Die Tiroler Grünen – jetzt machen sie auf ‚Vogel Strauß‘

Die Tiroler Grünen sind nun vollends politisch derangiert – quasi aus der Spur geraten. Erst haben sie gemeinsam mit der ÖVP per Novelle des Tiroler Naturschutzgesetzes der TIWAG einen vermutlich sogar völkerrechtswidrigen Freibrief für das Wasserabgraben im Ruhegebiet (!) Stubaier Alpen ausgestellt. Jetzt machen die einstigen Naturschützer_innen bei einem anderen Projekt auf ,Vogel Strauß‘: Bei der Diskussion um die ,Spange Hall Ost‘ hört und sieht man so gut wie nix von ihnen. Nur der grüne Klubobmann Gebi Mair nimmt mir gegenüber zu Hall Stellung: er verweist zu meiner völligen Verblüffung auf die Bibel, konkret auf Matthäus 5,39!

In Hall geht‘s ganz exakt um das, was wir Grüne seit unserer Gründung immer massiv bekämpft hatten: wenn die Bauindustrie zusammen mit den ihr genehmen politischen Parteien irgendwelche neue Straßen oder Kreisverkehre auf der grünen Wiese planten waren wir zur Stelle. Aber in Tirol hat sich das bereits massiv geändert. Als Regierungspartei üben sich die Tiroler Grünen in Sachen Wasserabgraberei im Ruhegebiet Stubaier Alpen im offenkundigen Gleichschritt mit der ÖVP und bei der geplanten ‚Spange HALL OST‘ in peinlichem Schweigen.

Derzeit noch idyllisch. Wenn es nach dem Willen der ÖVP geht soll hier eine Brücke in schwindelnden 20 m Höhe zusätzlichen Verkehr nach Hall leiten.
Derzeit noch idyllisch. Wenn es nach dem Willen der ÖVP geht soll hier eine 20 Meter hohe Brücke  zusätzlichen Verkehr nach Hall leiten. Die Guggerinsel wäre ein für allemal ‚tot‘.

Und das, obwohl bei der „Spange HALL OST“ seitens der Stadt und der ÖVP Argumente ins Treffen geführt werden, die Dinosaurierstatus haben und allen überzeugten Grünen die Haare zu Berge stehen lassen. Angebliche Verkehrsüberlastungen müssen wieder einmal dafür herhalten, neue Straßen durch Wiesen und in Auwälder zu schlagen. Nur um einige Jahre später festzustellen, dass der Verkehr weiter zunimmt und zusätzliche neue Straßen ‚dringend‘ nötig seien. Also wieder neue Aufträge für die befreundete Bauindustrie. Wieder neue ÖVP-Pläne. Wieder neue Schulden. Wieder peinliches Schweigen der Grünen?

Straßenbau auf Pump

Die ‚Spange Hall Ost‘ ist nicht mehr und nicht weniger als ein Versuch der ÖVP, einen neuen Autobahnanschluss im östlichen Bereich von Hall in die Natur zu klotzen. Baumäßig ist ja nicht die Hölle los und die der ÖVP seit jeher wohlgesonnenen Baufirmen brauchen Aufträge. Woher das Geld kommt – man munkelt von einer Größenordnung zwischen 30 und 60 Mio € – verrät die ÖVP natürlich nicht. Man darf annehmen: auf Pump. Und das bei der riesigen Verschuldung des Landes Tirol in der Höhe vom Eineinhalbfachen (!) des Landesbudgets. Überall wird gekürzt. Nur nicht beim Straßenbau.

Da ja Hall vom Verkehr überrollt werde ist der „wichtige“ Grund für die Betoniererei schnell gefunden. Jetzt geht‘s aber darum, der Haller Bevölkerung die geplante neue Verkehrsbelastung als wahren Segen zu verkaufen. Bei gleichzeitigem Versprechen von neuen Erholungszonen, Möglichkeiten für Sport und Spiel etc. pt. Man kennt das Spiel.

Autobahnauffahrt pfui! ,Mobilitätskonzept‘ hui!

Wenn es darum geht, die de facto-Zerstörung des Naherholungsgebietes Guggerinsel schön zu reden, greifen die Schwarzen Mander tief in die politische Trickkiste. Da wird aus zwei riesigen Kreisverkehren, einer 20 m hohen Innbrücke (die ÖBB-Trasse und somit die Fahrleitung muss ja überbrückt werden) und etlichen Zubringerstraßen plötzlich ein Mobilitätskonzept. Die ersten bildlichen Darstellungen des Autobahnknotens machen – was Wunder – auch tatsächlich einen wahrhaft schlanken Fuß. Schmale Sträßchen, Miniatur-Kreisverkehre, eine schlanke Brücke. Und – ganz wichtig – die Auwälder existieren auf dem Foto unten ja alle noch. Da wird offenbar kein Baum gefällt.

Ein zartes Brücklein, Mini-Kreisverkehre und Straßenzubringer in der Größe mittlerer Feldwege. So soll die Spange Ost verkauft werden. Visualisierung: Equvis
Ein zartes Brücklein, Mini-Kreisverkehre und Straßenzubringer in der Größe mittlerer Feldwege. So soll die Spange Ost verkauft werden.  Visualisierung: Equvis

Mit einer Petition gegen das Aus für die Guggerinsel

Manuela Phohl von der Initiative NEIN zur Spange HALL OST: von den Grünen hört und sieht man nichts.
Manuela Pfohl von der Initiative NEIN zur Spange HALL OST: „Von den Grünen hört und sieht man nichts. Weder von den Haller Grünen noch von den Tiroler Grünen.“

Dass das Projekt die von den Haller_innen so beliebte ,Guggerinsel‘ praktisch zerstören würde, sagt niemand. „Der Auwald bei der Guggerinsel fällt mit allergrößter Sicherheit dem Projekt zum Opfer“, vermutet Manuela Pfohl, eine der Initiatorinnen der Bürgerinitiative „NEIN zu Spange HALL OST“. (Hier ist die Initiative auf Facebook zu finden). Für sie und hunderte Haller_innen ist die Guggerinsel ein Erholungsgebiet, das einem kleinen Paradies ähnelt. „Multikulti an schönen Tagen“, schwärmt Manuela, „die Kinder spielen miteinander, alles ist völlig entspannt und wahrhaft erholsam. Da wird gegrillt, geplanscht und gefeiert.“ Wenn das Projekt tatsächlich gebaut würde, wäre die Guggerinsel schlagartig Vergangenheit. Pfohl: „Die Brücke würde in einer Höhe von 20 m den Inn überqueren. Auf beiden Seiten erfolgte die Verkehrsanbindung durch riesige Kreisverkehre, die nur durch ein massives Abholzen der Auwäldchen auf beiden Flusseiten möglich wäre.“ Die Initiative hat bereits eine Petition gegen das Vorhaben gestartet.

Statt Erholung auf der Guggerinsel müssten die Haller_innen eine ganz ähnliche Aussicht wie diese genießen.
Statt Erholung auf der Guggerinsel müssten die Haller_innen eine ganz ähnliche Aussicht wie diese genießen. Na habe die Ehre!

Eigentlich müsste Frau Felipe jetzt tätig werden

A propos Abholzung von Auwäldern. Ich hatte mich dunkel erinnert, dass die grüne Landesrätin Ingrid Felipe im Zuge einer verbalen Behübschungsaktion der Novelle zum Tiroler Naturschutzgesetz den verstärkten Schutz von Auwäldern und Baumbeständen in Feuchtgebieten erwähnt hatte. Auwälder, so jubelte Felipe im vergangenen Herbst würden durch die Novelle des Tiroler Naturschutzgesetzes schützenswert gestellt. Zudem sei durch einen erweitertern Feuchtgebietsschutz auch der Zuströmumgsbereich des Wassers unter Schutz gestellt.

Dieser Auwald wird vermutlich dem Bau des Autobahnzubringers Hall Ost zum Opfer fallen.
Dieser Auwald wird vermutlich dem Bau des Autobahnzubringers Hall Ost zum Opfer fallen.

Als hätte die Frau Felipe geahnt, dass all diese Argumente just für die Guggerinsel in Hall zutreffen. Ein Auwald würde nämlich massiven Schaden durch den Bau erleiden. Auf der rechten Flusseite befindet sich ein Feuchtgebiet, in dem zahlreiche Quellen entspringen. Also Frau Landesrätin, wo bleibt Ihr Einsatz für den von ihnen so hoch gelobten Baumschutz, in diesem Fall auf der Guggerinsel? Behandeln Sie die Bäume dieses Wäldchens einfach so ernsthaft wie die Deutsche Tamariske in Osttirol. Und schon ist das Problem erledigt!

Gibt es sie noch, die Haller Grünen?

Enttäuschend, ja geradezu peinlich ist das bisherige Schweigen der Haller Grünen zu diesem Projekt. Obwohl die ÖVP-Bürgermeisterin Eva-Maria Posch ihre Freude über das Projekt kaum fassen kann, schweigt die grüne Riege im Haller Rathaus konsequent vor sich hin. Sogar die von der ÖVP verbreitete Mär, die Guggerinsel sei vom sogenannten ,Mobilitätskonzept‘ in keiner Weise berührt, wird von den Haller Grünen offenbar schweigend zur Kenntnis genommen. Und das, obwohl ausgerechnet die Guggerinsel – geht es nach den derzeit diskutierten Plänen – von einer 20 m hohen Brücke ,überbrückt‘ würde.

Das Naherholungsgebiet Untere Lend - Guggerinsel in Hall. Alles schon da, Frau Bürgermeisterin!
Das Naherholungsgebiet Untere Lend – Guggerinsel in Hall. Alles schon da, Frau Bürgermeisterin!

Da frage ich mich schon gar nicht mehr, weshalb die Frau Bürgermeister die Untere Lend zu einem echten Naherholungsgebiet mit vielfältigen Sportangeboten“ ausbauen will. Ich konnte mich persönlich vor Ort umschauen: Ist doch alles schon da. Halt ohne riesige Autobahnbrücke, ohne Lärm und zusätzliche Abgase, ohne Abholzung eines Waldes und ohne Vertreibung der angesiedelten Biberfamilien. Für die Haller Grünen kein Thema?

Die Wohnung der Biber an der Guggerinsel wird ganz sicher der Spange Ost zum Opfer fallen.
Die Wohnung der Biber an der Guggerinsel wird ganz sicher der Spange Ost zum Opfer fallen.

Und was den grünen Klub im Landhaus, vor allem aber Gebi Mair anlangt: Ich hatte ihn höflich um eine Stellungnahme gebeten. Seine Antwort: Ich solle bei Matthäus 5,39 nachlesen. Ein untrügliches Zeichen dafür, wie professionell die Tiroler Grünen Anfragen beantworten.

Chatten mit Gebi Mair ist nicht immer erbaulich. Konkrete Frage - keine Antwort.
Chatten mit Gebi Mair ist normalerweise erbaulich. Damit ist’s vorbei. Jetzt: Konkrete Frage – keine Antwort. Oder sie ist so dumm, dass sie schon wieder lustig wird. Der Hintergrund: Er meinte, ich würde ihn im Rahmen meiner Blogs zur Wasserabgraberei im Ruhegebiet Stubaier Alpen nicht mit Respekt behandeln. Wird Gebi etwa weinerlich?

Bildschirmfoto 2015-03-15 um 08.22.56

Zum Abschluss frage ich mich jetzt nur noch eines: Denken die Haller Grünen nicht an die Gemeinderatswahl 2016? Oder ist‘s ihnen wurscht, wenn die aktiven Naturschützer_innen ob des Schweigens in Sachen Neubau eines Autobahnknotens Hall-Ost ihrer Partei den Rücken kehren? Aber für politische Parteien gilt noch immer: Wer nicht hören will muss bei Wahlen fühlen.

Für mich gilt mehr denn je: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die “Tiroler Grünen” nicht mehr wählbar sind.

Die wichtigsten Links zum Nachlesen:

Die grüne Ladesrätin Ingrid Felipe zum Naturschutzgesetz: 

Die politische Rhetorik der ÖVP. Oder: Wie die Schwarzen Mander einen schnöden Autobahnanschluss schönreden wollen

Online-Petition der Bürgerinitiatie NEIN zur SPANGE HALL OST

 

9 Gedanken zu “Die Tiroler Grünen – jetzt machen sie auf ‚Vogel Strauß‘

  1. Hallo Herr Kräutler,
    zumindest die Grünen aus Mils haben sich seit Beginn der Planungen massiv gegen das Projekt gestellt.
    Letztendlich sieht es ja doch so aus, dass es aufgrund verfehlter Verkehrspolitik in Hall (und Mils nehme ich hier auch nicht aus) zu einem Verkehrsaufkommen am Unteren Stadtplatz kommt, das keine weiteren ‚Zuwächse‘ mehr möglich macht.
    Will man nun die Untere Lend weiter mit Wohnungen bebauen, kann der dadurch zusätzlich entstehende Verkehr nicht mehr aufgenommen werden: die Bewohner der Unteren Lend kommen mit ihrem Auto nicht mehr auf die B171 heraus. Und von einer geplanten ‚Beruhigung‘ bei noch immer über 26.000 Fahrzeugen am Tag kann wohl nicht ernsthaft die Rede sein.

    Wir haben zwei konkrete Vorschläge gemacht:
    1
    Massiver Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel: S-Bahn Haltestelle in Mils / Lend, direkte Busverbindung an den Bahnhof Hall, Erhöhung der E-Bike Förderung. Damit könnte der aus Mils kommende Verkehr reduziert werden.
    2
    Hilft dies alles nichts, und nur dann, Bau einer Brücke vom südlichen Ende des Brockenwegs über den Sportplatz zum Badl. Die Kosten wären nur ein Bruchteil, und die Wirksamkeit massiv höher: nicht nur der Verkehr aus der Lend, sondern auch aus Schönegg könnte vom Unteren Stadtplatz abgeleitet werden. Diese Variante wurde bereits vom Land in einer eineinhalbseitigen Stellungnahme ‚untersucht‘, und da man es in Hall warum auch immer nicht will als nicht realisierbar abgelegt.
    Wir denken nach wie vor, dass dies die beste Lösung wäre, wenn schon unbedingt gebaut werden muss und würden uns eine Planung durch unabhängige Fachleute wünschen.

    Schöne Grüße aus Mils,
    Bernhard Giesriegl

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    1. lieber bernhard geisriegl,

      ganz herzlichen dank für deine darstellung. das lass ich mir als lang gedienter grüner gefallen: zuerst öffis stärken und dann – wenn wirklich nicht anders möglich – eine kostengünstige variante wählen.

      ich werde in einem meiner nächsten blogs diese darstellung mit einarbeiten. danke und alles gute für die gemeinderatswahlen im nächsten jahr!

      werner kräutler

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