Genusswandern im Ötztal: Von Längenfeld nach Burgstein

IMG_9226
Blick auf das Sonnenplateau von Burgstein im Frühjahr.

Für mich ist die Wanderung von Längenfeld auf den Brand und weiter nach Burgstein eine wahre Erholung für Körper und Geist. Zudem dürfte diese Wandertrasse bereits in prähistorischen Tagen von Menschen begangen worden sein. Der ‚Schalenstein von Burgstein‘ ist jedenfalls ein Hinweis darauf. Alpine Gourmets sollten sich abschließend in Siggis Jausenstation mit zwei Köstlichkeiten belohnen.

Dieses Bild vom Brand hatte ich im Herbst gemacht.
Dieses Bild vom Brand gibt die Herbststimmung wider. 

Diese Wanderung beginne ich bei der wunderschönen Pfarrkirche  St. Katharina im Ortszentrum von Längenfeld. Übrigens unmittelbar bei der Bushaltestelle. Von dort führt ein in weiten Serpentinen geschwungener Wanderweg zuerst auf ‚den Brand‘ zur Brandalm, einem der schönsten Aussichtspunkte im Ötztal. 200 m über Längenfeld gelegen, liegt mir das Vordere Ötztal am Brand sozusagen ‚zu Füßen‘.

Die Gutshof-Kapelle am Brand. Hierher pilgern Frauen, deren Kinderwunsch in Erfüllung gehen soll.
Die Gutshof-Kapelle am Brand. Hierher pilgern Frauen, deren Kinderwunsch in Erfüllung gehen soll.

Der weitere Weg nach Burgstein ist neu, in hervorragendem Zustand und vor allem kinderwagentauglich. Ein spektakulärer, technischer Höhepunkt wartet jetzt auf die Wanderer: 83 m lang spannt sich die neue Hängebrücke über die „Mauer Rinne“. Wie schwerelos schwebt seit Juli 2013 die kühne Stahlkonstruktion 220 m hoch über dem Talboden.

83 Meter des Wanderweges nach Burgstein führen in luftiger Höhe über ein Tobel.
83 Meter des Wanderweges nach Burgstein führen in luftiger Höhe über ein Tobel.
Auch Hunde lieben die Brücke. Sie trotten auf ihrer eigenen 'Hundespur' dahin.
Auch Hunde lieben die Brücke. Sie trotten auf ihrer eigenen ‚Hundespur‘ dahin.

Nach der Überquerung der Brücke – Menschen mit leichten Schwindelgefühlen sollten nicht zu Boden blicken – betreten wir Burgstein. Von Burg ist hier zwar keine Rede, aber diese einmalige Ötztaler Sonnen-Terrasse wurde mit Sicherheit in prähistorischer Zeit bereits von Menschen benützt. Entweder als Siedlungsplatz oder als Sommerweide. Davon zeugt auch ein Schalenstein, dessen Informationsgehalt allerdings meines Wissens noch nicht enträtselt werden konnte.

Die schalenartige Vertiefungen enthalten ganz sicher eine Information. Bis heute kann diese Information aber nicht gedeutet werden. Der Stein liegt rechts des alten Weges kurz vor dem Wald, wenn man zurück nach Längenfeld wandert.
Die schalenartige Vertiefungen enthalten ganz sicher eine Information. Bis heute kann diese Information aber nicht gedeutet werden. Der Stein liegt rechts des alten Weges kurz vor dem Wald, wenn man zurück nach Längenfeld wandert.
Der Blick vom Fundort des Schalensteins aus in das Vordere Ötztal
Der Blick vom Fundort des Schalensteins aus auf das Vordere Ötztal

Burgstein hält für mich immer wieder Überraschungen bereit. Einmal sind es die majestätischen Berge, die sich sozusagen im Halbkreis um Burgstein herum auftürmen. Andererseits sorgt – für mich – derzeit ein Neubau in Burgstein für Aufsehen. Besser gesagt für Brechreiz. Geschmacklos ist ein Hilfsausdruck für ein Gebäude, das sozusagen über den Häusern des Weilers ‚thront‘. Ein Gebäude in Schönbrunnergelb mit ausgesucht ’schiachn‘ Türmchen und allerlei anderen kitschigen Details belegt eindrucksvoll, wie ausgesucht schlecht der Geschmack eines Bauherrn sein kann.

Auch nicht gerade einladend ist eine ehemalige Pension am ‚Ortseingang‘ von Burgstein, die offenbar am Zerfallen ist.

Nicht eben ein Schmuckstück für Burgstein. So schaut für mich touristische Depresseion aus. Und die hat Burgstein nicht verdient.
Nicht eben ein Schmuckstück für Burgstein. Für mich ein Symbol touristischer Depression, das nicht sein muss. Also, Touristiker in Längenfeld: da solltet ihr etwas tun.

Nun geht’s auf die letzten Meter zur Jausenstation von Siggi. Umgeben von einem wunderschönen Bergpanorama eilt man beherzten Schrittes bergab zur Labestation.

Die Jausenstation ist nicht nur einladend. Zwei Köstlichkeiten halten die Wirtsleut für hungrige Wanderer bereit.
Die Jausenstation beim Siggi ist einladend und wirklich gemütlich.

Was ich hungrigen Wanderern und innen beim Siggi sehr empfehlen kann: die selbstgemachte Hauswurst (im Ötztal Schiebling genannt) und den ganz hervorragenden Kaiserschmarren mit selbst gepflückten Granten (Preiselbeeren).

Ein Schmuckstück im Verborgenen

Und wer nach den nur allzu sichtbaren, baulichen Scheußlichkeiten Burgsteins ein außergewöhnliches, altes Gebäude bewundern will: auch das gibt’s in Burgstein. Wer rund 15 Minuten auf der Fahrstraße in Richtung Tal wandert kommt auf seine Rechnung. Im Frühling passiert man hier die vielleicht schönsten Krokuswiesen des Tales um anschließend zu einem Bauernhaus zu gelangen, das durch seine Einfachheit, Funktionalität, Schlichtheit und Schönheit besticht. Auch das ist Burgstein!

Bauernhaus Burgstein
So schön kann Architektur sein. Hier ein Paradebeispiel schlichter und funktionaler bäuerlicher Architektur
Die schlichte Schönheit bäuerlicher Architektur.
Details an diesem wunderschönen Bauernhaus in Burgstein.
Die Krokuswiesen von Burgstein sind die schönsten Frühlingsboten.
Die Krokuswiesen von Burgstein sind die schönsten Frühlingsboten.

Tourkarte und Höhenprofil der Tageswanderung

Bildschirmfoto 2015-04-05 um 10.05.16An- und Abreise: hervorragende Busverbindungen von und nach Ötztal-Bahnhof
Länge hin- und zurück: ca. 5 km
Höhenunterschied: ca. 280 m
Kultur: Gutskapelle der Brandalm; Schalenstein in Burgstein; altes Bauernhaus in Burgstein.
Verpflegung: Brandalm und Siggis Jausenstation

Wanderung hin: via Hängebrücke. Retour: alter Wanderweg nach Längenfeld

Bildschirmfoto 2015-04-05 um 10.08.43

4 Gedanken zu “Genusswandern im Ötztal: Von Längenfeld nach Burgstein

  1. Hallo, ich bin in 4 Wochen dort oben im Aparthotel Burgstein, und bei der suche nach Bildern, und Wanderungen auf ihren Blog gestoßen, ich freue mich sehr diese schönen Bilder zu sehen,und Bedanke mich auch für diese kleine Wanderung, die ich sicher von dort oben nach wandern werde.

    Ich werde mich nun bei ihnen weiter umsehen, ob es weitere Touren von Längenfeld, oder Sölden/Vent… bei ihnen im Blog gibt

    Ganz liebe grüße von Markus Junge

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo, als ich mich nach neuen Wandertouren im Ötztal umschaute stieß ich auf Ihren Blog. Habe mir dann diesen Rundwanderweg ausgesucht über Längenfeld/Hängebrücke. Am meisten gefiel mir aber bei dieser Beschreibung, „Siggis Alm“ mit seinem Kaiserschmarrn und Schiebling. Habe mir fest vorgenommen dort eine Pause einzulegen, leider sind wir die Tour im Uhrzeigersinn gelaufen, so dass wir schon früh morgens, ca.10:00 beim Siggi ankamen, quasi kurz nach dem Frühstück und wir noch gar keinen Hunger hatten, schade um diese Leckereien, beim nächsten mal nehmen wir die Route wie hier beschrieben.
    Schöne Grüße aus Neuss

    Gefällt 1 Person

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s