Für wie blöd halten uns TIWAG und Schwarz-Grün?

Eine neue Dimension des Sommer-Tourismus in Tirol: Der Ersatz rauschender Wildbäche durch Schautafeln.
Eine neue Dimension des Sommer-Tourismus in Tirol: Der Ersatz rauschender Wildbäche durch Schautafeln.

Im Zusammenhang mit der Umwelt-Verträglichkeits-Prüfung UVP des geplanten, riesigen und völlig unnötigen Pumpspeicherwerkes Sellrain-Silz sind wir ja einiges gewohnt. Aber eines der Gutachten schlägt meines Erachtens alles bisher Dagewesene. Ich meine jenes Elaborat, das die Auswirkungen der Wasserabgraberei auf die Raumordnung und vor allem den Tourismus in Kühtai, im Ötztal und im Stubai untersuchen sollte.

Das Wort ,Gutachten‘ muss jetzt in Tirol wohl neu definiert werden, liest und lacht man sich durch das „1. Teilgutachten Raumordnung und Erholung“ des „Umweltverträglichkeitsgutachtens Speicherkraftwerk Kühtai“. Dessen Autor Dr. Elmar Berktold kommt zu Schlussfolgerungen, die selbst hart gesottene Schönredner, Ohrenbläser und Liebdiener verblüffen.

Perle 1: Wildwasser durch Schautafeln ersetzen!

Dem Gutachter Berktold geht es lesbar darum, die geplanten Aktivitäten der TIWAG im Stubai schön zu reden. Kein Wunder, weiss er doch, dass sich die Bürger_innen der Gemeinde Neustift in einer Volksbefragung mit einer 85 %igen Mehrheit (!) gegen jede Wasserabgraberei ausgesprochen hatten. (Darauf geht der ,Gutachter‘ übrigens mit keinem Wort ein.) Auf Seite 98 findet sich wohl deshalb eine erste der vielen Perlen gutachterlicher Kriecherei. Eine Perle, die zudem auch noch völlig neue, touristische Dimensionen eröffnen könnte.

Er muss im Gutachten nämlich – ob er will oder nicht – auf das Projekt WildeWasserWeg des Tourismusverbandes Stubai eingehen. Denn schon kurz nach der Umsetzung der ersten Teilstrecken dieses Weges hat sich das Projekt als echter Renner des Sommer-Tourismus erwiesen. Mehr noch: das vom Stubaier Umweltschützer Luis Töchterle initiierte Wegsystem wird weiter ausgebaut. Der WildeWasserWeg führt ausgerechnet auch an Gletscherbächen vorbei, die Schwarz-Grün politisch zum ,Abschuss‘ frei gegeben haben. Und damit wäre dieses touristische, Tiroler Vorzeigeprojekt ein Opfer der sinnlosen Wasserabgraberei.

Was tut Berktold jetzt? Er versteigt sich als Gutachter in kühne Behauptungen. Gleich mehrmals postuliert er, dass ein Großteil der Gäste ja eh „keine Vergleichsmöglichkeit mit der Situation vor der Wasserableitung“ habe … weshalb kaum negative Emotionen zu erwarten“ seien. Punkt. Basta.

Hier könnte man doch den Touristen mit Schautafeln erklären, was mit dem Wasser passiert. Das würde sie sicher beruhigen. © Luis Töchterle
Wenn Touristen keine Vergleichsmöglichkeiten haben, werden sie solche katastrophalen Flussableitungen erst gar nicht erkennen. Foto: Luis Töchterle

Wo nichts ist, da gibt es keinen Zweifel oder was?

Und was, wenn die Ableitung von 80 – 85 % des Wassers dennoch einigen Stammgästen auffiele? Wie zum Beispiel das Fehlen des wild rauschenden Wassers im Fernaubach? Hätte sich Herr Berktold auch nur telefonisch beim TVB Stubai erkundigt, wie hoch der Stammgästeanteil im Sommertourismus sei, er hätte sich nicht bis auf die Knochen blamiert. Denn 50 % der Sommergäste im Stubai sind Stammgäste.

Er dürfte als Beamter der Landesregierung deshalb nicht zögern, sich jetzt dringend zu erklären oder sich zumindest zu entschuldigen: Wie kommt er auf die Idee, ein Großteil der Stubaier Gäste würde „keine Vergleichsmöglichkeit“ kennen? Unterstellt Berktold den Stammgästen des Stubai – ganz im Stil der ,Piefke-Saga‘ – quasi eine ,wassertechnische Blindheit‘?

Stattdessen und sozusagen als Draufgabe verblüfft Berktold mit einer Volte der ganz besondern Art: Auf Seite 98 präsentiert er einen sensationellen Vorschlag, eine neue Dimension im Sommertourismus, einen wahren Schenkelklopfer:

„Sollte aber der geplante Abschnitt des WildeWasserWegs im Bereich des Fernaubachs realisiert werden, könnte mit Schautafeln auf die Problematik von Wasserentnahmen für Großwasserkraftwerke im Hochgebirge eingegangen und somit die Beeinträchtigung positiv in Wert gesetzt werden.“

Einfach unglaublich: da werden 80 – 85 % des Wassers dieses Gletscherwildbachs abgeleitet und der Gutachter will diese objektive Verschlechterung der touristischen Struktur mit Schautafeln hochloben und schönreden. Sozusagen als „Wiedergutmachung“.

Nichts leichter als dieses WildWasser durch eine Schautafel zu ersetzen oder? © Luis Töchterle
Nichts leichter als dieses WildWasser – hier die Fernauklamm – durch eine Schautafel zu ersetzen. Oder? © Luis Töchterle

In diesem Zusammenhang verbleiben einige Fragen an den Herrn Berktold. Aber auch jene Abteilung des Amtes der Landesregierung sollte sich dazu äußern, die die Gutachter für die UVP – also auch den Herrn Berktold – benannte. Es ist – erraten – die Abteilung Umweltschutz der grünen Frontfrau Ingrid Felipe.

  • Für wie blöd halten uns Berktold, TIWAG, ÖVP und die Tiroler Grünen?
  • Welches Bildungs- bzw. Intelligenzniveau unterstellt Berktold den Tirolerinnen und Tirolern aber vor allem den Gästen des Stubaitales?
  • Hat sich Berktold überhaupt mit den Tourismusverantwortlichen des Stubai unterhalten?
  • Sind dem TVB Stubai die ebenso kühnen wie sinnerweiternden Vorschläge Berktolds bereits zur Kenntnis gebracht, fehlendes Wildwasser ganz einfach durch Schautafeln zu ersetzen?

Das ist aber noch längst nicht alles. Im nächsten Blogbeitrag beschäftige ich mit weiteren Perlen des Berktold-Gutachtens. Und vor allem auch mit der Frage, wie sich die TIWAG-Wasserabgraberei auf die Gemeindefinanzen der Gemeinde Neustift im Stubaital auswirkt.

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