Das darf nicht wahr sein: Innsbrucks einziger BIO-Metzgerladen macht dicht

Die ‚Weltstadt am Inn‘ ohne BIO-Metzgerei? Das geht gar nicht. So blöd es klingt: Innsbruck läuft meines Erachtens Gefahr, eine massive Delle im mühsam aufgebauten Status einer modern-urbanen Stadt abzukriegen.

Dieser Blogeintrag klingt wie Werbung. Ist er aber nicht. Für alle die es noch nicht wissen: Die ‚Hauptstadt der Alpen‘ wird bald auf ihren einzigen BIO-Metzgerladen verzichten müssen: Jenen des Bio-Metzgers Juffinger in der Markthalle. Eine Hauptstadt ohne BIO-Metzgerei wär‘ ein reines Trauerspiel.

Mit diesem Blog will ich an den BIO-Metzger Juffinger appellieren, die Schließung ihres Verkaufsstandes in der Markthalle noch einmal ganz ernsthaft zu überdenken. Und die Leser_innen dieses Blogs bitte ich, bei Juffinger via email oder Facebook vorstellig zu werden. Weiteres am Ende des Beitrages.

Den Verantwortlichen der Markthalle Innsbruck aber sei ins Stammbuch geschrieben: der Verlust der einzigen BIO-Metzgerei ist eurem Image außerordentlich abträglich! Also auch ihr habt da was zu tun. Auf geht’s, tuat’s wos!

Weshalb ich urplötzlich auf dieses Thema komme?

  • Weil ich weiterhin regionales BIO-Fleisch in Innsbruck kaufen will.
  • Weil BIO-Fleisch aus Tirol aus einem Tiroler auch einen echten Patrioten macht. Ja, richtig gelesen. ECHT. PATRIOT.

Ich möchte diese Zusammenhänge hier einmal ausbreiten. Auch auf die Gefahr hin, dass Veganer_innen‘ und vielleicht auch ,Vegetarier_innen‘ verbal über mich herfallen. Aber das halte ich aus weil ich weiß, dass ich Recht habe.

Die Almen in Tirol sind uraltes Kulturland.
Die Almen in Tirol sind uraltes Kulturland. Hier: die wunderschöne Holzalm / Käsealm bei Niederau in der unvergleichlichen Wildschönau.

Argument # 1 für BIO-Fleisch aus Tirol: Die Tiroler Almen sind ein Ergebnis der Viehzucht

Wir alle lieben es doch, im Sommer über grüne Almwiesen zu wandern, Käse und Milch in der Almhütte zu genießen und unsere Seele so richig ,baumeln‘ zu lassen. Die Antwort auf die Frage, weshalb Almen eigentlich existieren, kennen nur die Wenigsten. Es geht nicht um das romantische Leben hoch oben in den Bergen. Es geht um die Futterbasis für die Tiere der Bauern.

Ja, könnte man nun einwenden, weshalb müssen die Bäuerinnen und Bauern überhaupt Tiere halten. Die könnten doch auch Getreide züchten? Das würde in den Alpentälern – wenn überhaupt – nur in Gunstregionen funktionieren. Aber ihr könnt gerne probieren, Weizen auf 1.000 m Seehöhe anzupflanzen. Gutes Gelingen. Nein, hier ist es das Gras, das via Tier zu Essbarem wird.

Die Schlicker Alm im Stubai. Eine wunderbare Oase inmitten der Kalkkögel.
Die Schlicker Alm im Stubai. In dieser wunderbaren Oase inmitten der Kalkkögel fühlen sich die beiden Tiroler-Grauvieh-Damen außerordentlich wohl.

Die Almwirtschaft schon vor zwei Jahrtausenden aus der Notwendigkeit heraus entstanden, den Tieren im Sommer andere, zusätzliche Futterplätze zu bieten. Denn im Tal musste jenes Heu gewonnen werden mit dem die Tiere über den Winter gebracht werden konnten. Es ist diese Tradition, die uns heute jene wunderschönen Almen beschert, für die Tirol berühmt ist. Und was wurde auf Almen jahrhundertelang hergestellt? Richtig: Käse, Butter und Molke.

Richtiger Käse muss gelagert werden. Hier: Das Lager des ganz vorzüglichen Käses von der Kasalm in Niederau, in der Wildschönau.
Absolut wunderbarer Almkäse von der Holzalm/Käsalm im Käselager in Niederau/Wildschönau.

Aber weshalb leben dann Schweine auf den Käsalmen?

Die beim Käsen anfallende Molke musste immer schon entsorgt werden. Würde sie in einen Bach gekippt wäre dieser auf längere Zeit hinaus biologisch tot. Denn der Sauerstoffverbrauch bei der Zersetzung von Molke in Wasser tötet alle Lebewesen des Gewässers. Also kamen die klugen Älpler_innen auf die grandiose Idee, mit der Molke Schweine zu mästen. Deshalb gehören die Borstentiere auch zum älplerischen ‚Stammpersonal‘.

Almschweine sind die biologischen 'Molkeverwerter' auf den Kaasalmen in Tirol
Almschweine sind die biologischen ‚Molkeverwerter‘ auf den Kasalmen in Tirol

Argument # 2 für BIO-Fleisch aus Tirol: Weil BIO-Betriebe auf eigener Futtermittelbasis stehen

Der für mich wichtigste Grund, ausschließlich BIO-Fleisch zu kaufen ist eine Voraussetzung, die alle BIO-Bauern einhalten müssen: Futtererzeugung und Tierhaltung sind eng gekoppelt. Mit anderen Worten: Auf einem BIO-Hof dürfen nur so viele Tiere gehalten werden, wie der Bauernhof selbst ernähren kann. Zudem wird auf die artgemäße Fütterung und vor allem auf eine extensive Haltung der Tiere geachtet.

Im Gegensatz zu Quäl-Fleisch dürfen also BIO-Bauern weder regenwaldzerstörendes brasilianisches Soja, mit Pharmastoffen durchsetztes Kraft- und Mastfutter oder andere zugekaufte Futtermittel verwenden.

Argument # 3 für BIO-Fleisch aus Tirol: Auf tierischem Mist wächst das BIO-Essen für Veganer_innen und Vegetarier_innen

Weshalb wächst Gemüse überhaupt? Ja sicher, weil Gemüse auf fruchtbaren Böden wächst werden viele von euch antworten. Aber genauso wenig, wie Kühe Milch geben, wenn sie nicht immer wieder Kälber gebären, geben uns die Böden feines Gemüse, wenn wir sie nicht düngen.

Die Schlussfolgerung für Vegetarier_innen: Wer Milch trinken will muss wissen, dass die Milchleistung der Kühe nur dann konstant bleibt, wenn Kälbchen geboren werden. (Bei Milch-Ziegen und -Schafen ähnlich). Und dass die Bauern nicht alle Kälbchen großziehen können, ist irgendwie logisch. Also gibt’s BIO-Kalbfleisch.

Ziegen lieben Almen. Leichtfüßig unterwegs sind sie die Clowns der Berge.
Ziegen lieben Almen. Leichtfüßig unterwegs, sind sie der Schrecken der Hirten und die Clowns der Berge.

Genau hier setzt meine ,Kritik‘ – besser vielleicht ,Auffassungs-Unterschied‘ zu Veganer_innen und Vegetarier_innen an: Wie haltet ihr es mit der Düngung und somit mit Gemüse aus regionalem BIO-Anbau? Denn nachhaltig-biologischer Pflanzenbau beruht immer noch auf der Verwendung von Mist. Und den gibt‘s nur, wenn‘s auch Nutztiere gibt die quasi ,auf einen Haufen scheißen‘. Auf die Variante mit chemisch gedüngten Pflanzen gehe ich jetzt nicht ein. Denn ich könnte nicht nachvollziehen, wenn Veganer- oder Vegetarier_innen chemisch hochgepäppeltes Gemüse verzehrten.

Wenn also nicht andere Menschen Fleisch, Milch und Käse von BIO-Tieren äßen könnten Veganer_innen und Vegetarier_innen vermutlich kein BIO-Gemüse essen. So einfach ist das. Nochmals: Wenn das Gemüse nicht aus regionalem BIO-Anbau stammt, sollten sich Veaner- und Vegetarier_innen überhaupt schämen und schweigen.

Damit möchte ich es nun bewenden lassen.  Hoffentlich bin ich nicht zu oberlehrerhaft. Aber mir fällt es seit Jahrzehnten schwer zu akzeptieren, dass viele gutmeinende Menschen die Zusammenhänge der alpinen Landwirtschaft so überhaupt nicht kennen. Und teilweise ernsthaft glauben, die Milch käme Kühen, die quasi ewig Milch gäben. Oder laut darüber lamentieren, dass kleine Kälbchen – ja, die mit den Glubschaugen – so niederträchtig getötet, ja sozusagen ermordet würden.

BIO-Produkte sind nur dann BIO, wenn sie aus der Region stammen

Ich möchte aber auf einen weiteren, immer wichtigeren Umstand hinzuweisen. Viele Menschen schwören wie ich dem übermäßigen Fleischgenuss ab. Das ist absolut toll und ausgezeichnet. Aber BIO kann nur im Zusammenhang mit der Herkunft der Produkte gesehen werden. BIO aus Sambia, Botswana oder anderen Teilen der Welt kann gar nicht BIO sein. BIO bedeutet nachhaltig. Und es kann wohl nicht nachhaltig sein, wenn Gemüse tausende von Kilometern transportiert wird. Purer Etikettenschwindel, auf den man nicht hineinfallen sollte.

Wer persönlich an einer wirklichen Verbesserung der tristen Situation betreffend Weltklima mitwirken will kann eigentlich ausschließlich nur REGIONALE Produkte kaufen. Alles andere wäre Etikettenschwindel. Zudem: das Geld von regionalen BIO-Produkten bleibt im regionalen Kreislauf.

Schreibt bitte an Juffinger auf Facebook oder per email

So, zum Abschluss nocheinmal zurück zur geplanten Schließung des Juffinger-Fleischladens in der Innsbrucker Markthalle. Alle, die daran interessiert sind, eine BIO-Metzgerei (in der ausschließlich BIO-Fleischprodukte verkauft werden) in der „Weltstadt am Inn“ zu haben, sollen sich bitte an Juffinger direkt wenden. Entweder per e-mail oder über die Facebook-Seite.

Sagen wir dem tollen BIO-Metzger, dass es ein Fehler wäre, den Laden in der Markthalle zu schließen!

Ein Gedanke zu “Das darf nicht wahr sein: Innsbrucks einziger BIO-Metzgerladen macht dicht

  1. Mittlerweise bietet die Metzgerei Juffinger genug Möglichkeiten, ihre Produkte in Innsbruck zu erwerben: http://www.biometzger.at/haendlersuche-fuer-konsumenten/search/6020/country/at.html
    Wirklich regionales Bio-Fleisch bekommt man (im Alpenraum, Süddeutschland, wo ich eben bisher gelebt habe) nach meiner Erfahrung fast überall, aber immer wieder ist die Erreichbarkeit einer Verkaufsstelle ein Problem…zig Supermärkte die sich gern vom Discounter absetzen aber doch das gleiche Qualfleisch verkaufen.

    Gefällt 1 Person

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