern die Gewissheit dämmert, dass ihm seine „Freunde“ nicht mehr als wählbar erscheinen. Das sagt wohl genug aus.

    Gefällt 1 Person

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