Das unerträgliche Schweigen der Tiroler Grünen

Man sollte meinen, die geplanten Ableitungen der allerletzten Gletscherbäche im Stubai und im Ötztal müssten die Tiroler Grünen auf die Barrikaden treiben. Weit gefehlt, sie üben sich im Gegenteil offenbar in ‚Regierungsfähigkeit‚, Willfährigkeit (der ÖVP gegenüber) und vor allem in Schweigen, das man durchaus als versuchtes, klammheimliches Aussitzen deuten könnte.

Ich musste in meinem Blogeintrag „Ist Gebi Mair ein Feigling“ hoffen, den Klubobmann der Tiroler Grünen im Landtag endlich aus den Stauden zu locken. Und in der Tat. Er lugte hervor und meldete sich unvermittelt via Facebook (s. auch Faksimile). Ganz Gebi Mair und im Stil abgebrühter Profipolitiker antwortete er mit einer Gegenfrage und einer Behauptung: „Ist Werner Kräutler ein Feigling? Ich habe dir schon lange ein Gespräch angeboten, aber du traust dich nicht.“

Tja dann. Hier die Fakten: Ich hatte vor etwa 10 Tagen Gebi Mair um einen Gesprächstermin in Sachen Wasserabgraben der TIWAG ersucht. Er hatte offenbar kein einziges Stündchen Zeit und vertröstete mich auf diese Woche. Als langjährigem Journalisten war mir dieses Vertrösten sattsam bekannt: Mair fand das Thema offenbar zu heiß, um es sofort zu behandeln. Und jetzt glaubt er auch noch, ich sei zu feig, mit ihm zu reden. Das schon gar nicht, Gebi. Aber ich akzeptiere auch Deinen Vorschlag nicht, das Gespräch ohne Aufnahmegerät (Tonband) zu führen. Das ist doch das Mindeste. Und ‚Hintergrundgespräche‘, die dann auch noch ‚vertraulich‘ sind, führe ich prinzipiell nicht.

Denn ich bin der Meinung, dass die Tiroler Grünen ihre Argumente öffentlich vortragen sollen, als Umweltpartei sogar müssen. Haben sie sich doch Transparenz früher einmal auf ihre Fahnen geheftet. Also, meine Fragen hier nochmals wiederholt:

a) weshalb haben die Tiroler Grünen in der Regierungssitzung einer Änderung des Tiroler Naturschutzgesetzes  (hier nochmals die Details) zugestimmt, wissend, dass die Novelle der Möglichkeit Tür und Tor offnet, Wasserfassungen im Stubai und Ötztal mit all den nicht wieder gutzumachenden Folgen in die Landschaft zu sprengen,

und

b) wie denn die in der Novelle des Naturschutzgesetzes definierte „Energiewende“ in der Definition der Tiroler Grünen ganz konkret aussehe.

Ich stellte also diese zwei Fragen via meines Blogposts „Gebi Mair – vom Paulus zum Saulus“ und erwartete doch, dass der hochbezahlte Grün-Politiker darauf öffentlich eingeht. Weit gefehlt.

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Das matte Ergebnis bisher: Gebi Mair glaubt, ich sei ein Feigling. Was ich jedoch locker wegstecke. Die Zeit der ‚Hintergrundgespräche‘ ist aber vorbei. Mit Journalisten kann er sich verhabern, nicht aber mit Bloggern. Jetzt muss er die Diskussion öffentlich führen. Gebi: Facebook, Twitter & Co sind erfunden. Und ich werde keine Ruhe geben bis ich Antworten auf meine Fragen kriege. Und wenn ich keine kriege, hast du mich und andere über einen längeren Zeitraum am Hals. Also sei nicht blöd. Ihr könnt’s ja mit den Sozialen Medien.

Denn auf einem anderen Gebiet exerzieren die Tiroler Grünen vor, wie transparente und öffentliche Stellungnahmen ausschauen. Wie auf sozialen Medien Opposition gegen Naturzerstörung gemacht wird. Die Diskussion um den von ihnen mit allergrößter Energie bekämpften ‚Brückenschlag‘ der Skigebiete des Stubai und der Axamer Lizum belegt das eindrucksvoll.

Dass die Tiroler Grünen gegen diesen sogenannten ‚Brückenschlag‚ vom Stubai in die Axamer Lizum wettern, sehe ich völlig ein. Es handelt sich um ein ausgewiesenes Ruhegebiet. Aber dass sie einen noch viel brutaleren Anschlag gegen die Natur in einem anderen Ruhegebiet – einige Kilometer weiter hinten im Tal – völlig verschweigen, ist unfassbar. Hier erwarten die vielen Naturschützer_innen klare Worte. In aller Öffentlichkeit und nicht im Hinterzimmer.

Also Gebi: Von hochbezahlten politischen Funktionären dürfen die Steuerzahler_innen auch erwarten, dass sie Antworten auf ihre Fragen erhalten. Daran solltest Du immer denken.

 

Eine LESEEMPFEHLUNG noch: Die Initiative „Rettet die Ötztaler Ache“ beschreibt eindrucksvoll, wie die Wasserabgraberei im Ötztal funktioniert. Und wie die Verfahren ablaufen. Und wie die Bevölkerung NICHT eingebunden wird.

Es gibt also viel zu tun. Klopfen wir den Naturzerstörer_innen auf die Finger! Für Anregungen bin ich dankbar: tirolischtoll@gmail.com

 PS: Die wunderbaren Bilder verschiedener Gebirgsbäche im Stubai stammen von Walter Mayerhofer. Ich danke ihm dafür, dass ich diese tollen Naturaufnahmen in meinen Blogposts verwenden darf.

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