Galtür: Olymp der Älpler

Galtür, immer Ende September: Seit 20 Jahren treffen sich die besten Alm-Senner aus Österreich, der Schweiz und Italien im Paznauner Bergdorf, um ihre neuesten Almkäse-Kreationen vorzustellen. Und um die Almkäse-Olympiasieger zu ermitteln.

Für mich sind Veranstaltungen wie die in Galtür von ganz besonderem Reiz. Es ist nicht so sehr die sentimentale Erinnerung an die Almsommer meiner Jugend, die mich fesselt. Es sind die meist mundfaulen, bisweilen bärtigen Akteure, die mich interessieren und die in Galtür Jahr für Jahr zu Hauptdarstellern werden: Die Alm-Senner oder – wie man in Tirol auch sagt – die ‚Kaser‘. In der Schweiz nennt man sie übrigens schlicht ‚Älpler‘. Männer und Frauen, die in sich ruhen, mit Gesichtern wie Juchtenleder und Händen wie Teller. Denen ich aber den Status von Künstlern zuerkennen will. Was sie aus Milch zaubern und monatelang mit Inbrunst pflegen kann schlicht und einfach nur Kunst genannt werden.

Galtür Almkäse Olympiade
Bilder wie aus dem Museum: die Geräte des Meistersenns Leo Moosbrugger. (Repro aus dem Fotoalbum der Familie Feuerstein)
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Beschriftung des Sennkessels von Leo Feuerstein auf der Alpe Vorder Niedere im Bregenzerwald.
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Ein Rad Almkäse von der Alpe Ober Überlud im Großen Walsertal. Ein solches Rad wiegt bis zu 28 kg.

Diese Älpler leben heute noch eine Tradition, die mehr als 1.000 Jahre alt ist. Galtür feiert mit seiner Almkäseolympiade gleich auch

Schweine erfüllen auf den Almen eine sehr wichtige Aufgabe.
Schweine erfüllen auf den Almen eine sehr wichtige Aufgabe.

eine Wirtschaftsweise, die beinahe ausgestorben wäre. Im Sommer ziehen sie mit den Tieren auf die Alm oder Alpe. Die Milch wird vor Ort gemolken in haltbare Produkte verwandelt. In Käse, Butter und Molke. Hier sollte ich einen Exkurs zu Molke machen. Was die Wenigsten wissen: Molke ist – wenn sie in offene Gewässer gelangt – ein absoluter Killer. Würde man sie in den nächsten Bach ableiten, kippt dieser sofort, alle Wasserlebewesen wie Fische würden auf Kilometer hinaus getötet. Denn die Molke entzieht dem Wasser allen Sauerstoff. Deshalb auch die Schweine auf der Alm: die fressen die nahrhafte Molke mit sichtbarem Vergnügen.

Galtür Almkäse Olympiade
Unverkennbar: Bayerische Almkäsemacher mit ihrer zünftigen Tracht.
Galtür Almkäse Olympiade
In Wahrheit muss man sich nicht lange fragen, weshalb es die ‚Älpler‘ trotz härtester Arbeit lieben, auf der Alm zu arbeiten. Hier die Alpe Ober Überlud im Großen Walsertal.

Ob Alm oder Alpe – ob Älpler oder Senn – der moderne Tourismus wäre ohne die harte Arbeit der Almbäuerinnen und -bauern nicht denkbar. Obwohl die Älpler ihre harte Arbeit über alles lieben. Sie blicken im Frühjahr schon mit Sehnsucht bergwärts. Und feiern das Ende des Almsommers mit teils farbenprächtigen Almabtrieben. „Es ist ein Rest von absoluter Freiheit“, erklärt mir ein Almsenn diese Sehnsucht. „Man ist frei und ungebunden, nur den Tieren und deren Besitzern verpflichtet“. Und natürlich dem wunderbaren Käse.

Wer aber glaubt, auf den Almen würde nur Alm- bzw. Bergkäse hergestellt, täuscht sich. Natürlich wird der Bergkäse nicht umsonst so genannt und daher in größeren Mengen hergestellt. Aber auch Schnittkäse und Weichkäse werden hergestellt. Dazu kommt noch der Sauermilchkäse. Mehr und mehr werden auch Käse mit Gewürz- und Kräuterzugabe auf den Almen gesennt. Für mich kommen die jedoch nicht in Frage. Da bin ich stur wie die Berge der Heimat.

Galtür Almkäse Olympiade
Was mich am Schweizer Almkäse auch fasziniert: die noble ‚Verpackung‘. Ob Appenzeller, Gruyère oder eben Churer – die Aufmachung hat Stil. Hier können unsere Käsemacher noch ein wenig lernen.

Der 27. September war also ein Feiertag für mich. Ich kostete mich durch die wunderbare Welt des Almkäses und kaufte mehr als zwei Kilogramm allerbester Ware. Und natürlich wartete ich nicht erst die Ergebnisse der Jury der Almkäseolympiade ab. Ich erstellte meine eigene Rangliste.

Ich muss vorausschicken, dass mir die Käse des Bregenzerwaldes und des Großen Walsertals seit Jahrzehnten vertraut sind. Ich liebe den Geschmack der Almkäse, mit ihren Anklängen an Alpkräuter und Bergblumen. Ich schätze den eher ‚räßen‚ Bergkäse. Felsenfest im Geschmack, mild im Abgang. Den unvergleichlich rahmigen Nachhall im Gaumen bietet eigentlich nur der Bregenzerwälder Bergkäse.

Also, hier ist meine sehr subjektive Wertung. Vorausschicken darf ich, dass ich keinen der Sennen vorher gekannt hatte. Also insofern bin ich neutral:

Mein Olympiasieger ist HUBERT MANSER aus Au im Bregenzerwald. Sein 12monatiger Bergkäse ist von außergewöhnlicher Qualität. Ganz mein Geschmack, Noten von Almheu und Berg-Thymian, wunderbar cremig im Abgang mit einem Nachklang von Süßrahm.

Galtür Almkäse Olympiade
Die Jury der Almkäse Olympiade in Galtür.

An 2. Stelle folgt LEO FEUERSTEIN, Alpe Vordere Niedere, ebenfalls mit seinem 12 Monate alten Bergkäse. Ebenfalls ein typischer Bregenzerwälder Käse. Ausgereift, voll im Geschmack.

An 3. Stelle liegt in meiner Wertung GÜNTER NIGSCH von der Alpe Ober Überlud mit seinem Bergkäse. Die Walser Käse sind etwas weniger razent aber dennoch von wunderbar rundem, unvergleichlich ‚walserischen‘ Geschmack.

An 4. Stelle habe ich den 12 monatigen Alpkäse der ALP SELVA in Graubünden. Ein typischer Schweizer Käse, zurückhaltender in der Geschmacksbildung als die Bregenzerwälder. Dafür feine und subtile Noten von frischer Bergmilch.

Galtür Almkäse Olympiade
Quasi die ‚Alm-Desserts‘: Wäldar Schoggi aus Molke, Rahm, Butter und Zucker. Ein außergewöhnliches Erzeugnis von der Alpe Wildmoos in Bezau im Bregenzerwald.

Die 5. Stelle belegt in meiner Wertung die Familie GEBHARD EBERLE aus Bezau mit ihrer ‚Wäldar-Schoggi‘ ALP SIG von der Alpe Wildmoos. Die Herstellung dieses Produktes ist langwierig: Molke wird 3 Stunden gekocht, besser gesagt eingekocht. Dann werden Butter, Rahm und Zucker zugesetzt. Die Masse wird wiederum 3 Stunden gekocht und muss genauso lange gerührt werden. Bis die Flüssigkeit eingedickt ist. Das Ergebnis ist sensationell.

Wie die offizielle Jury entschieden hat? Die Ergebnisse stehen mir Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Blogbeitrages noch nicht zur Verfügung. Ich werde sie aber hier nachliefern.

Hier sind die Ergebnisse

 

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