Volksmusik, eine neue Leidenschaft?

Innsbrucks Kultur-Blogger Markus Stegmayr – bisher bekannt für seine exzellenten Kenntnisse der ganz neuen und ganz alten Musik – hat sich in seinem neuesten Blogpost der Volksmusik angenommen. Und attestiert einigen Protagonisten dieser ‚Neuen Volksmusik‘ einen doch beträchtlich veränderten – sprich entrümpelten – Zugang zu Tradition.

Legendär: der Tiroler Komponist, Vibraphonist und 'Volxmusikant' Werner Pirchner.
Legendär: der Tiroler Komponist, Vibraphonist und ‚Volxmusikant‘ Werner Pirchner.

Da ich im Blogpost von Markus auch genannt bin: Ja, ich beschäftige mich schon ziemlich lange mit Volksmusik. Begonnen hatte es eigentlich in den 70er Jahren mit Werner Pirchner und seiner legendären Langspielplatte: ‚ein halbes doppelalbum‘. Für mich war das die Geburtsstunde der Neuen Volksmusik in Tirol, vielleicht sogar in Österreich und dem deutschsprachigen Raum. Pirchner wurde jedenfalls zum musikalischen Vorbild einer ganzen Generation. („Wenn das Büchserl knallt und das Bomberl fallt…“)

Er war es, der volksmusikalische Themen durch eine einzige Langspielplatte wieder rehabilitierte. Und der die von den Nazis vergewaltigte Volksmusik zumindest in Tirol bzw. in Österreich aus dem rechten Eck holte, in das sie von Konservativen und  Neo-Nazis so gerne gestellt worden war. (Und immer noch gestellt wird.) Mit Pirchners Hilfe feierte die  missbrauchte Volksmusik ihre Auferstehung in der kritisch-demokratischen Gesellschaft.

Stubaier Freitagsmusig
Die Stubaier Freitagsmusig

Die bayerische Biermösl-Blosn machte Volksmusik – vor allem deren Texte – in Deutschland populär. Zwar drehte die bayerische Staatsregierung des öfteren durch, verpasste per Ukas an den Regierungsseder den Well-Brüdern im Bayerischen Fernsehen Auftritts- und Sendeverbote. Aber die drei Volx-Anarchisten wurden dennoch zu Legenden.  Die gemeinsamen Auftritte mit dem bayerischen Kabarett-Titanen Gerhard Polt sind bereits Kabarett-Geschichte.  Jedenfalls haben die Well-Brüder liebliche Melodien, teils im Polka- und Walzerrhythmus, mit Texten aufgeputzt, die rechten Recken so richtig gegen den Strich gingen und immer noch gehen.

Volksmusik vom Feinsten. Hier: Herman Kühebacher, Seidenweber, Mitglied der legendären Gruppe Titlà, Südtirol, Flötist, Dudelsackspieler verstärkt die Stubaier Freitagsmusig beim Auftritt in Seefeld.
Volksmusik vom Feinsten. Hier: Herman Kühebacher, Seidenweber, Mitglied der legendären Gruppe Titlà, Südtirol, Flötist, Dudelsackspieler verstärkt die Stubaier Freitagsmusig beim Auftritt in Seefeld.
"Volksmusik aus Gesamttirol"  nannte sich eine Veranstaltung im Knappensaal des Ansitz Seebegg (Musikkschule) in Klausen.
„Volksmusik aus Gesamttirol“ nannte sich eine Veranstaltung im Knappensaal des Ansitz Seebegg (Musikkschule) in Klausen.

Das Volxmusik-Festival in Piesendorf Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts, Hubert von Goisern und andere Protagonisten dieser Musik verstärkten den Trend. Und was mich besonders freut: eine ganze Reihe junger Musiker_innen experimentiert wieder verstärkt mit Volksmusik, entwickelt sie weiter. Markus Stegmayr zitiert sie denn auch mit Fug und Recht. Diese jungen Leute machen die Neue Volksmusik auch für urbane Menschen akzeptabel und verständlich.

Wenn moderne Volksmusikanten spielen, werden wird aus Volksmusik plötzlich Weltmusik.  Titlà isst ein gutes Beispiel dafür.
Wenn moderne Volksmusikanten spielen, wird aus Volksmusik plötzlich Weltmusik. Titlà ist ein gutes Beispiel dafür.

Deshalb freut mich der hervorragende und lesenwerte Blogpost von Markus Stegmayr so sehr. Denn es bedeutet für mich persönlich auch: die Neue Volksmusik ist auch in urbanan Kreisen angekommen. Und: Die Leidenschaft der jungen Volksmusikant_innen überträgt sich auch auf’s städtische Publikum.

Ja, noch was. Der 21. Volksmusikwettbewerbum den Herma Haselsteiner Preis findet vom 23. – 26. Oktober im Congress Innsbruck statt. Also vor städtischem Publikum quasi. Ich werde mir diese Gelegenheit  nicht entgehen lassen, um nachzusehen, ob der stinkende Mief der Geschichte auch aus solchen Veranstaltungen verschwunden ist. Ich hoffe es jedenfalls inständig.

2 Gedanken zu “Volksmusik, eine neue Leidenschaft?

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