Der schwarz-grüne Anschlag

Als größten „Anschlag auf die Tiroler Natur der letzten 25 Jahre und einen naturschutzpolitischen Skandal“ bezeichneten Ende Juli vier absolut vertrauenswürdige Umweltschutzorganisationen ein Vorhaben der Schwarz-Grünen Landesregierung: WWF, Greenpeace, GLOBAL 2000 und das ÖKOBÜRO. Das ficht naturgemäß die Betoniererfraktion innerhalb der ÖVP überhaupt nicht an. Dass aber die Grünen Tirols bei diesem Trauerspiel eine Hauptrolle übernehmen, ist unfassbar. (Siehe auch hier und hier)

Stubai - Fernaubach
Der Fernaubach soll auch ‚zur Ader‘ gelassen werden wenn’s nach Schwarz-Grün geht.

Dabei sprechen nicht nur die naturschutztechnischen Bedenken gegen den Kern der Novelle. Die quasi ein Freibrief für die TIWAG ist, in Ruhegebieten zu sprengen, zu betonieren, mit Hubschraubern herumzufliegen etc. Das Wasser soll auch noch aus den letzten Gebirgsbächen harausgequetscht und abgeleitet werden. Wie sehr sich übrigens die Grünen um ihre eigene, politische Achse gedreht haben sei an einem kleinen Beispiel dokumentiert.

Georg Willi 2010: Tirol braucht einen Wechsel in der Energiepolitik! Vier Jahre später: Ein Freibrief für die TIWAG.

Noch im Juni 2010 hatte Georg Willi in der Tiroler Kronenzeitung kampfeslustig getönt:  In Tirol brauche es eine Wende in der Energiepolitik „Bevor man über weitere große Wasserkraftwerke diskutieren sollte, brauche Tirol zuerst einen Wechsel in der Energiepolitik, weg von den jährlichen Verbrauchssteigerungen, erklärte Willi. Wenn man so weitermache, sei bald der letzte Bach verbaut und dann reiche der Strom wegen der jährlichen Steigerungen im Verbrauch noch immer nicht. Und jetzt dienen sich die Grünen als Handlanger der ÖVP an, indem sie das Naturschutzgesetz so ändern, dass die TIWAG in Ruhegebieten herumfuhrwerken kann wie sie will. Die Tiroler Grünen sind gar maßgeblich daran beteiligt, dass der von ihnen oft zitierte ‚letzte Bach‘ verbaut wird.

Stubai Mutterberger Klamm
Auch der Muttersberger Bach wird’s ‚billiger‘ geben müssen. Denn nach dem Wasser dieses Flusses schielt die TIWAG.

Gartenschlauch statt Rückgrat

Hätten die Grünen ein Rückgrat, würden sie mit der ‚Wirtschaftspartei‘ ÖVP wenigstens betriebswirtschaftlich argumentieren. Aber: entweder sie können es nicht oder sie wollen es nicht. Jedenfalls hat es stark den Anschein, als hätten sie seit kurzem ihr politisches Rückgrat durch einen Gartenschlauch ersetzt. Denn: Es gibt sehr gute wirtschaftspolitische Gründe, die gegen die TIWAG-Wasserabgrabereien sprechen. Aber: von Schwarz werden die unter der Decke gehalten und  von Grün vermutlich erst gar nicht richtig verstanden.

Ohne Atomstrom oder billigen Nachtstrom werden die Pumpspeicherwerke unrentabel

Eine Studie über die ,Rentabilität von Pumpspeicherkraftwerken‘ an der ETH Zürich kommt jedenfalls – für die Schweiz – zu einem mehr oder minder eindeutigen Ergebnis: „Wenn Atomkraftwerke in Zukunft keine günstige Energie mehr ins Netz speisen, hat dies einen wesentlichen Einfluss auf den Energiepreis. (Anmerkung: Anstelle des Wortes Atomstrom kann auch ‚günstiger Nachtstrom aus kalorischen Kraftwerken‘ gesetzt werden). Dieser wiederum bestimmt den wirtschaftlichen Gewinn eines Pumpspeicherkraftwerkes mit und somit auch dessen Rentabilität. Je nachdem wie sich der Energiepreis entwickelt, hat dieser einen positiven oder negativen Effekt. Glaubt man den Prognosen bezüglich den Energiepreisen ohne Kernenergie, wird sich die Rentabilität sicher verschlechtern und viele Kraftwerke könnten unrentabel werden.“ Und was für die Schweiz gilt gilt meist auch für Österreich. Und dann weisen die Autoren der ETH-Studie einen Ausweg auf. Als solchen betrachten sie die „Erweiterung des Zuflussgebietes, durch die die Gewinnausschöpfung gesteigert werden könnte“. Und jetzt sind wir beim Punkt. Die von der schwarz-grünen Landesregierung verkündete ,Energiewende‘ ist nicht mehr und nicht weniger als eine verkappte Rettungsation für die TIWAG, die jetzt schon einbrechende Gewinne hinnehmen muss. Auch hier geben die Tiroler Grünen ein erbärmliches Bild ab. Zuerst enorm hohe Strompreise für die Bevölkerung, dann riesige Invistitionen in Wasserabgrabereien in den Tiroler Alpen, um die Wahrscheinlichkeit von Verlusten zu minimieren. Was soll das denn?

Die vereinten schwarz-grünen Wasserabgräber sollten vor allem auch Ihre Zeitung intensiver lesen. Die Tiroler Tageszeitung gehört vermutlich eh schon zum Leib- und Magenblatt grüner Politiker_innen. Darin hätten sie dann nämlich folgendes lesen können: „Österreich produziert doppelt soviel Strom wie es verbraucht“. (TT vom 5. Juni 2014, Seite 18). Im eigentlichen Beitrag steht dann Handfestes. Laut E-Control – also die österreichische Stelle für Energieregulation – würden Investitionen in neue Kraftwerke nur die Kosten für die Verbraucher in die Höhe treiben. Das behauptet niemand Geringerer als der Vorstand der E-Control, Walter Boltz, der es ja wissen muss. „Österreich hat etwa 10.000 Megawatt Spitzenleistung, die wir an kalten Wintertagen benötigen, wir haben aber Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 23.000 Megawatt“. Um dann noch weiter zu beruhigen: „ In Österreich seien bis 2030 keine Probleme bei der Stromversorgung zu erwarten, zeige eine Studie des schwedischen Beratungsunternehmens SWECO.“

Kann zumindest Grün noch zur Räson kommen?

Der Regierungsbeschluss zur Änderung des Tiroler Naturschutzgesetzes (und damit die Unterfertigung des Freibriefes an die TIWAG) ist bereits gefallen. Einstimmig, also auch mit der Zustimmung der Grünen. Die ÖVP wird sich von ihrer Haltung nicht abbringen lassen. Da wird weiter heftig von einer ‚Energiewende‘ geschwafelt in der Hoffnung, die Tiroler_innen würden diese üblen Rosstäuschermethoden nicht durchschauen. Trotzdem lassen sich die Umweltorganisationen in Tirol nicht unterkriegen. Am kommenden Samstag rufen sie zum großen ‚Naturschatzfest‘ nach Innsbruck. Sie soll, so die Organisatoren, zu einer Manifestation für die Natur werden. Ob bei dieser Veranstaltung auch Politiker_innen der Tiroler Grünen auftauchen? Sie werden sich wohl kaum trauen. Denn da müssten sie Rede und Antwort stehen, weshalb sie von einer Umwelt-Schutz-Partei zu einer Umwelt-Nutz-Partei geworden sind.

WWF Naturschatzfest

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