Wir Tiroler ‚brennen wie die Luster‘

Es ist nicht das erste Mal dass ich eingestehen muss, für das Leben in Tirol offenbar zu blöd zu sein. Aber wer je versucht hat, die Preisgestaltung des Verkehrs Verbundes Tirol (VVT) zu ergründen, verzweifelt. Nur eine Erkenntnis setzt sich mit Sicherheit durch: das Preissystem ist völlig undurchsichtig.

Laut Wikipedia ist „ein Verkehrsverbund ein rechtlicher und organisatorischer Zusammenschluss von Gebietskörperschaften zur gemeinsamen und abgestimmten Durchführung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).“ Soweit so gut. Wir in Tirol haben auch so einen Verkehrsverbund, den VVT. Er ist zu 100 % im Besitz des Landes Tirol.

Innsbruck – Hall/Tirol: VVT um sagenhafte 46% teurer als die ÖBB

Dass VVT Tickets teilweise erheblich teurer sind als ÖBB-Tickets hatte ich nicht gewusst. Für mich wurde dies mit einer Fahrt von Rietz nach Imst ‚teurere‘ Realität. Der offizielle ÖBB-Preis beträgt 5,80 Euro. Für das VVT-Ticket beim Fahrkartenautomaten in der Haltestelle Rietz blechte ich jedoch 6,30. Das sind 0,50 € mehr. Dafür hätte ich den Bus vom Bahnhof ins Stadtzentrum von Imst benützen können wurde mir später beschieden. Aber wo das geschrieben ist wurde nicht dazu gesagt. Und auf dem Ticket steht das auch nicht. Oder hätte es jemand von Euch gewusst? Ich zahlte also den Bus völlig unbegründet.

Wer hätte das gewusst: Im Einzelticket einer Zugfahrt nach Imst-Pitztal ist bereits der Bustarif in die Stadt Imst enthalten. Deshalb kostet es angeblich mehr.
Wer hätte das gewusst: Im Einzelticket einer Zugfahrt nach Imst-Pitztal ist bereits der Bustarif in die Stadt Imst enthalten. Deshalb kostet es angeblich mehr.

Dann fuhr ich nach Innsbruck, exakt bis zumHauptbahnhof. Löste wieder ein Ticket beim Fahrkartenautomaten um 7,30 €. Ein ÖBB-Ticket kostet hingegen € 6,70. Der VVT nascht hier mit 0,60 € mit. Ich könnte aber ein Zusatzticket für die Kerzone Innsbruck um 1 Euro lösten, heißt es. Will ich aber nicht. Ich will nur zum Hauptbahnhof. Und zahle trotzdem mehr. Zudem: auf dem VVT-Ticket ist natürlich nirgends die Rede davon, dass ich in Innsbruck verbilligt Straßenbahn fahren könnte.

Schockierend ist die Differenz für mich aber auf der Strecke Innsbruck – Hall in Tirol. Eine Einzelfahrt von Innsbruck nach Hall/Tirol kostet bei der ÖBB 2,40, beim VVT 3,50. Satte 1,10 € teurer. Das sind immerhin knapp 46 % mehr als das ÖBB-Ticket kostet!

Eine Bahnfahrt von Innsbruck nach Hall / Tirol ist vielleicht lustig. Der Preis ist es nicht: 46 % verlant der VVT mehr als die ÖBB. Der Grund liegt für mich im Dunkeln.
Eine Bahnfahrt von Innsbruck nach Hall / Tirol ist vielleicht lustig. Der Preis ist es nicht: 46 % kostet das VVT-Ticket mehr als ein ÖBB-Ticket. Der Grund liegt für mich im Dunkeln.

Gibt‘s für längere Strecken quasi Mengenrabatt?

Aber gänzlich unverständlich ist es für mich, dass der VVT auch billiger als die ÖBB ist. Und das gleich massiv. Während die ÖBB für eine Fahrt von Innsbruck nach Kufstein 22,10 € verlangt gibt‘s der VVT hier billiger: 17,30 €. Was einer Verbilligung in der Höhe von 4,80 € oder knapp 22 % entspricht. Gibt’s also quasi Mengenrabatt für längere Bahnfahrten? Man weiss es nicht und kriegt auch keine Antwort.

Noch ein Unternehmen des Landes Tirol mit Geheimnissen?

Was ich an Tirol auch nicht verstehe: Unternehmen im Eigentum des Landes Tirol sind bei Auskünften verschlossen wie eine Auster. Das ist bei der TIWAG so und auch beim VVT. Sobald man diesen auf den Zahn fühlt machen sie die Luken dicht. Da drängt sich schon die Frage auf: „Haben die was zu verbergen?“

Was denn mit den von mir konstatierten Fahrpreisaufschlägen passiere wollte ich von der zuständigen Abteilung beim VVT wissen. Die VVT-Antwort wird mit einer Aussage eingeleitet, die nur in verstaubten behördlichen Amtsstuben ersonnen werden kann: „Die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs in Tirol ist sehr komplex“. Und: Die Fahrgeldeinnahmen seien ein wesentlicher Bestandteil dieser Finanzierung. Nona.

Aber wofür wird die Tiroler „Quasi-Öffi-Steuer“ denn nun verwendet? Aber da wird beim VVT erst recht (oder sollte ich sagen natürlich) geblockt: „Wir bitten um Verständnis, dass es sich um vertrauliche unternehmensbezogene Daten handelt und daher keine Auskünfte über Fahrgeldeinnahmen einzelner Verkehrsunternehmen, Verkehrskonzepte oder Linien erteilt werden können.“ Auch die Budgetabschlüsse der VVT sind da nicht viel redseliger. Ganz abgesehen davon, dass man einen Bilanzbuchhalterkurs besuchen muss um den Zahlensalat zu verstehen. Ich bin mir inzwischen sicher: über das Leben nach dem Tod wissen wir mehr als über die VVT-Einnahmen, die VVT-Personalpolitik, oder die VVT-Verwaltungskosten. Geht offenbar auch niemanden etwas an.

Selbst vom Leben nach dem Tode wissen wir mehr als von der Zusammensetzung der Einnahmen des VVT
Schaut stark nach Verarschung aus: die Zusammensetzung der Einnahmen einer Gesellschaft, die zu 100 % im Eigentum des Landes Tirol ist. Und somit den Steuerzahler_innen gehört. Gibt’s da was zu verschweigen?

Wir Tiroler_innen ‚brennen wie die Luster‘

So bleibt wiederum eine Erkenntnis: Nicht nur, dass Tirol am Ende der österr. Einkommensstatistik liegt, die Mieten in schwindelnde Höhen abheben. Auch beim Öffentlichen Nahverkehr werden wir noch abkassiert. Da darf man der seit Äonen regierenden ÖVP nur herzlich gratulieren.

Ja, noch was: da brennen wir in Tirol wie die Luster und können uns nicht einmal auf die digitale VVT-Auskunft verlassen. Ich suchte eine Gelegenheit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach St. Jakob am Arlberg zu fahren. Und habe Scotty (ÖBB) und das VVT-App abgefragt. Das Resultat: Die ÖBB ist jeweils früher am Ziel. Da erhebt sich schon die Frage: wieviel ist die VVT-App überhaupt wert? Besser noch: was haben wir Steuerzahler für diese offenbar höchst unpräzise App bezahlt? Aber das dürfte ja auch unter ‚Geschäftsgeheimnis‘ fallen.

Die Scotty-Auskunft der ÖBB
Die Scotty-Auskunft der ÖBB: Besser und offenbar schneller am Ziel.
Die VVT-App verschwieg ganz einfach eine Variante
Die VVT-App ist langsamer unterwegs. Ich kann diese App jedenfalls nicht empfehlen.

PS: Wer weitere Beispiele, Tipps, Anregungen und Kritik hat: bitte unten in die Kommentarspalte schreiben. Oder ein mail an tirolischtoll@gmail.com

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