Schwarz-Grün vs. Natur: Gutachten sind Rohrkrepierer

Restwasser? Da können die Planer von der TIWAG nur lachen. Das Wasser ist zu kostbar, als dass es den Berg hinunter rinnen dürfte...
„Die Auswirkungen der Wasserentnahmen auf den (Nächtigungs-) Tourismus sind eher als gering einzustufen, zumal viele Gäste keine Vergleichsmöglichkeiten mit dem früheren Zustand haben werden.“

Mit welcher ,Sorgfalt‘ die TIWAG und die mit ihr verbündete Schwarz-Grüne Landesregierung ihr Projekt Sellrain-Silz durchziehen möchte ist schon atemberaubend. Nach dem bereits legendären Tourismusgutachten mit seinem herausragenden ,Amtssachverstand‘ erweist sich jetzt auch das Schifffahrtsgutachten als formidabler Rohrkrepierer.

Zur Erinnerung. Der Tourismusgutachter attestierte Einheimischen und Gästen des Stubaitales entweder eine fortgeschrittene retrograde Amnesie (sie befällt im Heiligen Land bisweilen auch einst hochrangige Politiker) oder schlicht bodenlose Dummheit. Denn, so meinte der Gutachter allen Ernstes, auch Wasserableitungen in der Größenordnung von 80 % werden „den meisten Touristen mangels Vergleichsmöglichkeit kaum auffallen“. Um dann der TIWAG noch gleich ein Loblied zu singen. „Insgesamt erweckt das Kraftwerk mit allen Anlagenteilen den Eindruck, einfühlsam geplant worden zu sein.“ Die Betonierer als hochsensible Ökologen quasi.

Und nun gesellt sich zu diesem Meisterwerk des bürokratischen Amtssachverstandes noch das Gutachten bezüglich Schifffahrt. Eine weitere Blamage für die Auftraggeber, der Umweltschutzabteilung des Amtes der Tiroler Landesregierung. Und vor allem eine weitere schallende Ohrfeige für die grüne Landeshauptmann-Stellverteterin Ingrid Felipe. Denn die Gutachter wurden von ihrer Abteilung nominiert. Na habe die Ehre.

In aller Kürze zum Schifffahrtsgutachten: Was der Gutachter da vor sich hin sudert, ist grottenfalsch. Das muss man sich einmal vorstellen. Denn die Datengrundlage, die der gute Mann annimmt, ist völlig veraltet und stimmt überhaupt nicht mehr. Er attestierte aber in seinem Elaborat den Kajakstrecken auf der Ruetz trotzdem (oder gerade deshalb?) keine negativen Auswirkungen. Und damit stellt er negativen Auswirkungen auf den Tourismus denn auch in Abrede. Aber wie sich jetzt herausstellt: Das genaue Gegenteil dürfte der Fall sein.

Dass das Teilgutachten ,Tourismus‘ nicht einmal das Papier wert ist auf dem es ausgedruckt werden kann, belegt ein Umstand: Der Mann meint doch allen Ernstes, die Auswirkungen des Wasserabgrabens an drei Gletscherbächen sei nur bis Fulpmes sichtbar. Und nachher nicht mehr.

Als besonders lustig empfinde ich diesen Satz, in dem der Herr Dr. Berktold das – nachweislich falsche – Schifffahrtsgutachten zitiert: „Das Teilgutachten „Schifffahrt“ zeigt auf, dass die verringerte Wasserführung für die Kajakstrecken der oberen Ruetz geringe bis positive Auswirkungen hat.“ Also weniger Wasser ist besser für die Kajakfahrer_innen…

Und da sich herausstellt, dass beide Gutachten keinen Pfifferling wert sind, müssen neue, und diesmal wirkliche Experten heran. Denn nicht nur der immer beliebtere Kajaktourismus käme im schlechtesten Fall im Stubai zum Erliegen. Auch die Fische würden den möglichen Wassermangel mit größter Wahrscheinlichkeit nicht überleben. Einen Überblick über die Aufgabenstellung neuer Gutachten haben die Aktivist_innen von Stubaiwasser.at erarbeitet. Erste Stellungnahmen liegen vor und können auf der Website von stubaiwasser.at eingesehen werden.

 So wird die Sillschlucht in Zukunft oft ausschauen, wenn der ungeheure Anschlag von Schwarz-Grün auf die Tiroler Natur erfolgreich ist. Danke ÖVP. Danke Tiroler Grüne! Danke TIWAG.
So wird die Sillschlucht in Zukunft oft ausschauen, wenn der ungeheure Anschlag von Schwarz-Grün auf die Tiroler Natur erfolgreich ist. Danke ÖVP. Danke Tiroler Grüne! Danke TIWAG.

Ja, noch was. Eine Feststellung des Gewässerökologen DI Clemens Gumpinger vom techn. Büro für Gewässerökologie, Wels müsste in Innsbruck die Alarmsirenen schrillen lassen: Es besteht die reale Gefahr, dass die Sillschlucht des öfteren austrocknet. Denn ein solches Szenario ist durchaus möglich:

„Der Sill gehen neben den maximal 10 m³ s-1, die dem Unterlauf der Ruetz fehlen, bis zu 22,4 m³ s-1 zusätzlich verloren, die für den Betrieb des Kraftwerks „Untere Sill“ abgeleitet werden, wodurch sich für die Sillschlucht insgesamt ein maximaler Abflussverlust von 32,4 m³ s-1 ergibt. Bei einer langjährigen Mittelwasserführung von nur 24,5 m³ s-1 ist von einer massiven bestehenden gewässerökologischen Beeinträchtigung auszugehen, die ebenfalls durch die geplanten Ausleitungen noch verstärkt werden könnte – ohne weiterführende hydrologische und gewässerökologische Erhebungen in diesem Bereich kann aber auch hier keine quantifizierende Aussage getroffen werden, auch in diesem Gewässerabschnitt herrscht dementsprechender Untersuchungsbedarf.“

Mit anderen Worten: die Gefahr, dass die Sillschlucht immer öfter ausgetrocknet daliegt, ist eine direkte Folge der ungeheueren Wasserableitungen im Ruhegebiet Stubaier Alpen.

Danke ÖVP!

Danke Tiroler Grüne!

Danke TIWAG!

 

Ein Gedanke zu “Schwarz-Grün vs. Natur: Gutachten sind Rohrkrepierer

  1. Hat dies auf dtklose rebloggt und kommentierte:
    Wie kann es sein, dass alle im Amt befindlichen und aus dem Amt agierenden, so genannten Sachverständigen einen solchen Stuss verbreiten dürfen. Und nachher auch noch Anspruch auf ehrenhafte Pensionierung haben?

    Gefällt mir

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