Politische Verstopfung entlädt sich als stinkender Dünnschiss

 

Was ist eigentlich ein Differenziertes und gleichzeitig klares JA? Dasselbe wie ein ganz volles Glas?
Was ist eigentlich ein „differenziertes“ und gleichzeitig „klares JA“? Dasselbe wie ein ganz volles Glas?

Wissen Politiker und Zeitungen eigentlich, dass sie alles Erdenkliche tun, damit es unsere Gesellschaft zerreißt? Ich meine: Dieser neuartige Polit-Media-Komplex ist zum großen Teil dafür verantwortlich, dass biedere Bürger plötzlich rechtsextremen, ja faschistischen Rattenfängern wie PEGIDA nachrennen.

PEGIDA ist doch nur ein erstes, wenngleich übel stinkendes Symptom für die verabscheuungswürdige Verbrüderung von Politik und Medien. Der Ausdruck „Halt die Fresse Lügenpresse“ ist auch nicht zufällig zum Kampfruf geworden. Wenn PEGIDA überhaupt etwas Positives abgewonnen werden kann dann eine Erkenntnis: Der Polit-Media-Komplex hat das Ende der Fahnenstange erreicht. Und wird selbst zu einer ernsthaften Bedrohung der Demokratie. Es scheint, dass dieser Macht-Komplex wie ein Abführmittel wirkt, das die lange, politische Verstopfung ansatzlos in eine stinkende, nach Faschismus riechende Diarrhoe (Dünnschiss) verwandelt.

In theoretischen Aufsätzen wurden Medien immer als die 4. Macht im Land gefeiert. Legislative, Exekutive, Rechtssprechung – und eben die die Macht kontrollierenden Medien. Politologen werden denn auch nicht müde, die Bedeutung der Medien als ,Kontrollorgan‘ einer Demokratie zu betonen. Damit ist’s vorbei. Endgültig.

Wer heute behauptet, die Medien würden die Politik kontrollieren wird nicht nur an Stammtischen ausgelacht. Diese Funktion der Medien schlägt schon seit geraumer Zeit ins pure Gegenteil um. Wie anders sind die Parolen und Bilder zu erklären, die uns derzeit frei Haus geliefert werden („Lügenpresse“). Da gehen bisher politisch unbedarfte Bürger_innen in Deutschland auf die Straße und laufen direkt in die Arme rechts-faschistischer Rattenfänger. Es ist ganz sicher auch das Gefühl, dass ‚die da oben‘ gemeinsam mit ‚denen von den Schmierenblättern und TV-Stationen‘ eh machen was sie wollen.

Groß ist das Entsetzen in den Medien. Wortreich deren Analysen. Nur zur Selbstkritik reicht’s gar nicht. Wir alle wissen doch, dass Politik und Medien unter einer Decke stecken. Und ahnen, dass dadurch der Manipulation Tür und Tor offen steht. Eigentlich wollten es sich Politiker und Journalisten in diesem System gegenseitiger Abhängigkeit gemütlich machen. Hie wohlfeile Berichte, Politikbejubelung und schon gar keine Berichte über Skandale – da massenhaft Kohle. Mit anderen Worten: die Leser_innen vor allem von Boulevardzeitungen sollten schlicht und einfach eingelullt, ruhig gestellt oder mit anderen Aufreger-Themen („Hund lebendig geköpft“) bedient werden.  Und dann PEGIDA!

Auch in Österreich ist‘s nicht besser, sieht man von einigen Medienprodukten ab, die sich überhaupt noch trauen, gegen den politischen Stachel der Mächtigen zu löcken. Schon seit Jahren sieht‘s bei uns sogar verheerend aus: Der ganz große Teil der Medien biedert sich heute den jeweiligen lokalen, regionalen oder staatlichen Machthabern in einem Ausmaß an, das ich vor einigen Jahren ganz sicher nicht für möglich gehalten hätte. Und da muss man gar nicht nach Wien schauen!

Die Verhaberung der Tiroler Tageszeitung mit der hiesigen ÖVP kann diesbezüglich als wahrhaftes Meisterwerk bezeichnet werden. Alles läuft – oder lief? – wie geschmiert. Denn es ging nie darum, WAS die TT schreibt. Es geht immer noch ausschließlich darum, was die TT NICHT schreibt.

Und zu dieser feinen Bruderschaft gesellt sich mitunter auch noch die Justiz, sprich die Staatsanwaltschaft dieses Landes. Man denke doch nur an den Sch(w)einsager-Skandal. Einen Überblick darüber, welche Machinationen im Heiligen Land allein im Jahr 2013 seitens des Polit-Media-Komplexes mit Ignorieren bestraft worden sind gibt Tirols Blogger Nummer 1, Markus Wilhelm in einem Jahresrückblick wider.

Zu den „historischen Medien“ gesellen sich aber seit geraumer Zeit auch noch soziale Medien und vor allem die Blogger. Jene Spezies von Mensch, die im Internet quasi ein Logbuch oder Tagebuch zu allen möglichen und unmöglichen Themen führt. Aber: 99 % der Blogger im Heiligen Land getrauen sich nicht, gegen die Politik der ÖVP-Oligarchie anzuschreiben, sieht man von Markus Wilhelm und – so hoffe ich – von mir und meinem Blog ab. Kein Wunder: eine Klage mit einem Streitwert von 100.000 Euro ist für Politiker und Landesgesellschaften locker vom Hocker weg zu formulieren. Sie müssen es ja nicht selbst bezahlen. Aber den Blogger bringen schon die Prozesskosten an den Rand seiner finanziellen Existenz. Das musste Markus Wilhelm schmerzlich zur Kenntnis nehmen.

Politisches Bloggen ist also nicht nur in Russland oder China gefährlich. Wie in allen Ländern, in denen oligarchische Politstrukturen den politischen Alltag verkrusten, hat mediale Opposition deshalb auch in Tirol (oder sollte ich schreiben vor allem in Tirol) ihren Preis. Denn eines ist sicher: auch in Tirol sind jene bekannt und notiert, die namentlich gegen ÖVP, TIWAG und andere Machtkonglomerate antreten. Und die Finger dieser feinen Bruderschaft reichen weit. Mit anderen Worten: Jobs in jenen Bereichen, die in Tirol öffentlich kontrolliert werden, sind für kritische Blogger völlig außer Reichweite. Aber auch Jobs, die kaum etwas mit Politik zu tun haben, sind kritischen Menschen vielfach versperrt.

Und dennoch sind es die sozialen Medien, zu denen auch die Blogger gehören, die in den Schreibstuben der Tiroler Tageszeitung des öfteren für Alarm sorgen. Dann nämlich, wenn Themen aufgegriffen werden, die man eigentlich in Tirol unterdrücken sollte und wollte. Immer dann wird‘s kompliziert für eine Zeitung, die den Mächtigen im Land stets hilfreich zur Hand geht. Aber: Die Abozahlen nehmen ab, die finanzielle Decke wird kurz und kürzer. Da muss irgendwas passieren!

Ein Blatt wie die TT hatte ja noch nie den Mut, seine medialen Finger auf die stinkenden, politischen Eiterblasen zu legen, an denen es in Tirol selten gefehlt hat. Jetzt aber sitzen ihnen Blogger im Rücken, die – zu allem Überdruss – von den Tiroler_innen auch noch gelesen werden. Und weshalb? Weil Blogger unbestechlich sind. Man muss ja nicht ihrer Meinung sein, aber sie verkaufen niemandem ein X für ein U. Und mit den Mächtigen haben sie meist nix am Hut.

Da ist guter Rat für die TT teuer. Gut nur, dass die TT-Chefredaktion über viel Hirnschmalz verfügt. Man hat offensichtlich doch ein politisches Gleit-Gel gefunden, um der ÖVP (40 % Wählerstimmen, 100-% der Macht) zart aber doch unangenehme Dinge hineinzujubeln:

Es sind Umfragen! Da kann man den ÖVP-Oligarchen etwas erklären ohne selbst eine Meinung haben zu müssen. Ein großer Coup von Vahmer und Zehnhäusern. Respekt! Allein: schon der erste Versuch ging massiv in die Hosen.

TT widerspricht sich innerhalb eines Monats selbst

Umfrage 1: Am 4. 12. 2014 erschien der Beitrag: „Tiroler Ja zu Kraftwerken und neuem Effizienzgesetz“. Der ÖVP musste ja in vorauseilendem Gehorsam der Rücken gestärkt werden.  Das Naturschutzgesetz musste doch ohne große Debatten gemeinsam mit den Handlangern von den Tiroler-TIWAG-Grünen zugunsten der TIWAG durch den Landtag gepeischt werden.

Also behauptete die TT vor der Landtagssitzung kurzerhand: „Zwei Drittel der Tiroler sind laut einer neuen repräsentativen Konsumentenbefragung für den Bau großer Wasserkraftwerke.“ Klare Sache für TT und Konsumenten – freie Bahn für ÖVP und die abgetakelten Grünen zur Anlassgesetzgebung. Fazit: Das Volk will mit 2>/3 Mehrheit Sellrain-Silz und Kaunertal! Also: Naturschutzgesetz abändern aber dalli. Das Volk will’s ja.

Eine Peinlichkeit damals war allerdings, wer die Umfrage machte und wie sie zustande kam.

Schwupp-Di-Wupp, und alles ist anders. Urplötzlich sind die Tiroler_innen mit 2/3 Mehrheit GEGEN Großkraftwerke.
Da war die ÖVP-TIWAG-Welt und jene der Tiroler-TIWAG-Grünen noch in Ordnung. 65 % der „repräsentativ“Befragten waren für die Errichtung von Großkraftwerken. Also konnte die Schwarz-Grüne Landesregierung mit Zustimmung der roten Wapplertruppe das Tiroler Naturschutzgesetz in Richtung TIWAG derart verbiegen, dass auch noch die letzten Gletscherbäche nahezu trocken gelegt werden.

Umfrage 2: Aber schon etwas mehr als einen Monat später ist alles anders. Denn auch bei der TT liest man soziale Medien und Blogs. Und da tritt plötzlich massiver Widerstand gegen neue Großkraftwerke zutage. Den Mitarbeiter_innen kommt auch zu Ohren, dass die Umwelt-Verträglichkeits-Prüfung teilweise eine Farce sei. Eine, wie sie Tirol noch ganz selten passiert sei. Da schrillten die Glocken, die TT lief mit ihrer Umfrage vom Dezember Gefahr, als Lügnerin dazustehen.

Also musste hurtig eine neue Umfrage her, die mit stolz geschwellter Brust am 6. Jänner 2015 veröffentlicht wurde. Und – welch ein Wunder – diese Umfrage kommt zu einem völlig anderen Ergebnis. Da waren selbst die Journalist_innen des Blattes baff erstaunt, was ihr Boss Mario Zenhäusern alles wusste. Und höchstselbst die prahlerische Schlagzeile vom Dezember abmontierte:

„Insgesamt sind 76 Prozent, also mehr als drei Viertel der Bevölkerung, dafür, die Wasserkraft stärker als bisher auszunützen. Allerdings, und das ist doch überraschend, sind nur 31 Prozent der Menschen im Land dafür, dass der Landesenergieversorger Tiwag große Projekte wie Kaunertal oder Sellrain-Silz umsetzt.“ Also das pure Gegenteil vom Dezember. Respekt!

Und Schwupp-di-Wupp: die Tiroler haben über Neujahr die Meinung geändert.
In Tirol kann’s schnell gehen. Quasi über Nacht änderten Männlein und Weiblein im Heiligen Land ihre Meinung zu Großkraftwerken. Waren im Dezember noch 65 % für den Bau von großen Wasserkraftwerken, lehnen im Jänner 2015 urpolötzlich 69 Prozent (!) der wiederum repräsentativ Befragten die beiden zur Diskussion stehenden Großprojekte harsch ab. Wer soll diese Volte überhaupt noch glauben?

Ich weiß nicht, was in die Ober-Indianer der TT-Redaktion gefahren ist. Was ich aber ihnen und ihren subalternen Journalisten-Kolleg_innen empfehlen würde: stellt einen Zensor an, der ausschließlich darauf achtet, dass sich das Blatt innerhalb eines Monats nicht fundamental selbst widerspricht.

Vielleicht gibt’s dafür ja eine Landes-Förderung unter dem Titel ‚politische Bildung‘! Antragsformulare bei der ÖVP!

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die “Tiroler Grünen” nicht mehr wählbar sind.

PS: wer Neuigkeiten zum Thema „Nepotismus in Tirol“ lesen will, voilà. Markus Wilhelm bloggt wieder!

Ja, noch ein Tipp: Wer weiterhin am Laufenden gehalten werden will, was in Tirol sonst vielleicht unter den Tisch fällt: dieser Blog ist zu abonnieren. Es ist ganz einfach, wenn ihr auf der Startseite eine email-Anschrift eingebt erhält ihr immer dann eine Verständigung, wenn ein neuer Beitrag online gestellt wird. Das heißt, bei jeder neuen Veröffentlichung eines Beitrages erhält ihr eine Benachrichtigung per email. Und wenn‘s euch zu langweilig (oder zu bös, blöd, deppat) wird, einfach wieder abbestellen.

Wer mir etwas wichtiges mitteilen will: tirolischtoll@gmail.com. Absolute Diskretion ist selbstverständlich.

Ein Gedanke zu “Politische Verstopfung entlädt sich als stinkender Dünnschiss

  1. Dieser Umfragen-Wahn, der für alle mehr oder weniger aktuellen Themen in Gang gesetzt wird, ist schon lange nicht mehr akzeptierbar. Da wird jede Menge Geld verheizt. Die Politiker bräuchten eigentlich nur auf ihre jeweilige Basis hören, dann wüssten sie aus erster Hand, was den Leuten unter den Nägeln brennt. Aber wenn sie permanent gegen die eigene Klientel regieren wollen, werden sie wohl weiterhin Argumentationshilfe in Form „vorauseilender Absolution“ kaufen müssen.

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