Es wird immer krasser: Tiroler Speck bald aus Amerika?

Innsbrucks besten Speck gibt's im Speckladele in der Stiftgasse bei Thomas Lackner.
Innsbrucks besten Speck gibt’s im Speckladele in der Stiftgasse bei Thomas Lackner. Wenn’s um unsere Polit-Lobbyisten wie den deutschen Agrarminister Schmidt oder österreichs Vizekanzler Mitterlehner geht könnte Tiroler Speck aber schon bald auch aus Amerika stammen. Oder Gouda-Käse.

Es wird ja immer krasser. Was uns neoliberal geldgierige Politiker_innen mit TTIP jetzt zumuten ist der ganz konkrete Wahnsinn. In einem Interview mit dem Deutschen Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL spricht der deutsche Bundesagrarminister Christian Schmidt nämlich Klartext. Schmidt allen Ernstes:

„Es wäre unseren amerikanischen Handelspartnern schwer vermittelbar, dass sie keinen Tiroler Speck oder Holländischen Gouda zu uns exportieren dürften, wenn wir in Europa selbst den Schutz nicht konsequent durchsetzen würden“.

Mit anderen Worten: Die bislang regionale und von der EU geschützte Spezialität „Tiroler Speck“ könnte künftig auch aus Wisconsin stammen.

Das TTIP („Transatlantic Trade and Investment Partnership“) soll’s möglich machen, wovon Lobbyisten, und korrumpierte Politiker_innen träumen: Ungehemmter Freihandel zugunsten einiger riesiger Gierkonzerne.

Und was den EU Schutz regionaler Spezialitäten anlangt: Schmidt WILL die ja gar nicht schützen. Das wäre dem TTIP und somit den riesigen zu erwartenden Profiten der Lebensmittel-Mafia zutiefst abträglich. Deshalb soll das Feihandelsabkommen ja so rasch und so geheim als möglich über die Bühne gehen.

Das einmalige Angebot im Speckladele in der Innsbrucker Stiftgasse.
Das einmalige Angebot im Speckladele in der Innsbrucker Stiftgasse.

Tiroler Speck aus Wisconsin? Vorarlberger Bergkäse aus Chicago?

Schmidt braucht natürlich eine Ausrede, um dem SPIEGEL solch einen verheerenden Blödsinn erzählen zu können. Europas mächtigster Agrarminister hält nämlich die geltenden EU-Regeln für regionale Lebensmittel für „sehr bürokratisch“! Na sowas! Das hätte er schon längst ändern können. Wollte er aber ganz offensichtlich nicht. Und es geht ihm auch ganz sicher am Arsch vorbei, dass der Tiroler Speck in Zukunft aus Wisconsin kommen könnte. Oder der Vorarlberger Bergkäse aus einer jener Riesenfabriken, in denen amerikanischer Gummikäse hergestellt wird.

Die Qualität? Scheißegal. Hauptsache ein Konzern verdient sich eine goldene Nase. Und unsere kleinen Produzenten? Die müssen sich halt dem Weltmarkt anpassen, hör ich die Korruptionisten in den neoliberalen Polit-Hinterzimmern bereits herzhaft lachen.

Aber der gute Mann hat noch ein weiteres „Argument“ auf Lager. Die EU schütze nämlich auch solche Spezialitäten, ‚deren Grundstoffe längst nicht mehr nur in ihren Heimatregionen hergestellt werden‘ kritisiert Schmidt. Anstatt für eine rigorosere Einhaltung der EU-Richtlinien einzutreten und sie durchzusetzen schüttet er lieber das Kind zugunsten der Amis mit dem Bade aus.

Wie krank ein europäischer Landwirtschaftsminister denken kann zeigt aber vor allem ein Ausspruch gegenüber dem SPIEGEL: „Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen“. 

Der Mann gehört in die Klapsmühle, denkt der Durchschnitts-Europäer. Nein, der Mann ebnet wie so viele andere den amerikanischen Gierkonzernen den Weg nach Europa. Weshalb wohl? Und am Rande erwähnt: Unser ÖVP-Vizekanzler Mitterlehner samt seiner schwarzen Wirtschaftskammer-Mannschaft um den immer g’scheiden Herrn Leitl singen nur allzugerne das Lied der TTIP-Befürworter. Warum wohl?

Liegt Tirol in Amerika? Ist Gouda eine Landschaft des Mittleren Westens oder was?

Und was können wir vorerst tun? Eigentlich nur Petitionen gegen TTIP unterschreiben. Wie die Petition von Greenpeace.

2 Gedanken zu “Es wird immer krasser: Tiroler Speck bald aus Amerika?

  1. Allen Gesetzen und Verordnungen und Verträgen, die unter strenger Geheimhaltung vorbereitet, verhandelt und umgesetzt werden, ist prinzipiell mit Misstrauen und Ablehnung zu begegnen. Sicher, nicht Alles Regionale ist à priori Schützens wert und nicht Alles aus Übersee ist prinzipiell eine Zumutung. Aber jede Zumutung, die mir hinterrücks, ohne Diskussion und Mitteilung aufoktroyiert wird, fordert meinen Widerstand heraus. So ist auch eine Petition von Greenpeace zu unterstützen, wenn sie gegen die Machenschaften von „Weltkonzernen“ und deren Lobbyisten-Heere angeht, die nichts anderes im Sinne haben, als die totale Kontrolle des Weltmarkts und das Unterdrücken der kleingliedrig strukturierten Produktions- und Vertriebssysteme.

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  2. Der beste Tiroler Speck stammte immer und überall aus der eigenen „Produktion“: Die zwei, drei Schweine, die hinter dem Haus den Garten umpflügten, im Dezember vom Vater und Nachbarn geschlachtet wurden, deren Blut in Pfannen aufgefangen und gerührt wurde, lieferten quasi den Jahresbedarf an Speck und Würsten. Mamas Schlachtplatten mit Blut- und Leberwurst, Stelzen, Gselchtem oder die frischen Grammeln mit Salz und selber gebackenem Schwarzbrot lassen mir heute noch das Wasser im Mund zusammenlaufen. Auch wenn mir immer die Tiere leid taten, wenn sie für unsere Nahrung ihr Leben lassen mussten. Aber das gibt es ja alles schon lange nicht mehr. Die Selbstversorgung wurde vom eigenen Staat und später der EU eingeschränkt und total abgeschafft. Vorwand: „humanere Tötung“ (was ist das?) der Tiere, Hygienevorschriften, aber vor Allem wegen der besseren Handhabe und Kontrolle für Steuereintreibung etc.

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